Montag, September 25, 2006

Wind of Change

Die letzte Woche hat viele Veraenderungen mit sich gebracht, was prinzipiell ja gut ist - wer rastet, der rostet, und nur, wenn Altes weicht, kann Neues kommen. Da meine drei Wochen WG am Sonntag ausliefen, war ich also gezwungen, mir eine neue Bleibe zu suchen. Zum Glueck hatte der selbe Vermieter in einem seiner anderen Haeuser ein Zimmer fuer mich frei- noch dazu ein Einzelzimmer. Jetzt wohne ich also 300 Meter weiter in einem sehr betagten Haus mit zwei anderen Jungs - einem Russen und einem anderen Deutschen. Wiedermal viel aelter als ich, scheinbar erfreut sich meine Unternehmung nicht so grosser Beliebtheit in meinem Alter. Ansonsten ist es aber auszuhalten, noch dazu relativ preiswert. Trotzdem werde ich mich aufgrund der Baufaelligkeit des Hauses wohl demnaechst wieder einmal auf Wohnungssuche begeben.

Am Wochenende habe ich also (wiedereinmal) alle meine Sachen zusammengepackt und meiner bisherigen Bleibe den Ruecken gekehrt - schade eigentlich, in Ringsend habe ich mich doch sehr wohl gefuehlt. Obwohl ich sagen muss, dass mir mit der Zeit meine Schwaebische Mitbewohnerin mit ihrem schrecklichen Sued-Deutsch doch auf die Nerven ging, besonders als sie auch noch zwei Freunde fuer drei Tage auf unserem Zimmer untergebracht hat - das und ihre schrille Stimme werd ich garantiert nicht vermissen. Nichtsdestotrotz kann ich die Bewohner ja jederzeit besuchen, was ich seitdem auch schon zwei Mal getan habe, das ganze ist also kein Weltuntergang.
Meinen letzten Abend haben Konrad und ich dann im Sandymount House begossen, dem ersten Pub in Dublin, der mir gefallen hat und nicht nur Kommerz war. Wir also eine naechtliche Fahrradtour zum Pub gemacht, und diesmal musste ich nicht einmal auf ein geliehenes Fahrrad setzten, denn Chris, der nach Schweden zurueckgekehrt ist, hat mir vor seinem Abschied sein Fahrrad inklusive Schloss ueberlassem! Es ist zwar ein wenig klapprig, aber es faehrt, und das ist die Hauptsache. Aber natuerlich kein Vergleich zu meinem geliebten Fahrrad zu Hause...
Anzumerken ist dabei noch, dass mir das System der rauchfreien Arbeitsplaetze in Irland wirklich zusagt, denn auch in den Pubs ist Rauchen verboten - das bedeutet, ungestoerter Pubgenuss und - was sehr viel wichtiger ist - man kann die Kleidung nachts unbeschwert im Zimmer lassen, und muss sie nicht aufgrund von starkem Rauch-Duft tagelang auf der Terasse auslueften...

Ausserdem hat sich meine berufliche Position geaendert. Da ich vergangenen Freitag mit der 280 Akte fertig wurde, ist meine Aufgabe im fuenften Stock von QBE erledigt - jetzt sitze ich im sechsten Stock, wo ich ebenfalls Akten scanne, wenn auch in leicht veraenderter Form. Die Kollegen hier sind genauso wie die auf dem fuenften Stock sehr nett, und in dieser Woche gluecklicher Weise kaum da gewesen, da sie Meetings in London und Wien hatten - ich hatte also massig Zeit, nebenbei im Internet zu surfen... :)
Gestern Abend gab es etwas, was ich so zuvor noch nie erlebt hatte - einen Social Abend. Das bedeutet, die Kollegen gehen zusammen aus, nehmen ein paar Drinks, essen was und gehen danach zur Comedy, ins Kino etc, jedoch wird alles von der Firma bezahlt. Das heisst, ich hatte gestern Abend viel Spass beim Biertrinken, Abendessen und Komiker-Zusehen (auch wenn ich die Haelfte aufgrund eines ausgepraegten Akzents nur schwer verstehen konnte), und das alles fuer lau. Davon koennten sich deutsche Firmen wirklich mal 'ne Scheibe von abschneiden. Am naechsten Morgen war hier alles ein wenig lockerer, alle kamen etwas spaeter und gingen die Arbeit dann etwas ruhiger an. Irische Gelassenheit...

Neben meiner Bankkarte habe ich jetzt auch endlich meinen ersten Paycheque erhalten, mein erstes selbstverdientes Geld in Irland - ein Steuerzertifikat habe ich auch bereits angemeldet - es brummt also hier in Dublin... :) Dabei muss ich wirklich sagen, dass die Loehne in Irland wirklich super sind, obwohl das Geld aufgrund der hohen Lebenskosten natuerlich auch schnell wieder verschwindet - ein Gleichgewicht also.

Am heutigen tag ist es genau ein Monat Irland; immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. 29ter August - 29ter September, bereits 31 Tage - was hat sich geaendert? Seit einem Monat sorge ich erfolgreich fuer mich selbst, worauf ich natuerlich doch stolz bin. Mein Franzoesisch ist dank Konrad ein wenig zurueckgekommen, wenn auch nicht viel, aber es ist trotzdem lustig zu sehen, was haengengeblieben ist. Ein paar Saetze Italienisch habe ich auch noch hingekriegt. Waesche waschen, Essen machen, Wohnung und Arbeit suchen, bei Behoerden melden - all das habe ich in den letzten vier Wochen gemeistert. Mit dem Englisch klappt es gut, ich habe einige neue Woerter gelernt, aber mit der Sprache hatte ich vorher auch noch nie wirklich Probleme. Ob ich schon ein wenig den Dubliner Akzent angenommen habe, kann euch in wenigen Tagen ein unparteiischer Beobachter erzaehlen - Fabian ist meinem Ruf nach Verstaerkung gefolgt und wird mich im irischen Alltag eine Woche lang unterstuetzen. Failte sag ich da nur, das ist irisch fuer Willkommen. Ich wuensche euch nun ein schoenes Wochendende, von meinen Abenteuern mit Fabi in Dublin werde ich dann in der naechsten Woche berichten.

Also, "heut' ist nicht aller Tage, ich komm' wieder, keine Frage"
Der Marco aus Irland

Freitag, September 22, 2006

Ryder Cup


Von Freitag bis Sonntag fand in Irland der 36te Ryder Cup statt. Waehrend dieses Ereignis hier in Irland in etwa genauso wie die Fussball-WM bei uns gefeiert wird, geht dieses Golf-Turnier im Rest von Europa etwas unter - bis vor wenigen Wochen wusste ich nicht einmal, dass es ueberhaupt eine Meisterschaft im Golfen gibt.
Dabei ist der Ryder Cup ziemlich bedeutend, er findet seit 1927 alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt und ist das prestigetraechtigste Golfturnier der Welt. In verschiedenen Modi treten dabei die besten Golfer Europas gegen die der Vereinigten Staaten an.

