Dienstag, Februar 27, 2007

Road Trip - Tag 8


Nachdem wir uns vom vorherigen Tag mit seinem Wandern und Radfahren erholt hatten, genossen wir mal wieder einen Tag im Auto. Von Galway aus fuhren wir in den Sueden Richtung Burren. Durch die vom Menschen hervorgerufene Erosion ist dort ausser Steinen und Oednis nicht mehr viel uebrig - daher auch der irische Name "Grosser Stein". Mitten in der Abgeschiedenheit konnten wir unseren Hunger im Burren Smoke House stillen; hier wird allerfeinster Lachs und sonstiger Fisch verkauft.

Quer durch die Steinlandschaft kamen wir nach einer Weile bei den Cliffs of Moher an, einer gigantischen Klippenlandschaft, die aber leider sehr unter dem Massentourismus gelitten hat. Ivonne, die vor circa sechs Jahren bereits hier war, erkannte die Gegend dank des neu gebauten Besucherzentrums kaum wieder. Ueberall wehte einem nicht nur die frische Meeresluft, sondern auch der beissende Gestank des Kommerzes um die Nase. Die Klippen sind durch Betonsockel gegen neugierige Besucher abgesichert, jedoch folgten wir den restlichen Besuchern, die sich ueber ein Hinweisschild hinwegsetzten und dem Weg an den Klippen entlang folgten. Hier zeigte sich die wahre Schoenheit der Landschaft; die Gegend rund um das Besucherzentrum kam mir dagegen wie die weichgespuelte Touristenversion vor.

Als die Sonne sich dann langsam dem Horizont naeherte, liessen wir den Burren hinter uns und schlugen uns weiter nach Sueden durch, bis wir uns hinter Limerick eine Bleibe bei einer sehr netten Irin suchten. So kam ich wenigstens in den Genuss eines vollen irischen Fruehstuecks, dass bei Jugendherbergen meist flach faellt.

Montag, Februar 26, 2007

Road Trip - Tag 7


Am Freitagmorgen hatte sich das Wetter zum Glueck ein wenig gebessert, sodass wir uns sogleich an die Erkundung von Galway machen konnten. Die Stadt wurde mehrfach zerstoert, sodass es kaum Sehenswuerdigkeiten gibt - wenn man von der obligatorischen Kirche mal absieht. Dafuer ist Galway relativ Autofeindlich, von Studenten, die nicht gucken, wenn sie die Strasse ueberqueren, bis hin zu nicht ausreichend beschilderten Einbahnstrassen haben wir alles erlebt. Einzig das Claddagh-Viertel mit seinen bunten Haeuserreihen hatte uns etwas mehr zu bieten.

Danach waren dann die Aran Islands faellig. Diese Inseln liegen etwa eine halbe Stunde vor der Kueste von Galway, und bestechen vor allem durch ihre wilde Kargheit. Ausserdem sind die Inseln fuer ihre Pullover bekannt - nur dort hergestellt, sollen die Fischer ihre Ertrunkenen frueher anhand der familieneigenen Strickmuster erkannt haben. Bei kraeftigem Seegang war die Ueberfahrt auf dem schwankenden Schiff ein eigenes kleines Abenteuer - auch weil einige Passagiere sich als Nonnen und Priester verkleidet hatten, weil just an diesem Wochenende eine irische TV-Serie ein Fantreffen auf der Insel feierte. Etwa 1600 Menschen leben dort hauptsaechlich vom Tourismus - das mussten wir nach dem Anlegen schmerzhaft feststellen. Sofort wurden wir ganz in Bettlermanier von Busfahrern belagert, die uns eine Fahrt rund um die Insel (sicherlich mit gesalzenem Preis) andrehen wollten. Ich kann ja verstehen, dass sich nicht alle vom Staat die Stuetze auszahlen lassen wollen, aber dieser Spiessrutenlauf war wirklich unangenehm.

