Mittwoch, November 22, 2006

Ich als Burgherr

Eine eigene Burg - das waer's doch. Naja gut, zum Burgherren bin ich durch meinen Besuch in Trim leider nicht geworden. Aber die Burgruine, die groesste Normannenburg in ganz Westeuropa, war doch sehr eindrucksvoll. Ich konnte direkt an den Meterdicken Steinwaellen stehen, spaeter sogar von der Burgmauer potentielle Eroberer (die sich sehr gut als harmlose Passanten getarnt hatten) verjagen. Mithilfe von Hinweistafeln konnte man versuchen, sich aus den Ruinen eine intakte Burg hochzudenken. Am interessantesten war aber sicherlich das alte Burgtor, unter dem damals der Burggraben dahinfloss (auf dem unteren Foto direkt dort, wo ich stehe. Damals wuerde mir das Wasser an dieser Stelle buchstaeblich bis zum Hals gestanden haben). In einer Videovorfuehrung im Besucherzentrum konnte man dann auch erfahren, dass die Ruine als Hintergrund fuer Mel Gibson's beruehmten Film Braveheart diente. Ich habe allerdings so aus dem Stehgreif keine Stelle finden koennen, die mich sofort an den Film erinnert haette.


An der Burgruine vorbei fuehrt dann ein sehr netter kleiner Pfad am Fluss entlang, der zu den restlichen Ruinen auf dem Gelaende fuehrt. Vorbei an einem alten halb eingestuerzten Wachturm, einem Torhaus und natuerlich (wie koennte es anders sein) an einer alten Klosterruine fuer Peter und Paul. Ein sehr netter kleiner geschichtstraechtiger Pfad.
Was ich noch anmerken wollte: mit diesem netten Samstag habe ich (nach drei Monaten) jetzt auch den "Dublin und der Osten"-Teil Irlands abgehakt. Auf geht's in den kalten Norden nach Belfast!

Donnerstag, November 16, 2006

In 80 Tagen um die Welt

Ja gut, "um die Welt" ist ein bisschen uebertrieben. So weit weg ist Irland nun auch wieder nicht. Aber nichts desto trotz bin ich morgen schon ganze 80 Tage hier in Irland. Meine Guete, wie schnell die Zeit vergeht. Bald habe ich schon meinen dritten Monat 'rum hier, und in fuenf Wochen bin ich schon wieder zu Hause....

Aber nicht so schnell. Zuerst einmal gibt es ja noch massig zu entdecken hier in Irland. Manchmal habe ich wirklich das Gefuehl, dass mir hier die Zeit davonlaeuft. Also habe ich mich aufgemacht, meine kurze Weile als Ire auf Zeit weiterhin sinnvoll zu nutzen, solange ich noch freie Zeit habe, um die Insel zu erkunden. Als kleines Update zu meiner Job-Situation: ich habe bereits einige Angebote in Aussicht, aber es dauert noch ein bisschen, bis ich die Interviews dazu habe. Und verraten werd' ich nix darueber, da bin ich aberglaeubisch...

Also, zurueck zum Erkunden der Insel: Als naechstes bin ich auf nach Glendalough. Dieses "Tal der zwei Seen", was der Name auf irisch bedeutet, wurde vor langer Zeit von einem Gletscher geschaffen. Ebenfalls vor langer Zeit erschuf ein Moench, der sich als Eremit in die Einsamkeit in eben jenes Tal zurueckgezogen hatte, dort ein Kloster. Ironischerweise zog seine Froemmigkeit derartig viele Schueler an, dass es mit der Abgeschiedenheit bald aus war. Da ich ja nun Kloester hier in Irland schon massig gesehen habe (Rundtuerme, uiii. Ach, gepluendert wurden die von den Wikingern, Mensch wer haette das gedacht. Nee wirklich, Hochkreuze gibt's da? Gibt's ja nicht! ...schnarch...) und wirklich sagen muss, kennst du zwei, kennst du alle (sehen sowieso alle wie Monasterboice aus), habe ich die paar verfallenen Ruinen links liegen gelassen und mich stattdessen lieber auf den Weg durch das Gletschertal gemacht.