Urspruenglich war der Cup ein Wettkampf zwischen Grossbritannien und den USA, doch da die Amerikaner schnell den Wettkampf dominierten, wurde die Mannschaft der Briten mit Golfern aus Irland verstaerkt - seit den 70er Jahren stellen sich Golfer aus ganz Europa den Amerikanern, so zum Beispiel auch der deutsche Golfer Bernhard Langer, der vor zwei Jahren Teamkapitaen war. Seitdem Europa geschlossen antritt, hat sich das Kraefteverhaeltnis ausgeglichen; in den letzten Jahren war jedoch stets Europa der Sieger, acht der letzten elf Turniere gingen an die zwoelf Golfer des Europaeischen Teams.
Seitdem hat sich der Ryder Cup zunehmend zu einem Prestigeduell zwischen der Alten und der Neuen Welt entwickelt. (Aus Wikipedia.de)

Soviel zur Geschichte des Ryder Cups, wie in den letzten Jahren ging der Pokal auch diesmal an die Europaeer - leider ohne deutschen Teilnehmer. Ich habe noch ein Stueck des letzten Spiels sehen koenne, denn obwohl ich zu spaet eingeschaltet habe, ist das Fernseh-System in Irland relativ ausgekluegelt. Jeder grosse Sender sendet sein Programm auf einem zweiten Kanal um eine Stunde zeitverzoegert. Hat man gerade den Anfang eines Films verpasst, kann man auf dem zweiten Kanal wieder einsteigen - ein sehr praktisches System.
Nun aber zu etwas ernsterem, das Finale am Sonntag war doch sehr mitreissend, denn Darren Clarke, der mit dem letzten Putt den Sieg der Europaeer (18,5 zu 9,5) zementierte, brach bei der Siegerehrung in Traenen aus. Seine Frau Heather hatte vor einem Monat ihren Kampf gegen den Krebs verloren. Ihr letzter Wunsch, den sie aeusserte, war, ihr Mann moege Europa beim Ryder Cup zum Sieg verhelfen. (Aus Herald AM)

Grosse Emotionen also beim Finale eines grossen Golfturniers, sehr authentisch und pragmatisch wie ich finde, denn im Leben kann eben nicht immer die Sonne scheinen.

Besuch bei Shir Khan


Der Tiger im Dublin Zoo kann einem schon irgendwie leid tun. Das Foto entstand durch eine Glasscheibe, hinter der er unruhig von einer Ecke zur anderen lief, den ganzen Tag lang - wahrscheinlich Kaefig-Koller. Auf dem Foto hab ich den Wendepunkt seiner Reise durch sein Gehege einfangen koennen.
Unveroeffentlicht werden all die anderen Tiere bleiben muessen, die mich ausserdem noch im Zoo beeindruckt haben, wie die Nashoerner, die Woelfe, die Pinguine, die Fledermaeuse...

Von Affen und Giraffen


Die "World of Primates" des Dublin Zoo ist wirklich ein Paradies fuer Biologen. Waehrend wir uns im letzten Jahr des Bio-Grundkurses von Frau Mue-Schro mit dem kleinen Affengehege im Tierpark Neumuenster abgeben mussten, waere unsere werte Biolehrerin hier garantiert ausgeflippt. Neben den Standard-Menschenaffen Orang-Utan, Gorilla und Schimpanse (siehe Bild) gibt es auch ein paar exotischere Spezies. So bietet der Spider Monkey wirklich einen faszinierenden Anblick, denn er verwendet seinen koerperlangen Greifschwanz zum Klettern mit einer Praezision und Leichtigkeit, als waere er eine weitere Gliedmasse zum Zugreifen. So kommt es dann, dass einige Affen mit Nahrung in beiden Haenden sich wild kreischend mit den Fuessen und dem Schwanz durch die Baeume schwingen, waehrend sie von anderen Affen, die wild auf die Nahrung und ebenfalls laut am kreischen sind, verfolgt werden. Wirklich ein tolles Schauspiel (ich weiss, ich hab mich wahrscheinlich gerade wieder als Bio-Freak geoutet.. :).

In den "African Plains" findet man neben Loewen und Geparden auch eine Giraffenherde, die zusammen mit einer Zebraherde friedlich auf einem weitlaeufigen Steppen-Areal grast. Um ihre Ruhe zu haben, hatten sich die Tiere circa 100 Meter von den gaffenden Besuchern zurueckgezogen, sodass ich zum ersten Mal mein Makro-Objektiv getestet habe. Trotz Gegenlicht wie ich finde eine schoene Fernaufnahme. Dabei gab es eine interessante Diskussion zum Mitlesen, ob das Streifenmuster der Zebras nun der Tarnung als Schutz vor Raubtieren oder Stechmuecken dient. Der ersten These zufolge loest sich der Umriss der Tiere durch die Streifen im Grass auf und die Tiere sind so fuer Raeuber schwerer zu erkennen. Letzter These zufolge werden die Facettenaugen der Muecken durch das Schwarzweissmuster der Zebras dermassen verwirrt, dass die Blutsauger entscheiden, es lohne sich nicht, das Zebra als Ziel anzufliegen und steuern ein anderes Opfer an. So hat das Zebra seine Ruhe vor laestigen Schmarotzern. Welche Theorie nun auch immer richtig ist, auf jeden Fall waren die Streifen wirklich mal eine gute Idee vom Zebra.

Dienstag, September 19, 2006

Der Ruf der Wildnis

Genau dem bin ich am vergangenen Samstag in den Dublin Zoo gefolgt, einem der aeltesten Zoos Europas. Beruehmt ist dieser unter anderem fuer den bruellenden Metro-Goldwyn Loewen, der hier aufgenommen wurde. Soviel also zur Theorie, nun zur Praxis. Leider war der eine Loewe, den ich halbwegs in seiner Hoehle sehen konnte, dermassen schlaefrig, dass ich nicht ueberpruefen konnte, ob er dem MGM Loewen wirklich aehnlich sieht. Schade.

Der Rest des Zoos war aber wirklich toll. Wofuer der Zoo wohl auch beruehmt zu sein scheint, sind die Verlorenen Kinder. Ueberall hab ich kleine Gehege gesehen, wo ein Schild die "Lost Children" ankuendigte. Leider hab ich keine Exemplare davon sehen koennen. Als ich in den "African Plains" war, eine grosse Savannenlandschaft mit lauter Afrikanischen Tieren (Loewen, Elefanten, Giraffen etc.) und erneut ein Kinder-Gehege sah, wurde ich etwas aufgeregt. Ich war sehr gespannt darauf, kleine extrem-pigmentierte Kinder mit Rasta-Zoepfen zu sehen - leider waren die aber wieder nicht zu sehen. Den Tierpfleger, der da war, wollte ich dann auch nicht mehr fragen, wahrscheinlich hat mich mein interessiertes Beobachten schon verdaechtig genug gemacht...

Ausserdem ist es doch immer wieder erstaunlich, wie sehr einige Tierarten dem Menschen doch aehneln. Die Lemuren wollten sich partout nicht fuer ein Foto zur Verfuegung stellen, und gingen ihrem Alltag in ihren Gehegen nach. Als ich mich dann zum Gehen wandte, und einen Schokoriegel aufriss, hatte ich urploetzlich die gesamte Aufmerksamkeit der kompletten Lemuren-Gruppe. Einmal kurz mit dem Plastik geknistert, ein paar mal mit dem Riegel hin und her gewedelt, und schon hatte ich ein schoenes Foto eines interessierten Lemuren im Kasten. Es ist eben immer das selbe: alle denken immer nur ans Essen....

Montag, September 11, 2006

Der Ernst des Lebens

Sorry dass ich solange schon nichts neues mehr gepostet habe, aber in der vergangenen Woche bin ich durch mehr als nur meine Arbeit vom schreiben abgehalten worden. Das werdet ihr gleich verstehen, doch nun erstmal zu meinem Job:
Nachdem ich am Donnerstag bei La créme war, bekam ich kaum 24 Stunden spaeter einen Anruf von einer Dame der Agentur, die mir mitteilte, dass ich am Montag bei QBE Insurances anfangen koennte - das ging schnell. Zwar eine Versicherung - Spiesser, ich weiss - aber besser als gar nichts.
Nun bin ich fuer die Umstellung des kompletten Archivs der abgeschlossenen Versicherungsfaelle der Jahre 1992 - 2004 von analoger auf digitale Art zustaendig - ich bin Admin Assist. Das klingt doch richtig aufregend, verantwortungsvoll und bedeutsam....

