Nach meinem
Uni-Tag kam fuer mich der Tag des Rueck- bzw. Heimfluges. Das Packen ging auch leicht von der Hand, da ich ja nur ein wenig Unterwaesche wieder mitnehmen musste, hatte ich doch alles wichtige in Irland gelassen. Ueberhaupt, wie oft ich folgenden Gedanken in den zwei Woche hatte, konnte ich schon gar nicht mehr zaehlen: wo ist denn...?
Achja, in Irland.Ich hatte einen wirklich himmlischen Flug, kaum war ich durch das Security-Abtasten durch (ein wenig weiter rechts bitte...), konnte ich auch schon boarden. Diesmal hatte ich auch einen sehr netten Security-Mann, der keine Scherereien machte. Es war das erste Mal, dass unter "Bemerkungen" beim Flugmonitor "
15 Minuten eher" stand. Der Flug selbst verlief problemlos und war kaum besetzt (hatte eine komplette Reihe fuer mich). Grund dafuer war wahrscheinlich die Notlandung des selben Fluges drei Tage zuvor. Genau die hatten wohl auch saemtliche Passagiere im Kopf, als ein gaensehaut-erzeugendes Geraeusch beim Ausfahren der Bremsklappen ertoente. So viele Koepfe habe ich noch nie binnen Sekunden auf die Tragflaechen starren sehen. Zack gelandet (20 Minuten eher), und unglaublicherweise wurde sofort mein Gepaeck geliefert, und ein Bus in die Stadt stand auch schon bereit.... Alles lief derartig am Schnuerchen, dass ich schon den Verdacht hatte, ein Opfer der
versteckten Kamera zu werden, bis ich im Feierabend-Verkehr feststeckte...
Drei Ampelschaltungen waren noetig, um eine einzige Kreuzung zu ueberqueren. Als ich endlich auf der O'Connell Street ankam, war mein Zeitvorsprung dahin. Schmunzeln musste ich allerdings bei einem Werbebanner von Guinness, dass quer in der Innenstadt ueber der Strasse hing, auf dem die Worte "
Good to be back home..." prangten. Wo ich schon mal wieder in Dublin war, schnell noch Post abgeholt - hatte sich im Laufe der vier Wochen doch einiges angesammelt - und zum Hafen gehetzt, um mein zurueckgelassenes Gepaeck abzuholen. Auf dem Weg dahin stellte ich fest:
endlich wieder warm! Endlich wieder Englisch! Endlich wieder Linksv... spaetestens an der ersten Fussgaengerampel habe ich den staendigen Rinks-Lechts-Verkehr-Wechsel
verflucht...
Da ich am naechsten Tag bei
Apple in Cork zurueckerwartet wurde, wollte ich urspruenglich den letzten Bus aus Dublin nach Cork um 18 Uhr noch erwischen, hatte die Rechnung jedoch ohne den Job meines Mitbewohners
Fabian gemacht, sodass ich den letzten Bus nicht zusammen mit meinen Sachen haette nehmen koennen. Nicht verzagen, Freunde fragen: einen Anruf spaeter hatte ich in meinem alten kleinen Raeumchen in der
Strand Street eine Moeglichkeit zum Uebernachten. Sachen gepackt, abends noch mal schnell Dublin genossen und morgens den ersten Bus nach Cork genommen, der mir um 8 Uhr allerdings viel zu frueh war. Nach fast fuenf Stunden war ich dann auch endlich wieder in
Cork, organisierte mir schnell ein Hostel und nahm den naechsten Bus zu Apple. So freudig, wie ich zurueckempfangen wurde, muss ich da wirklich gefehlt haben.. Zumindest erlaubte mein Chef einem Kollegen von mir an meinem ersten Nachmittag zurueck frueher nach Hause zu gehen, mit den Worten: "
Jetzt ist Marco ja wieder da..".