Da das Wetter wirklich ausgesprochen super war, beschlossen wir, nicht den Bus, sondern ein Fahrrad zu nehmen, und mieteten uns Zweiraeder fuer den Tag - so haben wir wenigstens etwas fuer die Inselbewohner getan. Jetzt bin ich also doch noch zu meiner Fahrradtour in Irland gekommen...
So sind wir also um die Insel gekurvt, waehrend wir uns ueber den Sonnenschein und das warme Wetter freuten. Von Wachtuermen ueber Steinforts, Straende, Kirchenruinen und grasenen Schafen haben wir nach vier Stunden einiges gesehen. Rebelliert haben wir lediglich gegen ein Eintrittsgeld fuer einen Steinkreis, der ja sowieso schon da war, also eigentlich auch oeffentlich zugaenglich sein sollte - oder zumindest nur fuer einen Obulus. Irgendwo muss der Kommerz ein Ende haben. Als dann die Sonne unterging, ging auch unsere Faehre zurueck auf die grosse Insel. Ziemlich kaputt haben wir uns dann ein Bed & Breakfast gesucht (die Hostels waren aufgrund des Wochenendes alle voll, und an den Luxus kann man sich gewoehnen) und uns suessen Traeumen hingegeben.

Donnerstag, Februar 22, 2007

Road Trip - Tag 6


Heute morgen habe ich wirklich eines der besten Fruehstuecke seit langem gegessen - so habe ich mich fuer die vielen Eindruecke von heute gestaerkt. In Carrowmore gab es antike Steingraeber zu bestaunen, auch wenn die Beschilderung duerftig war und die Einrichtung geschlossen hatte. Doch das konnte mich nicht abhalten, einige Fotos von den megalithischen Graebern zu machen, auch wenn ich dafuer ueber einige Felder laufen musste.

Zurueck auf der Strasse schlaengelten wir uns dann an der irischen Westkueste entlang durch Connemara - ich werde gar nicht erst versuchen, die atemberaubende Schoenheit dieser Landschaft mit Worten zu beschreiben. Durch einige Taeler ging die Strasse, an Bergen, kleinen Seen, Klippen und grasenden Schafen vorbei - vor dieser Kulisse war ich wieder einmal irisch gluecklich. In einer kleinen Bar habe ich mein Mittagessen verspeist, und selbst zu dieser Tageszeit kamen nur zwei Leute zum Essen und Trinken vorbei - Abgeschiedenheit pur. Connemara liegt ausserdem in der Gaeltacht Gegend - hier wird ueberwiegend Gaelisch gesprochen, ebenso sind die meisten Schilder gehalten. Die Bewohner dieser Gegend versuchen halt noch, einige irische Werte und Traditionen vor der Globalisierung zu retten. Leider verschlechterte sich das Wetter gegen Abend hin zunehmend, sodass wir im stroemenden Regen in Galway ankamen. Dieses Staedtchen ist durch den grossen Studentenanteil in den letzten Jahren explosionsartig gewachsen, so schnell wie keine andere Stadt in Europa. So kommt es auch, dass die Haelfte der Einwohner 40 Jahre und juenger ist. Wieder einmal wohne ich nun in einem Kinlay House Hostel - mal sehen, wie es sich gegen die Schwesterhaeuser behaupten kann.

Road Trip - Tag 5


Am Mittwochmorgen haben wir es dann endlich geschafft, laengerfristig aus Derry herauszukommen. Unsere Uebernachtungsstaette kann ich aber unbedingt weiterempfehlen, zu finden ist unser Hostel in der Linkleiste. In Omagh besuchten wir spaeter am Tag den Ulster American Folk Park, wo anhand von Figuren und Informationstafeln die Geschichte von irischen Emigranten nach Nordamerika beleuchtet wurde. Ausserdem wurde altes Handwerk von den jeweiligen gelernten Handwerkern vorgefuehrt, so hat ein aelterer, aber sehr netter Buchdrucker uns beispielsweise ein Plakat auf einer Presse von 1860 gedruckt.