Nun ja ich muss mit höchster Präzision Tackerklammern aus Aktenordnern entfernen, die einzelnen Akten dann verantwortungsbewusst scannen (immerhin geht das - auch bei 210 Dokumenten auf einmal - automatisch), die gescannten Akten dann in ein bedeutungsvolles Indexraster eintragen und den so archivierten Aktenordner dann in eine aufregende Box verfrachten - zwar ein bisschen stupide, weil es sich ständig wiederholt, aber dafür habe ich meine Ruhe, die Kollegen sind echt sehr nett, ich kann selbstständig arbeiten und werde gut bezahlt (11 Euro/Stunde). Manchmal ist es etwas sonderbar, weil QBE eben auch so schreckliche Zwischenfaelle wie den Elften September oder die Flutwelle in Asien versichert. Aber meine Mit-Work-and-Traveller mussten sich bisher mit Kellnern oder Umfragejobs zufrieden geben, also bin ich da mit meinem Job ganz zufrieden. Und das beste ist: Es gibt gratis Tee! Leider verliert man hier seine deutsche Disziplin, und passt sich dem irischen Lotterleben an: vor der Mittagspause unbedingt noch auf Toilette gehen, spart auch wieder 5 Minuten, oefters mal zwischendurch 'nen Tee aufbruehen....
Fuer die Fahrten zum Job und zurueck hab ich mich uebrigens vom Walker-Marco ueber den Busfahrer-Marco zum Biker-Marco weiter- beziehungsweise zurueckentwickelt. Ich hab mir von meinen Mitbewohnern Fahrrad und Schloesser zusammenleihen koennen, danke dafuer an Konrad, Chris und Woitjek! Busfahren ging mir auf Dauer ins Geld und auf die Nerven, und die Oma, die sich letztens bei der Anfahrt an die naechste Haltestelle bekreuzigt hat, hat mir den Rest gegeben...

Jetzt hab ich also mein eigenes Cubicle, inklusive eigenem PC mit Password, Benutzernamen und allem Schnickschnack, meine eigene Interne Rufnummer, sodass man mal eben beim Kollegen um die Ecke anrufen kann, und und und.. Was echt angenehm ist, der Fahrstuhl bringt einen direkt in die Tiefgarage der Firma, wo man auch das Fahrrad anschliessen kann. Sandwichlaeden, ein Pub und ein Park sind auch um die Ecke. A pros pros Pub, weil eine meiner Kolleginnen in drei Wochen geht, hat uns unser Chef Paul (ja, Chefs mit Vornamen gibts auch..) letzte Woche auf seine Rechnung zum Mittagessen und Drinks in den Pub um die Ecke eingeladen... wirklich, hier gibt's jeden Tag eine neue Welt.
Da ich in einer Versicherung arbeite, heisst das: jeden Tag Hemd und Krawatte, ausser Freitags, denn in Irland ist Freitags immer "Casual Day", was bedeutet, dass man Freitags Jeans und T-Shirt selbst in Versicherungen tragen darf. Das ist dann wirklich lustig, den Chef in Polo-Hemd rumlaufen zu sehen. Mein 35 jaehriger Nachbar Barry hat's dann aber doch uebertrieben, er hat gleich zu einem T-Shirt mit der Aufschrift "666 - Team Satan" gegriffen. Etwas ueber das Ziel hinausgeschossen...
Mein Buero selbst liegt auf der fuenften Etage, ist schoen ruhig, hat nen netten Ausblick und ist voll klimatisiert. Und das ist auch der Grund, weshalb ich mich nach nur drei Arbeitstagen zum ersten Mal krankmelden musste, das war mir sehr unangenehm. Durch die pausenlose Umwaelzung der Luft im Buero muss ich mir am Mittwoch ne Grippe oder so was zugezogen haben, jedenfalls musste ich in der Nacht reihern, naechsten Tag Moerder-Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schnupfen, erhoehte Temperatur, Ohrenschmerzen, Appetitlosigkeit, Husten..... aaaah.
Ich also am Donnerstag zu Hause geblieben und fleissig Salzstangen in mich reingestopft, die alten Hausmittel sind doch immer noch die Besten. So ist wenigsten das Essen dringeblieben. Trotzdem bin ich jetzt seit fast ner Woche angeschlagen, die Temperatur, den Husten und Schnupfen bin ich noch nicht wirklich los geworden.. Fuer den rauhen Hals hab ich dann alle meine Eukas gelutscht, Patis Kroatien-Bonbons (danke an dieser Stelle) sind auch schon weg. Wenigstens hab ich heute Ricolas gefunden, die sind wirklich das besten fuer 'nen wunden Hals (wer hat's erfunden?). Leider sind jetzt alle Eukas weg, wenn ich nicht bald hier welche finde, werd ich noch nen Euka-Spendenaufruf starten muessen :)
Statt 'Saufen fuer den Regenwald' wirds dann wohl 'Lutschen fuer den Marco' heissen...

An meinem ersten Arbeitstag hab ich dann auch den ersten richtigen Irischen Regen erlebt, also einen richtigen Wolkenbruch. In nur fuenf Minuten war ich dermassen nass, dass meine Schuhe drei Tage zum trocknen gebraucht haben und meine Hose wohl das dreifache gewogen hat. Hab ich dann alles auf meine bewaehrte Do-it-yourself-Waescheleine gehaengt, wo gestern auch die zweite Ladung Waesche gelandet ist. Uebung macht eben den Meister.

Ansonsten bin ich hier sehr zufrieden, meine Vorgesetzten wohl auch mit mir (so solls sein) und in den naechsten Tagen werd ich den ersten Cheque kriegen (*freu*), nachdem ich heute meinen irischen Bank-Account eroeffnet habe. Ich krieg dazu 'ne "Lasercard", bin ja mal gespannt was das ist, da werd ich wohl selbst James Bond noch Konkurrenz mit machen...

Also so weit erstmal, wahrscheinlich muesst ich euch jetzt wohl leider drauf einstellen, nicht mehr taeglich von mir zu hoeren, nachdem ich diesbezueglich ja schon Emails erhalten habe, wo denn die naechsten Beitraege bleiben wuerden... Tjaja tut mir leid, aber nuetzt ja nun nix, muss ja auch von irgendwas leben. Also dann machts mal gut und haltet die Ohren steif,

liebe Gruesse vom Marco aus Irland

McGyver hat gewaschen

Nachdem ich ja am Freitag bereits angekuendigt hatte, am Samstag meine Waesche zu waschen, hier also das Ergebnis: Alles hat noch dieselbe Farbe und dieselbe Groesse, und alle Socken sind auch noch beisammen: also ich wuerd mal sagen, Pruefung bestanden, Ha! Von wegen bauchfrei.....
Als ich den Krams aus der Waschmaschine holte, und der Trockner besetzt war, dachte ich mir, dass ich das Zeugs nicht so rumliegen lassen sollte. Also hab ich mir kurzerhand in meinem Zimmer mithilfe einer Schnur meine eigene kleine private Waeschleine gebaut. Das ganze hatte auch noch einen kleinen willkommenen Nebeneffekt: Durch das "Abhaengen" ueber Nachte haben sich auch alle Kleidungsstuecke geglaettet, Buegeleisen also auch gleich gespart - so einfach kann das Leben sein. Fuer mein Hemd und meine Hose werd ich aber eins brauchen (fuer die Arbeit), da wird mir wohl nix anderes uebrig bleiben, als in eine Waescherei zu gehen, wir haben hier leider kein Buegeleisen...