Und so begann also die
zweite Haelfte meines Aufenthaltes, die erste Woche hatte ich direkt Fruehschicht, also um halb sechs raus aus den Federn, und um sieben am Telefon sein. Als ich am Abend bereits um neun Uhr tierisch muede war und ab ins Bett wollte, fragte ich mich wirklich, ob ich nicht langsam alt werde, immerhin bin ich in zweieinhalb Monaten leider/gluecklicherweise kein Teenager mehr.
Am Sonntag konnte ich dann das erste Mal wieder das unternehmen, was mich hauptsaechlich zurueck nach Irland gezogen hatte: ich bin wieder los in den Bus und auf die Strasse, um mir die naechste Ecke Irlands anzugucken. Dublin und Cork kannte ich zur Genuege, also habe ich mir die drittgroesste Stadt Irlands und Schauplatz von McCourts Film "
Die Asche meiner Mutter" angesehen:
Limerick, das "
Land der Pferde". Die Stadt ist wirklich so, wie man sie im Film sieht: Grau, und es ist nichts los. Die Stadt, die seit Jahrzehnten eine ueberdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit in Irland aufweist, gilt als "Stab City" - aufgrund der zahlreichen Messerstechereien in den letzten Jahren. Aussderdem werden die Limericker selbst im sehr kirchentreuen Irland als uebermaessig fromm angesehen.

Dass es in jeder Stadt eine O'Connell Street gibt, haengt auch mit Limerick zusammen. Denn
O'Connell haette es beinahe geschafft, unter der damaligen Herrschaft der protestantischen Englaender die Religionsfreiheit fuer die katholischen Iren zu erreichen. Der Vertrag stand auch schon, doch wurde er nie eingehalten - daher auch Limericks Beiname "Stadt des verletzten Vertrages". Den Stein, auf dem ebenjener Vertrag unterzeichnet wurde, koennt ihr rechts bestaunen. Als weitere Sehenswuerdigkeit Limericks gilt die Burg Johanns Ohneland. Majestaetisch am Fluss Shannon gelegen, ist das Innere der Burg eher enttaeuschend: Das in die Burg hineingebaute
Besucherzentrum zerstoert jegliche Aura aus alter Zeit, und um den Burghof etwas aufzupeppen, ist irgendein verblendeter Verwalter auf die Idee gekommen, bunt zusammengewuerfelte Artefakte - ein effektheischendes Filmkatapult und alte Marktstaende mit Tongeschirr -

in der Burg aufzustellen. Dass jegliche Verbindung der Ausstellungsstuecke fehlt, scheint den Verantwortlichen entfallen zu sein. Die Krone setzte dem Ganzen allerdings eine
Steckdose mitten im alten Wachturm der Burg auf - ich verstehe ja, dass man Feuerloescher gut gebrauchen kann, aber muss man denn das alte Gemaeuer dermassen offensichtlich verschandeln?

Zum Abschluss habe ich dann noch einen Spaziergang durchs alte
Englishtown-Viertel gemacht, wo die Architektur besonders grau und die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist - Limerick ist Irlands kriminellste Stadt. In diesem Viertel erinnerte jede Mauer, jede Hausruine und jede Strassenecke mich an "
Die Asche meiner Mutter". Insofern war ich relativ froh, wieder ins einigermassen lebens- und farbenfrohe Cork zurueckkehren zu koennen. Trotzdem habe ich es nicht bereut, nach Limerick gefahren zu sein - diese Tristesse sollte man gesehen haben. Vermutlich war es eben diese, die Millionen Iren ins Ausland trieb, bevor der wirtschaftliche Aufschwung vor 20 Jahren einsetzte.
Am naechsten Tag konnte ich mich dann in aller Frische wieder daran machen, den Wuenschen der Kunden zu lauschen -
hallo, ich haett' gern nen iPod nono / MacPod pro / iPod schnitzel oder iPod fussel. Und das hier sind nur die Highlights, wirklich, auf was fuer Ideen die Leute manchmal kommen.... :)