Etwas geschlaucht von der langatmigen Praesentation machten wir uns dann auf den Weg nach Sligo, das sich selbst als das Tor zum Nordwesten bezeichnet - wir kamen aus dem Norden endlich wieder in die Republik (yippie!). Ueber die Rueckkehr von Kilometer und Euro habe ich mich doch sehr gefreut. Da wir den Tag ruhig und langsam begonnen hatten und zwischenzeitlich auf Nebenstrassen unterwegs waren, kamen wir auch erst am Abend in Sligo an - wo wir keinen vernuenftigen Hostelraum mehr fanden. Deshalb haben wir uns kurzentschlossen in ein Bed & Breakfast eingemietet - ein riesiges Bett, Fernseher im Zimmer und Fruehstueck mit Speck und Spiegelei - was fuer ein Luxus...

Mittwoch, Februar 21, 2007

Road Trip - Tag 4


Da am vergangenen Tag wegen Dunkelheit keine Zeit mehr blieb, Derry ("Eichenwaeldchen") anzugucken, stand heute als erstes eine Stadtfuehrung auf dem Plan - im Urlaub darf ich das (sonst habe ich die Staedte ja immer auf eigene Faust erkundet). Die Innenstadt ist noch immer von einer intakten Mauer umgeben - einzigartig in Irland. Ausserdem fand hier die laengste Belagerung Europas statt, naemlich ganze 105 Tage. Moeglich wurde diese Leistung durch die Stadtjungen von Derry, die vor der anrueckenden Armee der Englaender die Tore schlossen - ein bekanntes Wandbild (Mural) in Belfast. Ausser als Entstehungsort von "Oh Dannyboy" ist Derry ausserdem aufgrund des Bloody Sunday bekannt - ich berichtete. So konnte ich mir also zahlreiche Murals und Denkmaeler zu diesem Thema ansehen. Interessant ist eigentlich auch, dass Derry auf jedem Schild und jeder Landkarte als "Londonderry" ausgewiesen wird, es sich selbst aber als Derry bezeichnet. Der Grund dafuer ist, dass Derry urspruenglich zur Republik gehoeren sollte, von der englischen Regierung aufgrund der strategisch guenstigen Lage aber zwangsweise in den protestantischen Norden integriert wurde, selbst aber starke Loyalitaet zum katholischen Rest der Insel zeigt. So grenzte es sich immer wieder durch Barrikaden und fliegende Steine vom Vereinigten Koenigreich ab - zwischenzeitlich schaffte es die IRA sogar, die britische Polizei und Armee aus der Stadt fern zu halten, daher auch der (selbstgegebene) Beiname Free Derry.

Spaeter am Tag besuchten wir dann noch die Beaghmore Steinkreise. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um aufgerichtete Steine, die in Kreisen angeordnet sind. Der Zweck dieser rund 4.000 Jahre alten Kulturstaette liegt im Dunkeln, vermutet wird ein Toten- oder Sternenkult - immerhin ist je eine Steinlinie auf den Sonnenaufgang und den Mondaufgang zur Sonnenwende ausgerichtet - gruselig. Da wir immer noch in der Naehe von Derry waren, beschlossen wir, noch einmal in der Stadt der Eichenblaetter zu naechtigen.

Dienstag, Februar 20, 2007

Road Trip - Tag 3


Wie geplant kam ich am Montagmorgen frueh los - das war aber auch bitter noetig, denn fuer diesen Tag hatten wir uns die Antrim und Causeway Coast im Norden vorgenommen. Zwar regnete es noch ein wenig in Carrickfergus, das Wetter wurde aber immer besser, je weiter wir nach Norden kamen. In Carrick-a-Rede konnte ich mir nach einiger Zeit Kurven-an-der-Kueste-und-in-den-Bergen-fahren die Beine ein wenig vertreten. Die atemberaubende und schwankende Haengebruecke ueber eine Schlucht an der Kueste war aber leider zu dieser Jahreszeit abgenommen. Weiter ging es dann die Kueste hinauf, bis wir zum ersten Highlight dieser Tour kamen: dem Giant's Causeway. Der Legende nach von Riesen gebaut, beherbergt dieses Stueck Kueste rund 40.000 kleine und groessere Basaltsaeulen, die teilweise merkwuerdige und bemerkenswerte Formen angenommen haben. Leider machte ich dort auch mit dem starken Wind der nordirischen Kueste Bekanntschaft, vor dem ich schon gewarnt wurde. Also schnell wieder zurueck ins Auto, und weiter nach Derry zum Uebernachten.