Heavy Metal Abend

Am Samstag Abend waren Konrad und ich in einem Heavy Metal Club hier in Dublin, um ein bisschen abzurocken. Wir also alle dressed in black - schwarzer Kajal war mir dann aber doch zu abfahren, guckt euch mal Konrad's Bericht zu dem Thema an, dort sind auch mehr Fotos von dem Abend. Und wer jetzt erraet, welche Szene aus welchem bekannten Film ich da imitiere, gewinnt zwar nix, hat seine Sache aber gut gemacht, Loesungsvorschlaege bitte in die Comments, mal sehen wer der erste ist....
Der Club selbst war zwar nicht so der Oberknueller, aber dafuer die Musik: Rammstein, Disturbed und Metallica auf voller Lautstaerke waren genau nach meinem Geschmack. Doch dann der erste Schock: zu diesem Laerm, der aus den Lautsprechern toente, gab es doch tatsaechlich einige Freaks, die meinten, dazu TANZEN zu koennen.... Zum Tanzen an sich gehoert meines Erachtens ein Beat, Rhytmus oder zumindest eine Melodie, aber nicht dieser Krach, der da ertoente. Wahrscheinlich vergnuegen sich diese Menschen zwischendurch auch, indem sie neben einem Presslufthammer das Tanzbein schwingen.... Das eigentlich witzige waren aber die Irren, die auf die sogenannte "Tanzflaeche" stroemten, als Rammstein ertoente. Der Anblick von 50 angetrunkenen Iren, die alle voller Ueberzeugung "Du, du hast" bruellten, aber eigentlich keine Ahnung haben, ob sie gerade ein Steak bestellt haben oder in die Armee eingetreten sind, war einfach herrlich.
Um drei Uhr morgens konnte ich dann aber einen sehr netten naechtlichen Spaziergang (45 Minuten) durch Dublin nach Hause geniessen, die Skyline bei Nacht ist hier einfach toll. Hier stehe ich gerade an den Docks von Dublin um drei Uhr morgens, auf der letzten Bruecke vor dem Atlantik...
Um euch mal 'nen Eindruck zu geben, was da an Musik gespielt wurde, hab ich mal ein Beispiel angehaengt..

Freitag, September 08, 2006

Big City Life


Am Freitag hat uns Vincent verlassen - mit dem Franzosen im weissen Pullover habe ich eine Woche unser Zimmer geteilt, und wir hatten viel Spass zusammen. Vincent, dessen kompletter Name ein kleines franzoesisches Wortspiel enthaelt (Vincent Pain ist im franzoesischen von vin sans pain - Wein ohne Brot - nicht zu unterscheiden, deswegen zieht er die englische Sprechweise vor) wuensche ich alles Gute und viel Erfolg daheim in Frankreich.
Zu seinem Abschied haben wir eine kleine Party gegeben, zu der fast alle von uns versammelt waren, ich dachte mir, das ist eine gute Gelegenheit, euch mal die Leute vorzustellen, mit denen ich hier unter einem Dach lebe. Klickt bitte auf das Bild, um die qualitativ hochwertigere Version anzuzeigen, ansonsten seht ihr wenig von den folgenden Individuen der Spezies Homo Sapiens.

Oben links seht ihr Chris, einen verrueckten, aber netten Amerikaner. Er ist schon durch die Welt getourt und kann daher einige Sprachen, unter anderem auch ein bisschen Deutsch. Direkt rechts daneben seht ihr Bernardo, der in Deutschland aufgewachsen ist und einen argentinischen Vater hat. Nach einer Woche netter Konversation in Englisch fragte ich ihn, wo er denn geboren sei, und er antwortete in lupenreinem, akzentfreien Deutsch: "Ich komm eigentlich aus Deutschland, aus der Naehe von Stuttgart." Jaja, Ueberraschungen gibt's doch immer wieder..
Rechts neben Bernardo seht ihr Maria aus Italien, die andere Nutella-Liebhaberin im Hause. Wenn Chris nicht gerade Englisch oder Deutsch zu mir spricht, reden er und Maria manchmal Itlaienisch, damit er nicht aus er Uebung kommt.

Direkt vor mir praesentiert Woitjek seine Spaghetti, er lebt hier bereits seit zwei Jahren, und plant erst in drei Jahren nach Polen zurueck zu kehren. Mutige Entscheidung. Der Junge neben mir im weissen Pullover ist Vincent, der nun bereits wieder in Frankreich ist. War eine nette Zeit mit ihm, nun werd ich mir mein Zimmer mit einem deutschen Maedchen aus Baden-Wuerttemberg teilen muessen..

Die Dame unten rechts im Bild ist Daniela aus Neuseeland, mit ihr zusammen geniesse ich hier Simpsons, Scrubs und Lost-Abende. Ausserdem macht hier jeder Witze ueber die Ärmste, weil ihr Neuseelaender Akzent einfach zu witzig klingt ("bed" wird in Neuseeland wie "beed" ausgesprochen, also mit nem langen I-Laut, klingt wirklich herrlich...)
Die anderen Personen auf dem Bild sind nur Freunde von Vincent, da der Abend wie gesagt sein letzter war. Wer ausserdem noch fehlt, sind die beiden ungarischen Maedchen Ildigo und Flora. Und last but not least mein Expatriated Friend Konrad, der das Foto gemacht hat. Von Maria geschminkt sieht er ein bisschen so aus wie ein wandelnder Picasso. Ich glaube er ist bisher der einzige, dem alle meine Lieder, die ich ihm vorgespielt habe, gefallen haben. Er schreibt ebenfalls einen Blog, und hat mir sogar einen eigenen Beitrag gewidmet. Zum Glueck hat er mich gestern in einen polnischen Shop mitgenommen (alles 50% guenstiger als sonst), ansonsten waere mir hier wohl zwischenzeitlich das Geld ausgegangen. Aber keine Panik, jetzt hab ich ja Arbeit (Beitrag folgt postwendent).

Zusammen sind wir also eine zehn-Mann-bzw.-Frau-Familie. Erinnert ein bisschen an das islamistische Familienbild...

Job-hunting

Die letzten Tage habe ich damit verbracht, nach einer Gelegenheit zu suchen, um mir meine Broetchen zu verdienen. 10 Tage Urlaub - jetzt geht's ans Eingemachte... :)
Waehrend meine Mit-Work-and-Traveller sich eher auf die Technik des Pavement-pounding (den Lebenslauf 20 Mal ausdrucken, eine Strasse aussuchen und nach Jobangebots-Schildern abgrasen) versteiften, bin ich die Sache anders angegangen. Anders als in Deutschland sind Arbeitgeber hier tatsaechlich auf der Suche nach potentiellen Beschaeftigten. Soll heissen, es gibt hier Agenturen, die immer auf der Suche nach frischen Personen und Lebenslaeufen (Curriculum Vitae, CV) sind. Jede Woche besucht beispielsweise eine Dame der Recruitment Agency La créme, die groesste Agentur in Irland und dem Vereinigten Koenigreich, das Hauptquartier meiner Organisation USIT. Auf den Hinweis dieser Dame hin habe ich dann meinen CV an die Datenbank der Agentur gemailt, um ihn registrieren zu lassen. Fuer den Arbeitssuchenden fallen fuer diesen Service ueberhaupt keine Kosten an - eine Firma, die einen Beschaeftigten ueber die Agentur findet, bezahlt ihr eine Praemie. Fuer einen Jobsuchenden ist das angenehm komfortabel und bequem.

Gesagt, getan - 36 Stunden spaeter wurde ich zum Testen meiner Skills eingeladen. Ich mich also aufgebretzelt und mein Job-hunting Outfit uebergeworfen. Da ich am selben Tag noch bei einer anderen Agentur vorstellig geworden bin, war ich den ganzen Tag schnieke in Dublin unterwegs. So sehe ich also aus, wenn ich Hemd und Krawatte trage...
Scheinbar waren sie auch relativ begeistert von mir, den meine Word-Faehigkeiten, Schnellschreiben und mein Englisch wurde allesamt mit sehr gut benotet, was mich natuerlich sehr freut. Bis jetzt habe ich drei Angebote in Aussicht - eins davon mit Gebrauch der deutschen Sprache. Ironischerweise werden hier naemlich immer mehr Kundencenter aufgebaut, bei denen deutsche Kunden anrufen und Hilfe anfordern koennen - alles wegen der niedrigeren Steuern in Irland, der europaeische Binnenmarkt macht's moeglich. Die anderen beiden sind Jobs bei der Lotterie und einer Versicherung - was bisher wirklich am besten klingt. Zusaetzlich wird dieser Job wohl nicht so lange andauern, so dass er nicht mit meinen Reiseplaenen Anfang Oktober kollidiert.... Daumen druecken.