Nach drei Minuten Weg (meine Wanderlaune scheint ja mancherorts auf Verwunderung zu stossen..) dachte ich wirklich, ich waere in der Schweiz. Berge auf beiden Seiten (Ueberraschung, in einem Tal), alles bewaldet, kleine Seen dazwischen, und im Tal selbst schweinekalt. Nachdem ich also einen Wasserfall, zwei kleine Gletscherseen (daher der Name) und einen Waldweg erkundet hatte (aargh, vor mir eine laermende Schulklasse.... wirklich ich mag Kinder, aber da hatte ich echt Lust, den nervenden Baelgern mal so richtig ... naja zum Glueck ist deren Bus schnell weitergefahren und ich hatte wieder Ruhe), genoss ich den Rest der Zeit auf einem Aussichtspunkt mitten im Wald, aber direkt am See. Dass es am Nachmittag wirklich ziemlich kalt wurde, koennt ihr auf dem Foto auch an meiner roten Nase sehen... Soll ja keiner sagen, es gaebe hier nicht genug Bilder, auf denen Ich auch mal drauf bin. Naja, um halb fuenf habe ich mich dann zurueck zum Bus getrollt (aufpassen: an das im Englischen uebliche Uhrzeit-abkuerzen muss man sich erst gewoehnen, "Half Four" verwechselt man leicht mit "halb Vier", bedeutet aber wegen "Half past Four" halb Fuenf). Dass der Herbst da ist, merkte man auch daran, dass es im Tal statt nur Gruen schon eher vermehrt Fourty Shades of Green, Yellow, Red and Brown gab..

Montag, November 13, 2006

Wandern in Bray und Greystones

Einem der beliebtesten Badestraende(!) Irlands, Bray, habe ich als naechstens einen Besuch abgestattet. Mit dem Wetter hatte ich wieder einmal Glueck ohne Ende - blauer Himmel, ein laues Lueftchen und so warm, dass ich es in der Jacke nicht mehr aushielt. Der Strand selbst bot natuerlich zu dieser Jahreszeit keine andere Attraktion ausser den Hintergrund fuer ein Beweisfoto (man koennte meinen, ich wuerde gerade "Meins! Alles meins..." ausrufen.. :) ) Im Gegensatz zu meinem vorherigen Ausflug dominierte in Bray das Blau des Ozeans den Ausflug aufgrund der Kuestenlage. Nach dem Strand ging's dann an den Wanderteil des Ausflugs. Obwohl das Wandern ja nicht gerade zwingend des Marcos Lust ist, macht es doch Spass, die tolle Landschaft hier hautnah zu erleben. Ich habe mich also an den Cliffwalk gemacht, den Wanderweg von Bray zum Nachbarort Greystones, der an den Klippen des Bray Head entlang fuehrt. Den bin ich auch noch rauf, dazu aber spaeter mehr. Nach ungefaehr 90 Minuten steiler Klippen, schroffer Felsen, gruenen Haengen und blauen Wogen erreichte ich dann das kleine Kuestenstaedtchen Greystones. Da es ausser Moewen, Seglern und Schiffen hier nicht viel zu sehen gab, habe ich mich im DART zurueck nach Bray fahren lassen (ein Day-Ticket macht's moeglich) und mich an den Aufstieg zum Gipfel des Bray Heads gemacht. Obwohl ich ja Bergsteigen von der Schweiz her kannte, hat mich der Steigungsgrad echt geschafft: Anstatt in einem Serpentinen-Wanderweg ging's schnurstracks gerade auf den Hang hinauf, mit einer wirklich brutalen Steigung. Lohn der Muehen war dann aber ein fantastischer Ausblick auf die Kueste Irlands, ueber die gerade die Daemmerung hereinbrach.

Oben am Gipfelkreuz angekommen war gerade noch Zeit, etwas auszuruhen und den Rundblick zu geniessen, bevor die Nacht in Begleitung des Mondes hereinbrach. Ich wollte mich nicht von der Dunkelheit beim steilen Abstieg ueberraschen lassen, und habe mich daher auf den Rueckweg gemacht. Trotz meiner Vorsicht wurde es zunehmend dunkler, da die Daemmerung hier in Irland gerade zu dieser Jahreszeit wirklich rapide von statten geht. Ich habe es aber dennoch, dank des Lichtspendenden Vollmonds, heil zurueck auf den Erdboden geschafft und mich Richtung DART-Bahnhof nach Hause aufgemacht. Bleibt noch zu erwaehnen, dass mich das Transport-System in Irland wirklich begeistert: Der komplette Trip an die Kueste hat mich, obwohl ich ein Ticket fuer den ganzen Tag geloest habe, gerade mal 3,90 Euro gekostet. In Neumuenster waere ich damit wahrscheinlich gerade mal nach Einfeld rausgekommen. Mit dieser Methode schafft es das Land auch viel effektiver, die Leute dazu zu bringen, mehr oeffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Zurueck in Dublin habe ich dann die mueden Fuesse hochgelegt und den Tag bei einem wohltuenden Jameson-Whiskey ausklingen lassen...