Montag, Februar 19, 2007

Road Trip - Tag 2

Frueh am Morgen ausgecheckt und zurueck auf die Strasse ("Farewell to Carlingford") und als erstes ein paar Pfund besorgt. Fuer ein paar Tage werden wir uns im Vereinigten Koenigreich befinden, wo wir uns mit diesem komischen Geld anfreunden muessen. Auf dem Weg an der Kueste entlang hatten wir dann eine kleine Tour d'Irlande Fahrradgruppe als Begleitung, die wirklich flott unterwegs war. Der erste Morgen wurde leider durch ein fehlendes Fruehstueck befleckt, wer mich kennt, weiss, wie wichtig mir ein gutes Fruehstueck ist. Aber egal, das wurde durch den Anblick wirklich wieder wett gemacht.

Im strahlenden Sonnenschein haben wir uns um die Mourne Mountains und die Halbinsel Downpatrick geschlaengelt, um anschliessend unseren ersten Dolmen, eine Art antikes rudimentaeres Steingrab, in Legananny zu besichtigen. Querfeldein, Huegel hoch, Huegel runter - Abenteuer pur abseits der Landstrasse. Am zweiten Tag fiel das staendige Linksfahren und -einordnen allerdings schon wesentlich leichter, sodass das Entlangfahren an der Kueste einen Heidenspass machte. Etwas abseits der Strasse findet man sogar einen Stausee im Silent Valley - Stille und Erholung pur.

Gegen Abend haben wir uns dann in Belfast ein Hostel genommen. Da ich ja schon in diesem Staedtchen war, eruebrigte sich zum Glueck eine Stadtbesichtigung, sodass ich frueh zu Bett gehen konnte, um am naechsten Morgen frueh los zu kommen.

Road Trip - Tag 1


Nachdem ich am Abend noch einmal mit meinen Kollegen und meinem zwischenzeitlich entlassenen Chef im Pub in Cork war, habe ich mich am Samstag morgen auf den Weg nach Dublin gemacht, um zusammen mit Ivonne "unseren" Wagen vom Flughafen abzuholen. Fuer zehn Tage gehoert uns nun also ein grau-blauer Toyota Corolla, ein sehr netter und gutmuetiger Fuenftuerer. Die Anzeigen im Cockpit sind angenehmerweise auch dem VW Golf, den ich gewohnt bin, sehr aehnlich.


Als erstes haben wir beide gleich erstmal beim Supermarkt eingekauft, um uns fuer die ersten Tage mit Cola, Snacks und Verpflegung einzudecken. Eingeladen, ausgeparkt und auf die Strasse Richtung Norden - und los ging unser Abenteuer. Als erstes sind wir in einer halben Stunde nach Drogheda gefahren - dem erfahrenen Leser ist dieses kleine Staedtchen als Ort eines grausamen Massakers der Englaender bekannt, da ich dort auf einer Bustour bereits war. Dieses Mal hatte ich allerdings Zeit, mir die Ueberbleibsel der Stadtmauer anzusehen.

Am Abend ging es dann erst einmal weiter Richtung Norden. Dabei haben wir allerdings wirklich die Insel ueberschaetzt: als wir in Newry nach einem Hostel fragten, stellte ich fest, dass wir aus Versehen bereits in Nordirland (Pfund!) gelandet waren. Schnell wieder zurueck ueber die Grenze in die Republik nach Carlingford, wo wir in einem Hostel Unterschlupf fanden, auch wenn wir auf dem Weg dahin wirklich Uebung im Umdrehen und Zurueckfahren erlangten. Das Hostel selbst war nett, allerdings vermieste uns ein wirklich sehr unfreundlicher und nervender indischer Hostelangestellter den ersten Abend unserer Rundfahrt.

Freitag, Februar 16, 2007

Time to say goodbye...