Das Behoerdenbesuchen, Wohnungsangebote finden und besichtigen und die ganze Jobsuche sind jedoch nur Kinderkram im Vergleich mit der Aufgabe, die mir noch bevorsteht: denn morgen werde ich meine Waesche waschen (muessen) .... Wuenscht mir Glueck, dass ich nicht zukuenftig Bauchfrei in Dublin rumlaufen muss.

In diesem Sinne, liebe Gruesse aus Dublin, der Marco

Mittwoch, September 06, 2006

Pub sein oder nicht sein, das ist hier die Frage

Wie es sich fuer Irland gehoert, habe ich natuerlich bereits einige Pubs besucht. Obwohl ich wirklich Kritik anmelden muss: leider waren die Pubs, die ich bisher besucht habe, reine Kommerz-Pubs. Soll heissen, man tritt ein, und wenn man nur ein etwas aufmerksamer Beobachter ist, merkt man relativ schnell, dass der ganze Pub mehr Fake als echt ist. Ueberall blankpoliertes Holz, glaenzendes Messing, traditionelle irische Folklore dudelt in einer Endlosschleife aus den Lautsprechern... eben ein typisches irisches Klischee. Und so findet man denn auch mehr Auslaender auf der Suche nach dem "wahren Irland" als Einheimische, die sich zum Entspannen in einen Pub zurueckgezogen haben. Da werd ich wohl noch warten muessen, bis ich aus Dublin rauskomme. Denn in den Randbezirken und kleineren Staedten hat man auf der Suche nach dem unverfaelschten Irland mehr Glueck. Schon Heinrich Boell wusste damals zu erwaehnen, es gaebe dieses Irland, "wer aber hinfaehrt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprueche an den Autor".

Die ganze Diskussion laesst sich fuer meine Neumuensteraner Freunde relativ einfach erlaeutern, wenn ihr nur mal an das Foggy Dew am Bahnhof denkt, wo einem das Klischee ja praktisch schon entgegen springt, wenn man eintritt. Ganz anders dagegen das Fiddler's Green in der Christianstrasse, zwar weniger chíc, aber dafuer wesentlich authentischer (an dieser Stelle einen schoenen Gruss an Doris!).
A pros pros Pubs und Bier: wie ich ja schon anmerkte, bin ich bisher ja eher auf deutsche Biere gestossen als auf die typischen irischen Biere. So koennt ihr auf dem Foto neben einer Coke ein obligatorisches Guiness neben einem "Bulmers" Cider sehen - von einer solchen Sorte hab ich noch nie gehoert. Vielleicht kommt sie wirklich aus Irland - aber im Pub gab es nicht einmal die Standart-Marke fuer Cider: Strongbow. Vielleicht herrschen dort aber auch einfach nur Lieferschwierigkeiten vor..
Auf jeden Fall dachte ich mir, gehst du mal recherchieren, welche Biere denn in den Supermaerkten angeboten werden, und siehe da, ich bin auf voellig andere Biere gestossen. Die wurden gekuehlt, und muessen deshalb so cool gewesen sein, dass sie viel cooler als andere Biere waren, und deshalb als "gechillte" Biere verkauft wurden - Chilled Beers.

In besagtem Supermarkt - Tesco's - gibts uebrigens auch die erste Do-it-youself-Kasse, die ich je gesehen habe. Dort heisst es dann: waren aus dem Korb raus nehmen, an den Scanner halten, auf das Foerderband legen, und dann in die Einkaufstasche. Klingt ja relativ nett, wenn einem nicht die Kasse mit einer freundlichen aber aufdringlichen Frauenstimme vorlesen wuerde, was man gerade gekauft und wieviel es gekostet hat. Den gesamten Inhalt des Einkaufskorbes bekommen so auch die wartenden Kunden mit, was bisweilen unangenehm werden kann, abhaengig davon, was man einkauft... (".. Spray gegen Stinkfuesse, 99 Cent. Lutschtabletten gegen Mundgeruch, 1 Euro 49. Pillen gegen Schizophrenie, 2 Euro 95.." usw.)

Soviel also vom ganz normalen Dubliner Alltags-Wahnsinn, trotz aller Kritik und meiner "Nuhr am Noergeln" Einstellung freue ich mich trotzdem sehr, hier zu sein und geniesse Irland in vollen Zuegen. In meiner WG bin ich gluecklich und zufrieden, meine PPS Nummer habe ich gestern gekriegt (jippie), jetzt fehlt nur noch ein Job zum gluecklich sein - von meinen Abenteuern bei der Job-Recruitment Agentur La créme werde ich als naechstes berichten.

Bis dahin machts mal gut und haltet die Ohren steif,
der Marco aus Irland

Lichter einer Grossstadt


Einer der grossen Vorteile an Dublin ist, dass es alle Vorzuege einer Grossstadt bietet - Starbucks ist nur einer davon. Wer scharfe Augen hat und/oder zoomen kann, erkennt, dass die Notizen auf meinem Block das Ergebnis meiner Wohnungssuche sind. Neben den Geschaeften, die es nur in groesseren Staedten gibt, verhalten sich auch die Dubliner so, wie man es aus groesseren Staedten kennt - Ampeln interessieren hier niemanden, auf der Strasse herrscht die Diktatur des Fussgaengers - gruen ist, wenn gelaufen wird. So schafft man es kaum, der Sogwirkung von mehreren Passanten, die zum Ueberqueren der Strasse ansetzen, zu entgehen. Auch wenn die Gardaí, die irische Polizei, daneben steht, herrscht auf beiden Seiten nur wohlwollendes Desinteresse... Das ist fuer Auto- und Busfahrer bisweilen aergerlich, jeden Tag erlebt man hier Situationen, wo alle Ampeln Gruen fuer die Autofahrer anzeigen, aber niemand losfahren kann, weil sich die Proletarier des Gehwegs mal wieder ueber so profane Dinge wie Ampelmaennchen hinwegsetzen, denn die Iren haben hier einen "hard neck". Und eh man sich versieht, ist schon wieder rot fuer die Kraftfahrzeugfuehrer.. Ich wuerd mich nicht wundern, wenn die Lebenserwartung vom gemeinen Dubliner Lenkrad aufgrund von Bissspuren unter dem Durchschitt liegt.

Um diesen anarchistischen Zustaenden Herr zu werden, haben sich die Dubliner Ordnungshueter hier etwas pfiffiges einfallen lassen: an den groesseren Kreuzungen zeigt ein Countdown an, wie lange es noch bis zur naechsten Gruenphase dauert - eine nette Idee, wenn die Anzeige nur nicht immer bei 40 Sekunden beginnen wuerde. Ich glaube, bei dieser Zeitspanne wirkt der Countdown eher kotraproduktiv, denn wer hier nach dem Motto "Zeit ist Geld" lebt, fuer den sind 40 Sekunden bereits ein Vermoegen....

