Wind of Change
Am Wochenende habe ich also (wiedereinmal) alle meine Sachen zusammengepackt und meiner bisherigen Bleibe den Ruecken gekehrt - schade eigentlich, in Ringsend habe ich mich doch sehr wohl gefuehlt. Obwohl ich sagen muss, dass mir mit der Zeit meine Schwaebische Mitbewohnerin mit ihrem schrecklichen Sued-Deutsch doch auf die Nerven ging, besonders als sie auch noch zwei Freunde fuer drei Tage auf unserem Zimmer untergebracht hat - das und ihre schrille Stimme werd ich garantiert nicht vermissen. Nichtsdestotrotz kann ich die Bewohner ja jederzeit besuchen, was ich seitdem auch schon zwei Mal getan habe, das ganze ist also kein Weltuntergang.
Meinen letzten Abend haben Konrad und ich dann im Sandymount House begossen, dem ersten Pub in Dublin, der mir gefallen hat und
nicht nur Kommerz war. Wir also eine naechtliche Fahrradtour zum Pub gemacht, und diesmal musste ich nicht einmal auf ein geliehenes Fahrrad setzten, denn Chris, der nach Schweden zurueckgekehrt ist, hat mir vor seinem Abschied sein Fahrrad inklusive Schloss ueberlassem! Es ist zwar ein wenig klapprig, aber es faehrt, und das ist die Hauptsache. Aber natuerlich kein Vergleich zu meinem geliebten Fahrrad zu Hause...Anzumerken ist dabei noch, dass mir das System der rauchfreien Arbeitsplaetze in Irland wirklich zusagt, denn auch in den Pubs ist Rauchen verboten - das bedeutet, ungestoerter Pubgenuss und - was sehr viel wichtiger ist - man kann die Kleidung nachts unbeschwert im Zimmer lassen, und muss sie nicht aufgrund von starkem Rauch-Duft tagelang auf der Terasse auslueften...
Ausserdem hat sich meine berufliche Position geaendert. Da ich vergangenen Freitag mit der 280 Akte fertig wurde, ist meine Aufgabe im fuenften Stock von QBE erledigt -
jetzt sitze ich im sechsten Stock, wo ich ebenfalls Akten scanne, wenn auch in leicht veraenderter Form. Die Kollegen hier sind genauso wie die auf dem fuenften Stock sehr nett, und in dieser Woche gluecklicher Weise kaum da gewesen, da sie Meetings in London und Wien hatten - ich hatte also massig Zeit, nebenbei im Internet zu surfen... :)Gestern Abend gab es etwas, was ich so zuvor noch nie erlebt hatte - einen Social Abend. Das bedeutet, die Kollegen gehen zusammen aus, nehmen ein paar Drinks, essen was und gehen danach zur Comedy, ins Kino etc, jedoch wird alles von der Firma bezahlt. Das heisst, ich hatte gestern Abend viel Spass beim Biertrinken, Abendessen und Komiker-Zusehen (auch wenn ich die Haelfte aufgrund eines ausgepraegten Akzents nur schwer verstehen konnte), und das alles fuer lau. Davon koennten sich deutsche Firmen wirklich mal 'ne Scheibe von abschneiden. Am naechsten Morgen war hier alles ein wenig lockerer, alle kamen etwas spaeter und gingen die Arbeit dann etwas ruhiger an. Irische Gelassenheit...
Neben meiner Bankkarte habe ich jetzt auch endlich meinen ersten Paycheque erhalten, mein erstes selbstverdientes Geld in Irland - ein Steuerzertifikat habe ich auch bereits angemeldet - es brummt also hier in Dublin... :) Dabei muss ich wirklich sagen, dass die Loehne in Irland wirklich super sind, obwohl das Geld aufgrund der hohen Lebenskosten natuerlich auch schnell wieder verschwindet - ein Gleichgewicht also.
Am heutigen tag ist es genau ein Monat Irland; immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. 29ter August - 29ter September, bereits 31 Tage - was hat sich geaendert? Seit einem Monat sorge ich erfolgreich fuer mich selbst, worauf ich natuerlich doch stolz bin. Mein Franzoesisch ist dank Konrad ein wenig zurueckgekommen, wenn auch nicht viel, aber es ist trotzdem lustig zu sehen, was haengengeblieben ist. Ein paar Saetze Italienisch habe ich auch noch hingekriegt. Waesche waschen, Essen machen, Wohnung und Arbeit suchen, bei Behoerden melden - all das habe ich in den letzten vier Wochen gemeistert. Mit dem Englisch klappt es gut, ich habe einige neue Woerter gelernt, aber mit der Sprache hatte ich vorher auch noch nie wirklich Probleme. Ob ich schon ein wenig den Dubliner Akzent angenommen habe, kann euch in wenigen Tagen ein unparteiischer Beobachter erzaehlen - Fabian ist meinem Ruf nach Verstaerkung gefolgt und wird mich im irischen Alltag eine Woche lang unterstuetzen. Failte sag ich da nur, das ist irisch fuer Willkommen. Ich wuensche euch nun ein schoenes Wochendende, von meinen Abenteuern mit Fabi in Dublin werde ich dann in der naechsten Woche berichten.
Also, "heut' ist nicht aller Tage, ich komm' wieder, keine Frage"
Der Marco aus Irland






