So, heute trete ich also auch meinen letzten Tag hier bei Apple an. Nachdem ich mir letzte Woche noch mal eine richtig schoene Erkaeltung eingefangen habe ("mit Alles"), sind nun auch meine zwei Monate hier bei Apple 'rum. Schon erstaunlich, wie schnell die fuenf Wochen im neuen Jahr vorbei gingen. A pros pos Erkaeltung: die Grippewelle scheint im Moment hier in Cork dermassen gravierend zu sein, dass selbst die Krankenhaeuser im Moment eine Besuchersperre verhaengt haben...

Meine Steuerrueckzahlung ist auch schon auf dem Weg, und mit packen habe ich bereits angefangen: so langsam verknuepfen sich die losen Enden. Ab morgen beginnt fuer mich und Ivonne dann ein ganz neues Abenteuer: 10 Tage lang wollen wir dem Linksverkehr in Irland die Stirn bieten. In Dublin haben wir uns ein Auto gemietet, um dann Irland und die Kueste auf eigene Faust abseits der Buswege zu erkunden. Mit dem heutigen Tag haben wir beide gekuendigt - langsam reicht's aber auch, finde ich zumindest. Morgen muss ich mich also wieder mal (diesmal aber zum letzten Mal) auf den aetzenden Busweg nach Dublin ("The rocky road to Dublin") machen - ab halb drei steht unser Wagen fuer uns bereit. Erstmal soll es dann in Richtung Norden gehen, und dann gegen den Uhrzeigersinn (wie sich das gehoert) rund um die Insel - von diesem Abenteuer werde ich dann als naechstes berichten. Das Wichtigste wird erstmal sein: Ueberleben!

Dienstag, Februar 06, 2007

Leprechauns Crossing

Meine neueste Errungenschaft...

Montag, Februar 05, 2007

Wochenend' und Sonnenschein

Wer haette das gedacht - der Winter war da. Zwar nur kurz und richtig auch nur ausserhalb der Stadt, aber immerhin. Ich hatte mich ja die ganze Zeit ueber den ewigen Herbst hier in Irland gefreut, und dann das. Da komm ich morgens um halb sieben (zwecks Fruehschicht) aus dem Hostel und sehe, dass die Wasserpfuetze, die sonst jeden Morgen auf dem Buergersteig auf dem Weg zum Bus vor sich hin duempelt, zu einer kleinen Eisflaeche geworden ist. Ich hatte zwar schon die Eiseskaelte bemerkt, aber mit Eis in Irland war ich dann doch ueberfordert. Das waren auch die Iren - und zwar voellig. Ich habe Kinder gesehen, du um einen leichten weissen Flaum auf dem Rasen herum standen (was'n das? Kann man das essen? Und wo kommt das her?), Stadtangestellte, die statt Sand irgendeine komische Muttererde auf den Gehwegen verteilt haben (ich wette, naechste Woche waechst da was) und Autofahrer, die mit den veraenderten Strassenverhaeltnissen nicht Schritt halten konnten. Daran scheiterten auch etliche Fussgaenger.

Die Eiseskaelte wich aber schnell wieder dem irischen Dauerherbst. Im Moment haben wir wieder nette 11 Grad, und seit eineinhalb Wochen scheint hier in Cork durchgehend die Sonne... unfassbar. Durch die Fruehschicht komme ich dann auch immer noch im Hellen nach Hause und kann den Sonnenschein noch geniessen. Apros pros Fruehschicht: Als ich gestern im Bus auf dem Weg zum Apple HQ war, bot sich mir ein fantastisches Schauspiel. Da Apple ja auf einem Huegel gelegen ist, konnte ich bewundern, wie ueber meinem kleinen Staedtchen langsam die Sonne aufging. Da ich an diesem Tag auch noch Ueberstunden geschoben habe (her mit der Knete), habe ich auch gleich noch beim Feierabend den Sonnenuntergang erlebt. Ist schon komisch, wenn man im Morgengrauen zur Arbeit geht und in der Daemmerung wieder nach Hause kommt. Ansonsten laeuft es aber im Moment ziemlich gut bei Apple, habe zwischenzeitlich schon wieder etwas gewonnen und bin auch auf der Statistik ziemlich weit oben mit dabei. In der letzten Woche haben wir es sogar geschafft, eine Wette gegen unseren Vizechef Jason zu gewinnen. Er war sich derartig sicher, dass wir einen bestimmten Umsatzprozentsatz nicht knacken wuerden, dass er als Wetteinsatz anbot, sich als Borat zu verkleiden, und das ganze auch noch im Trikot seiner Rivalenmannschaft. Als Strafe hat er uns dann in Verkleidung Fruehstueck serviert...