Ansonsten hatte ich gestern ein Meeting mit einer Frau von la créme, das ist ein Agentur, die hier Leute fuer Office Arbeiten rekrutiert. Wie gesagt, es sind voellig neue Erfahrungen hier, dass potientielle Arbeitgeber auf der Suche sind auf einen selbst zukommen. Uebringes, neben meiner neuen Mail-adresse bin ich und mein Blog nun auch unter http://www.ire2006.de.vu zu erreichen, das ist weniger kompliziert als die vorherige Seite (vielen vielen dank an Julian an dieser Stelle..). Natuerlich funktioniert die alte Adresse immer noch, ihr braucht eure Favoriten nicht zu aendern, falls ihr welche angelegt haben solltet, was ich doch sehr hoffe...
Und um das noch einmal deutlich zu machen: es muss sich NIEMAND registrieren, um mir einen Comment zu hinterlassen. Es reicht vollkommen aus, wenn ihr unter "Sonstiges" euren NAMEN eingebt. Ich freu mich immer sehr ueber Comments, deswegen hab ich es euch auch so einfach gemacht, mir welche zu hinterlassen. Also, niemand muss sich hier registrieren, ihr geht einfach am Ende des Posts auf "Comments", und gebt unter "Sonstiges" euren Namen ein... so einfach ist das.

Dienstag, September 05, 2006

Neues aus der Mark

Heute den ersten Irish Drizzle erlebt - Dublin ist beruehmt fuer diesen Nieselregen, der aber nach ner Viertelstunde schon wieder vorbei war - der Taxifahrer wies mich gleich an meinem ersten Tag auf das wechselhafte Wetter hin, es sagte "Wait 20 Minutes, and the weather'll change"... da hat er recht. Hatte gerade die Regenjacke und Cap auf, und meinen Gang durch den Regen angetreten, als es schon wieder aufhoerte.

Von der stark befahrenen Verkehrsstrasse des Hostels, die ihr links seht, bin ich ja zum Glueck weg. Jetzt bin ich mehr am Wasser, denn meine WG ist in der Naehe der Docks, und gestern soll da angeblich der groesste Cruiseliner der Welt gewesen sein... Die tolle Landschaft Irlands konnte ich ja bisher leider nur im Flugzeug sehen, aber das war schon geil, der Anflug des Dublin Airports geht ueber das Wasser, also 10 Minuten vor der Landung geht der Pilot runter, und man sieht die zahlreichen Inseln und Fischerboote von nahem, und wenn man Glueck hat wie ich sind die dann auch noch von der Sonne beschienen, richtig toll, ich wuenschte ich haette ein Foto davon machen koennen, aber beim Landen ist das halt ein bisschen schwierig..

Heute ueberquere ich die Strasse, und auf einmal ziehen hier massenweise leere (!) Taxen lauthals hupend vorbei - Taxi-Streik! Aber eins hab ich trotzdem gesehen, dass einen Passagier befoerdert hat - schwarze Schafe gibts halt ueberall :) hat wahrscheinlich auch den fuenf-fachen Preis verlangt.. Als ich mir im Lidl (ja die gibts hier auch, die Globalisierung ist ueberall und geht sogar so weit, dass die Waren hier die selben sind, zum Teil noch nicht mal uebersetzt!) einen Rum kaufen wollte, wurde ich zum allerersten Mal bisher nach meinem Ausweis gefragt! Obwohl es eine Premiere war - sehe ich aus wie 17?? Trotzdem sind die Preise hier, selbst bei Lidl, ein Hammer. Fuer meine Lieblingspizza (Speciale), die zuhause im Lidl 2,49 kostet, soll ich hier fuer exakt den selben Karton 3,59 zahlen.... der eigentliche Witz ist aber das "That's Cheap!" Schild darunter... schon klar.

Nachdem ich meine Abneigung dem Busfahren gegenueber etwas ueberwunden habe (staendig 25 Minuten laufen ist auch Mist), nehme ich nun haeufiger den Bus ins City Centre. Hier nennt sich das obere Stockwerk uebrigens "Upper Saloon" - ist aber deutlich unkomfortabler, und Getraenke werden hier auch nicht gereicht.. Dabei treiben mich die Dubliner Busse noch in den Wahnsinn: Zwar haelt direkt vor meiner Tuer ein Bus, der fuer 95 Cent auch direkt ins City Centre faehrt - so weit so gut - , nur leider gibts hier kein Wechselgeld, sondern man bekommt nen Bon mit dem Restgeld in aufgedruckter Form drauf. Die muss man dann ins Buero der Busfirma bringen, wo man sie dann gegen Bargeld eintauschen kann - das koennte eine Idee eines Deutschen gewesen sein. Ist zwar nicht so schlimm, nur ist das Geld erstmal aus dem Portmonnaie raus, und wenn man dem Fahrer dann 2 Euro gegeben hat, und nur 95 Cent haette geben muessen, fehlt einem auf einmal ein Euro. Die Firma spekuliert natuerlich drauf, dass man den Bon verliert oder wegwirft - aber nicht mit mir! Sobald ich die ersten 20 Bons mit 5 Cent Rueckgeld habe, hole ich mir meinen sauer verdienten Euro ab...


Das eigentlich aergerliche an den Dubliner Bussen ist aber vielmehr, dass an den Busstops nicht die Uhrzeit vermerkt ist, wann der naechste kommt. Und so was wie Busplaene gibts hier auch nicht (Anna freu dich ueber dein Luxusexemplar....) Stattdessen ist an jedem Stop nur die ungefaehre Abfahrtszeit des Busses aus dem Hauptquartier vermerkt - wer sich das ausgedacht hat gehoert echt an einen Bus gehaengt und zu Tode geschliffen... Im Alltag sieht das Warten auf einen Bus dann also so aus, dass man an dem Stop steht, und sieht, dass um 15 Uhr ein Bus aus dem Hauptquartier losfaehrt. Daneben kann man ablesen, dass er bis zum naechsten grossen Stop in der Naehe (denn natuerlich sind nicht alle Stops vermerkt, waer ja auch zu schoen gewesen ...) circa 15 Minuten brauchen wird. Also wird er vielleicht, vielleicht aber auch nicht um viertel nach oder 20 nach 3 am Haeuschen ankommen... und da sag noch mal einer was gegen meine Busphobie. Wenn man dann aber endlich drin sitzt hat man aus dem "Upper Saloon" einen netten Blick auf die Stadt... alles hat also doch zwei Seiten, und eine ist immer die sonnige.

Endlich ein richtiges Fruehstueck


Heute Morgen konnte ich endlich das erste richtig gute Fruehstueck seit einer Woche geniessen - dank Nutella (endlich, denn meine Milka ist trotz Sparsamkeit alle) und dem Super Tee von Konrad (hmm). Eine richtige Wohltat. Das Fruehstueck im Kinlay's war dagegen ein Witz. Ich bin relativ froh, endlich dort raus zu sein, obwohl es ja gar nicht mal so schlimm war. Aber es ist trotzdem bemerkenswert, wie selbst so ein nerviger Ort wie das Kinlay's in einer Zeit von allgegenwaertiger Unbestaendigkeit zu einem festen Pol werden kann, den man ungern verlaesst. In der Not frisst der Teufel eben Fliegen... Ich hatte schon immer kleine Psychiater-Ambitionen, besonders nach der Lektuere von Hector's Reise von Francois Lelord.. wirklich ein sehr gutes Buch.. :)

Da ich die Wohnung ja jetzt fuer die naechsten drei Wochen in trockenen Tuechern habe, kann ich mich jetzt darauf konzentrieren, mir einen Job zu besorgen. Nachdem ich mir ja letzte Woche bereits ein Outfit besorgt habe (ich berichtete), kann ich da also loslegen. Ich hab gestern auch bereits meinen Lebenslauf (Curriculum Vitae, CV) an zwei Agenturen gemailt, die nach deutschsprechenden Personen fuer Kundenberatung oder so was suchen - fuer den Anfang waer das nicht schlecht, mal sehen ob die sich melden. Zwischendurch findet man in Dublin immer mal wieder eine nette ruhige Ecke, wo man einen Tee trinken, was essen oder einfach nur chillen kann. Den Tee kann man als Tea-to-Go sogar mitnehmen... Hier rechts also ein Pfefferminz-Tee, den ich in der Henry Street getrunken habe, sehr lecker, ohne Tee gehts halt nicht...