Die letzten drei Wochen laufen jetzt, und so langsam naehere ich mich auch der Zwei-Monats-Grenze hier bei Apple. Und so allmaehlich findet man heraus, mit welchen Leuten aus welchem Land man am Telefon am ehesten auskommt. Es mag einfach daran liegen, dass ich es gewohnt bin, aber mit Kunden aus der noerdlichen Haelfte Deutschlands habe ich die wenigsten Probleme. Je weiter suedlich man dann kommt, desto haariger wirds. Quer durch Deutschland ist eigentlich alles ertraeglich - selbst mit hessisch komme ich zurecht. Sobald es dann aber an die Schwaben und Bayern geht, scheint die Kultur eine andere zu werden. Gleich schlecht gelaunt, immer wenig Zeit, nie mehr erzaehlen als unbedingt noetig, und Daten herausgeben ist immer wieder eine Tortur. Die Schweizer nuscheln zwar vor sich hin, die kann man aber wenigstens noch bitten, Hochdeutsch zu sprechen - komm damit mal einem Oesterreicher. Die habe ich wirklich gefressen - von wuesten Verbalausbruechen, unverstaendlichen Herumgebrabbel und kruden Weltansichten kann ich wirklich ein Liedchen singen. Die Oesis setzen wirklich allem die Krone auf - da ueben einige Apple-Boykott, wenn es keine Zahlungsmethode ihrer Wahl gibt, und erzaehlen dann von der Unmoeglichkeit, die Apple an den Tag legen wuerde. Ihrer Meinung nach zaehlt ja auch die Aussage, sie wuerden dann eben kein Apple-Produkt kaufen - als ob Apple das bei den Millionenumsaetzen kratzen wuerde. Ueberhaupt, dieses "Kunde Sein" (Nuhr ein Zitat) - das scheint in letzter Zeit ausgebrochen zu sein. Die unmoeglichsten Sachen verlangen (ich hatte gerne die Gumminoeppel an meinen Ohrhoehrern ersetzt, die ich bei Media Markt gekauft habe) und sie dann auch bekommen wollen (von wegen "sonst stehen sie morgen in der Zeitung" - oha...). Vor allem aber der Glaube, selbst wenn man sich wie der letzte Voll-Assi auffuehrt, muesse man noch freundlich und zuvorkommend behandelt werden, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich habe Leuten zugehoert, die meinen, bei der Oeffentlichkeitsabteilung gut aufgehoben zu sein, weil wir nicht mehr die Zahlweise per Rechnung anbieten. Schoen, dass noch einige Leute festen Glauben haben, etwas bewirken zu koennen..

Zum Glueck hatte ich immer wieder am Wochenende die Gelegenheit, mich von der Arbeit beim Reisen zu erholen. Nach Limerick war die naechste Stadt der Wahl Waterford. Im neunten Jahrhundert von den Wikingern erbaut, ist Waterford die aelteste Stadt Irlands - und besitzt in der Innenstadt immer noch die dreieckige Form der ersten Siedlung. Die alte Stadtmauer ist an einigen Stellen auch immer noch erhalten - obwohl man manchmal versteckte Parkplaetze oder Hinterhoefe aufsuchen muss, um sie zu finden. Suchen heisst es da. Beschweren gilt nicht. Der wahrscheinlich beste Platz, um einen Einblick in die Stadtgeschichte zu erhalten, ist der Reginald's Tower. Diesen alten Wachturm kann man in sehr engen Wendeltreppen (mein armer Kopf) ersteigen, Ausstellungsstuecke betrachten und den Werdegang der Stadt in bewegten Bildern betrachten. Hier habe ich auch erfahren, dass unser bekannter Koenig Johann Ohneland Waterford des oefteren einen Besuch abstattete - der laeuft mir aber auch staendig ueber den Weg. Am Flussufer habe ich mir die schoene Landschaft und Vegetation angesehen und war sehr ueberrascht, wie schnell in Irland das Wetter umschwingen kann. Kaum war ich nass geworden, schien auch schon wieder die Sonne, nur um sich dann von einem wahrhaft eisigen Wind abloesen zu lassen.