Es ist echt erstaunlich, wie viele Deutsche man hier trifft, von den vier Maedels, mit denen ich Fussball geguckt habe wisst ihr ja schon (tss) , gestern war ich fuer die WG einkaufen, und vor mir quasselten zwei Frauen auf deutsch vor sich hin, am letzten abend im Kinlays trudelten noch zwei deutsche Party-Chicks ein, die zwar einen auf super freundlich machten, aber mir trotdem gewaltig auf den Keks gingen... So ein widerliches Deo hab ich noch nie gerochen, mit dem die sich auf dem Zimmer eingedieselt haben... jeez ich hab bestimmt die naechsten 20 Minuten damit verbracht, am Fenster weiterzulesen....

Montag, September 04, 2006

Vom Suchen und Finden einer Wohnung

Das hier rechts war mein Zimmer in meiner Jugendherberge. Und wie ihr an meiner verwischten Gestalt (der Marco von der verwischten Gestalt...) erkennen koennt, bin ich nicht mehr dort. In meinem Reisepreis inbegriffen waren fuenf Vouchers, fuenf Gutscheine fuer fuenf Uebernachtungen. Die letzte Uebernachtung im Kinlay House Hostel hatte ich also am Samstag abend. Seit Donnerstag suchte ich also nach einer Bleibe, wo ich Sonntag einziehen koennte. Obwohl das Kinlay gar nicht so schlecht war, wollte ich dort ungern verlaengern, es war mir dort einfach zu teuer, zu eng, zu umstaendlich und das Fruehstueck zu karg (ich fruehstuecke nun mal gern...). Uber daft.ie , die Plattform in Irland um eine Unterkunft zu finden, suchte ich also nach etwas erschwinglichem im City Centre von Dublin. Das erste Haus, was ich besuchte, gefiel mir gar nicht, einmal war es viel zu weit im Norden, nicht einmal mehr auf der Karte vom City Centre, so dass ich jeden Tag 15 Minuten Bus haette fahren muessen, um ins Zentrum zu kommen (manche von euch wissen, dass ich es mit Busfahren nicht so habe..). Dann gefiel mir das Haus nicht, weil es mir zu schaebig war, und die Mitbewohner, mit denen ich es haette geteilt, schienen mir nicht so angenehm zu sein, obwohl ein Maedchen ebenfalls aus Deutschland (Ruhrgebiet ... naja :) kam.

Ich also weitergesucht, und das naechste Angebot gefiel mir: Vom City Centre nur ne Viertelstunde zu Fuss entfernt, mit Bus sogar nur 5 Minuten. 75 Euro plus 15 Euro Rechnungen (Strom, Gas, TV) die Woche. Zum Vergleich, in der Jugendherberge zahlte ich 30 die Nacht, also 210 die Woche. Fuer Wasser und Muellabfuhr bezahlt in Irland niemand, die sind in der Steuer enthalten - angenehm. Die neun Leute, die bereits drin leben, gefielen mir auch - also hab ich zugeschlagen. Uebrigens hat mich der Besitzer als Deutscher nicht an meinem Akzent erkannt (zum Glueck), sondern daran, dass ich sagte, ich haette sechs Minuten hergebraucht. Ein Ire haette einfach nur gesagt, es waeren fuenf gewesen, denn wir Deutschen gelten hier als sehr genau und detailiert...

Naja also welches Bild koennte meinen Einzug besser symbolisieren also mein ganz eigener Schluessel. Es ist ein relativ grosses Haus, und 10 Leute inkl. mir schlafen in fuenf Doppelzimmern. Ich teile mir meins mit Vincent, einem sehr netten Franzosen. Er beherrscht noch ein bisschen Deutsch, also gibts immer kleine Battles, wer noch am meisten aus der Sprache des anderen draufhat (Willst du noch Butter - Mais oui - hier, nimm - merci beaucoup.....) und so weiter, macht sehr viel Spass, denn so kommt nebenbei auch in bisschen was von meinem Franzoesisch zurueck..

Ausserdem lebt dort noch Konrad, ein Franz-Pole, der ebenfalls noch ein bisschen Deutsch spricht, meine Musik hoert (!!! findet man sehr, sehr selten...) und ein ebenso grosser Teefanatiker ist wie ich... also ein super Typ :) Sein Chef ist ein Oesterreicher, da kann ich ihm dann ab und zu helfen, seine Texte zu korrigieren, so waescht halt eine Hand die andere. Zum Einzug hat er mir erstmal einen Gmail account verschafft! Fuer alle, die jetzt nichts mit Gmail anfangen koennen: Das ist von Google, ist sozusagen der Porsche unter den Mailanbietern (3 GB Speicher, und der Speicher verhaelt sich wie ein typischer Chinese - er vermehrt sich! ) und nur ueber persoenliche Empfehlung zu haben. Also sehr wertvoll. Und fuer alle, die etwas damit anfangen koennen: Ja ich habe Gmail! Und es ist nur geil! Ha! Jetzt also bitte an @gmail.com schreiben, alles vor dem @ bleibt gleich, ich schreib das jetzt absichtlich nicht aus, um keinen Spam zu kriegen.. Wer noch an @web.de schreibt, bekommt aber eine kleine Erinerung an die neue Adresse, also keine Panik. Geht ganz einfach, nur statt @web.de jetzt @gmail.com. Das ist alles :)

Dann lebt dort noch Wojtek (ja, nicht ganz so wie das Buch, musst ich auch zuerst dran denken...) aus Polen , und Konrad und er sind wahrscheinlich die ersten, die meinen Familiennamen auf Anhieb fehlerfrei und wunderbar ausgeprochen haben.. Dann gibts noch Bernado und Maria aus Bella Italia, Chris aus den USA, Daniela aus Neuseeland, und zwei Maedchen aus Ungarn, die ich aber noch nicht kennengelernt habe.... Ich bin der juengste, Daniela ist mit 21 am naechsten dran, aber alle sind echt super toll, ich muss nicht mal in den Pub gehen abends, weil auch so schon genug Party im Haus ist (Rammstein auf voller Lautstaerke abends um halb zwoelf...), aber nur fuer denn Fall: das Haus steht genau zwischen einem Chinese-Takeaway Laden und nem Pub, na wenn das nichts ist, weiss ich auch nicht....

Germany Vs. Ireland



Das hier links ist der Beitrag vom Donnerstag aus dem Evening Herald, einer der grossen Zeitungen Irlands. Wie recht sie doch hatten... Ich hatte ja nun das Glueck, die Reaktion der Iren hautnah mitzuerleben, war ich doch in einen Pub (man spricht das hier [Poob] aus..) gegangen. Das ist hier so ueblich, und eine nette Idee: der Pub war voll, es gab nen Beamer mit grosser Leinwand und die Stimmung war gut. Es herrschte fast ein wenig Stadionatmosphaere, denn die Iren versuchten verzweifelt, den Untergang ihrer Mannschaft zu verhindern:) Es waren trotzdem mehr Deutschlandfans dort, als ich dachte, sogar der Kellner - er hatte wohl unser Gespraech mitgehoert, denn ich war mit vier deutschen Maedels da - sprach mich auf Deutsch an, und fragte was ich trinken wolle (Cider!). Der erzaehlte mir sofort, dass er ein paar Jahre lang in Deutschland gelebt hatte, weil seine Mutter aus Koelln war.
Also waehrend das Spiel so hin und her wogte, kamen alle Arten von Reaktionen aus dem Publikum: die typischen Oooh-Rufe bei einer verpatzten Torchance sowohl von Iren also auch von den Deutschen. Zwischendurch konnte man auch immer Schweini, Schweini-Rufe hoeren, es muessen also entweder einige Iren fuer Deutschland gewesen sein, oder es waren doch mehr Deutsche da als ich dachte... Ueberhaupt hatte der Kommentator mit Schweinsteiger so seine liebe Muehe (klang etwa wie "Schueinssschtaiger") und weil Schweini so haeufig am Ball war hatte der Kommentator viel Zeit zum ueben.