Die groesste Neuerung gegenueber Limerick war aber, dass sich in der Stadt selbst ein sehr nettes Kino befand - ich gehe in letzter Zeit gern ins Kino. Ueber The Departed hatte ich ja schon im Oktober berichtet, zu Casino Royale im Dezember muss ich ja nicht mehr viel sagen. In Waterford habe ich mir Eragon angesehen - ein netter kleiner Film, wenn auch hemmungslos aus Herr der Ringe, Harry Potter und Star Wars zusammengeklaut, sodass man unweigerlich der Meinung ist, alles irgendwie irgendwo schon mal gesehen zu haben. Sehr gut gefallen hat mir dagegen Babel, den ich mir in Cork angesehen habe - es geht vorrangig um die Hilflosigkeit, in die man geraet, sobald man aus seinem gewohnten Umfeld und Sprache herausgerissen wird, meisterhaft verdeutlicht durch Brad Pitt und Cate Blanchett als amerikanisches Ehepaar, die in der Wueste Marokkos angeschossen werden, und mit den oertlichen Medizinstandarts und Sprachproblemen zu kaempfen haben. Aber auch Tokyo aus der Sichtweise einer Taubstummen war beeindruckend.

Waterford habe ich mir in der darauffolgenden Woche gleich noch einmal angesehen, und zwar als Zwischenstation auf dem Weg nach New Ross. In diesem kleinen Staedtchen startete eines der beruehmten Coffin Ships, also der voellig ueberladenen Schiffe mit Elendsfluechtlingen, die dem Hungertod in Irland zu entkommen versuchten. An Bord der Nachbildung der SS Dunbrody, die uebrigens Segeltuechtig ist, wurde die Geschichte der irischen Fluechtlinge sowie der Besatzung wirklich interessant dargestellt. Der Knueller folgte allerdings darauf, als ich mir im Cafe des Besucherzentrums eine heisse Schokolade genehmigte, und ein paar aeltere Iren ploetzlich Instrumente auspackten und drauflos spielten - wie sich herausstellte, war das eine kleine Band aus New Ross, die sogar Cds produzieren. Ich war natuerlich sofort interessiert, hab mich mit den Iren unterhalten und die Musik bis in den Abend genossen. Obwohl das Cafe schon zu war, durfte ich laenger bleiben. Ich mag die Iren.

Dass nicht alles eitel Sonnenschein sein kann, haette ich eigentlich vorher wissen muessen, den auf dem Rueckweg blieb unser Bus liegen - Ueberhitzung nur 20 Minuten ausserhalb von Cork. Eine Stunde durfte ich dann auf den Ersatzbus warten, der mich dann nach Cork gebracht hat - aergerlich, aber zum Glueck konnte ich mir ja mit den drei Fragezeichen die Zeit vertreiben. Danach hiess es dann: Back to Cork, back to Business. Eine Kleinigkeit hat sich allerdings geaendert: Nach fuenfeinhalb Monaten habe ich es endlich geschafft: ich wohne in meinem Doppelzimmer in Hostel mit einem echten Iren zusammen! Alan, 24, kommt aus der Naehe von Dublin und ist gerade am Reisen. Als naechstes Ziel hat er Deutschland im Visier - weshalb er gerade Deutsch lernt. Ein wenig helfe ich ihm da, vor allem weil ich nun endlich mal ein wenig Irisch lernen kann.... :)