Ich war danach noch in nem Café, (Tea-to-Go, das hab ich zum ersten Mal gesehen) und der erste Kommentar vom Kassierer war "Did you enjoy the Match?". Was antwortet man darauf? Schliesslich wollten wir ja auch nicht einen auf unsensiblen Deutschen machen, also antwortete ich, dass mir der Typ, der sein Bein im Weg gehabt und so das Eigentor fabriziert hatte, leid taete. Daraufhin wurde ich dann darueber aufgeklaert, dass dieser Typ Robbie Keane war, der Star des irischen Teams.... hatte ich so schnell nicht mitgekriegt. Auch im Hostel einigten sich die Iren dann schnell auf "Germany got lucky with the goal", womit sie ja auch einigermassen recht hatten, beim letzten Spiel hat Holland (!) ein 0-4 rausgeholt. Naja gewonnen ist gewonnen...

Obwohl sich die Iren natuerlich geaergert haben, bin ich aber trotzdem heil nach Hause gekommen, es brauch sich niemand Sorgen zu machen :) Hab aber auch nichts von eventuellen Schlaegereien mitgekriegt, die Iren waren also wohl ganz friedlich.... Haette aber auch nichts andres erwartet, die Hooligans sind die Englaender. Soviel also zum Fussballspiel, Fortsetzung folgt mit meinen Abenteuern vom Suchen und Finden einer Wohnung...

Freitag, September 01, 2006

The Streets of Dublin

Man sagt immer die Iren waeren so nett und freundlich- das kann ich bisher nur bestaetigen. Gestern, als ich mir meine PPS Number, also meine Sozialversicherungsnummer fuer Irland geholt habe, wartete da ein Typ auf mich, der mir meine Nummer gab und mir auch noch freundlich beim Ausfuellen half. Wow, in einer Behoerde hab ich noch nie einen freundlichen Menschen erlebt, geschweige denn dass mir mal jemand einen Stuhl anbot...! Das sind ganz neue Erfahrungen hier...
Heute morgen konnte ich mir zumindest das Fruehstueck, wenn man es so nennen mag, ertraeglicher machen, indem ich mir ne Milka aufs Toast gelegt habe, so hatte ich wenigstens etwas Schokolade auf dem Brot. Ich bin jetzt auch fuer die Jobjagd komplett neu eingekleidet, hab mir heute ein dezentes Outfit aus Hose, Hemd und Krawatte zusammen fuer nur 20 Euro besorgt (es ist "black", und hier spricht man das auch "black" aus, so wie es da steht und wie man es im Deutschen lesen wuerde.. :). Obwohl Dublin sonst eher teuer ist, war das mal ein super Schnaeppchen.

Und fuer alle Baumann-geprueften: Heute morgen habe ich mir meine Briefmarken im General Post Office gekauft! Fuer alle die damit nix anfangen koennen: Hier fand 1916 der Osteraufstand der irischen Rebellen statt, deren Anfuehrer hingerichtet wurden, das Post Office wurde fast vollstaendig zerstoert. Es wurde spaeter restauriert und fungiert heute sowohl als Poststelle als auch als Denkmal, in dem eine sehr schoene Bronzestatue an die Martyrer von damals erinnert. Davon muss ich auch noch mal ein Foto machen, aber heute morgen hatte ich keine Zeit, und gestern abend hat mich so eine ekelhafter schmieriger Typ sofort angesprochen und wollte wissen woher ich komme, nur weil ich mir die Statue angeschaut habe.... Also werd ich mir das mit dem Fotografieren fuer den Tag aufheben muessen.

Gestern abend hab ich es geschafft, ohne unmittelbare Gefahr fuer mein Leben die Liffey of the Lights auf Foto zu bannen, Grossstadt-bei-Nacht-typisch mit langer Belichtungszeit. Ueber den Liffey, der Fluss der Dublin in Nord und Sued teilt, fuehren 13 (!) Bruecken, die in der Nacht in den Farben der irischen Trikolore erstrahlen. Also jede Menge.... richtig, Gruen. Dabei haben die Iren eine lustige Art mit ihren Sehenswuerdigkeiten umzugehen: den Spire, einen 120 Meter hohen Metall-Speer, der auf der O'Connel Street steht und die 1966 von der IRA gesprengte Nelson Saeule ersetzte, nennen hier alle nur den Stilletto in the Ghetto. Die Flussgoettin, die dem Fluss ihren Namen gab und aus Joyce's Finnegans Wake stammt, wird hier nur als Floozy in the Jacuzzi bezeichnet - Flittchen im Whirlpool. Und das geht hier munter so weiter, das Denkmal der Molly Malone als Tart with the cart - die Nutte mit dem Wagen - zu bezeichnen ist erst der Anfang.

Ich als alter Journalisten-Hase habe natuerlich sofort begonnen, mich mit den heimischen Zeitungen zu beschaeftigen, und als ich gestern so im Evening Herald (eine der grossen Zeitungen Irlands, leider ein bisschen Bild-maessig, wie die englischen Yellow Press-Boulevard Blaetter.. ) schmoekerte, stiess ich auf einen interessanten Beitrag, der die Ueberschrift "Locals reckon Irland have no hope of win in Stuttgart" trug. Die Iren haben wirklich eine Scheiss-Angst vor dem Spiel gegen Uns am Samstag, nachdem sie gegen Holland 0:4 verloren haben. Der zustaendige Redakteur versuchte dabei staendig, die deutschen Fachausdruecke einzuflechten, scheiterte aber klaeglich: Weder hat er es geschafft, "Bunesliga" richtig zu schreiben, noch das "Gottleib Daimler" Stadion korrekt zu bennenen. Jajaja, die englisch-sprechenden und ihr Deutsch. Lehmann hat er zwar hingekriegt, immerhin spielt der ja fuer Arsenal, aber bei "Low" verliess es ihn wieder. Leider gibt es in meinem Hostel kein TV, werd also in einen Pub muessen, hoffentlich schaff ich es dann auch, heil den volltrunkenen Iren zu entgehen, falls Deutschland gewinnt (Die Jungs machen das schon..).

Heute habe ich uebrings auch meine Job- und Wohnungssuche begonnen. Aus meinem Hostel will und muss ich ja Sonntag raus, das ist erstens zu teuer, zweitens zu unkomfortabel (Koffer schleppen) und drittens haett ich langsam gern mal nen Single Room. Wer mich uebrings ueber Google Earth finden moechte, bis Sonntag residiere ich noch im Kinlay House Hostel, Lord Edwards Street, Dublin 2. Dublin 2 ist der Stadtteil, Lord Edwards Street offensichtlicherweise die Strasse - Hausnummern gibts hier zwar, aber niemand kuemmert sich darum, die entsprechenden Zahlen dann auch draussen anzubringen, so dass man sich nicht an den Hausnummern orientieren kann - ausserdem sind die dann meist auch noch nicht mal logisch angebracht (15-7-3-19 kann vorkommen), wegen Bauarbeiten oder Umstrukturierungen etc. Ein Hoch auf die deutsche Gruendlichkeit! Ich hoffe, dass ich ab sonntag in einer geteilten Wohnung unterkommen kann, hab schon ein paar Anrufe gemacht, bis jetzt arbeiten die aber alle noch, muss ich also spaeter weiter versuchen.

Das wars also wieder fuer heute, bis bald und schoene Gruesse aus (dem im Moment sonnigen und warmen) Irland,

der Marco