Freitag, November 03, 2006

Gruen, nichts als Gruen...

Um zu dem 5 200 Jahre alten Unesco Weltkulturerbe Newgrange zu kommen, habe ich am Donnerstag eine Bustour (Boyne Valley Tour) unternommen. Vorher hat unser Fahrer allerdings in Drogheda Station gemacht. Am Beispiel dieser Stadt kann man die irische Abneigung den Briten gegenueber wirklich verstehen: Dieses (jetzt) kleine Staedtchen hatte einst eine der schoensten Stadtmauern ganz Irlands. Als die Iren gegen den britischen Tyrannen Oliver Cromwell aufbegehrten, liess er an Drogheda ein Exempel statuieren: die komplette Stadt wurde zerstoert, in Brand gesteckt und alle Zivilpersonen grausam massakriert. 200 Ueberlebende wuerden zur Sklavenarbeit nach Barbeidos geschickt, was damals noch ein Sumpf war. Mit anderen Worten: Nach drei Monaten war man tot. Von diesem Einschnitt hat sich die Bevoelkerung Droghedas bis heute kaum erholt, fast jede Familie der Stadt hat damals Urgrossopa oder einen vergleichbaren Verwandten zu beklagen gehabt.
Von der schoenen Stadtmauer ist heutzutage nur noch ein einziger Torbogen uebrig, welcher aber noch einen guten Eindruck von den vergangenen Zeiten vermittelt.

Unser naechster Zwischenstop war dann Monasterboice. Diese kleine Klosterruine mitten in der irischen Pampa besitzt eine ganze Reihe von beruemten irischen Sehenswuerdigkeiten. Zuersteinmal einen leider teilweise eingestuerzten Rundturm, die damals als Befestigung gegen die einfallenden Wikinger und Normannen gebaut wurden. Ferner gibt es hier drei Hochkreuze, von denen eines das groesste und besterhaltene in ganz Irland ist. Direkt neben der Ruine grasen Schafe und Kuehe, eine fast schon surreal anmutende Idylle.

Weiter gings durch das Boyne Valley (fuer alle Baumann-Opfer: obwohl man am Anfang bei dem Namens durch das endlose Reinpruegeln desselben eher Abneigung verspuert, ist es dort wirklich sehr schoen. Jetzt kommt aber der Hammer: Baumann hat den Namen ein halbes Jahr lang FALSCH ausgesprochen! Ha! Und sowar passiert einem Dozenten aus Kiel..). Die Boyne durchfliesst dieses Tal, das vor Baeumen, Straeuchern, Wiesen und Felder nur so strotzt. Hier bin ich dann auch sehr schnell bei dem Versuch gescheitert, die beruehmten irischen 40 Shades of Green mitzuzaehlen. An dem ganzen Gruen entlang des Weges konnte ich mich ueberhaupt nicht mehr sattsehen. Alle, die das nicht selbst gesehen haben, koennen sich das schlecht vorstellen, und Fotos allein koennen die atemberaubende Schoenheit hier schlecht einfangen, aber solche gruenen Weiten habe ich noch nicht gesehen. Und zwischendrin grasen gemuetlich Schafe und Kuehe, als koennte hier nichts auf der Welt den Frieden erschuettern... Was mich vor allem begeistert hat, war, dass man nach 20 Minuten aus Dublin (!) heraus bereits nichts als Stille zu hoeren bekommt, und wenn man um den naechsten Baum herumgeht, ist man auch schon allein. Wenn man sich hier nur etwas von den ausgelatschten Touristenwegen entfernt, breitet sich die irische Landschaft auch schon vor einem in aller Abgeschiedenheit aus. Einfach perfekt, um Entspannung und Abstand vom geschaeftigen Alltag der einstigen Kulturhauptstadt zu finden... Herrlich :) .

Gegen Mittag kamen wir dann endlich an der alten Grabanlage Newgrange an. Zusammen mit einem sehr netten Amerikaner aus Chicago und einem aelteren Ehepaar aus Duesseldorf (die uebrigens alle am Dublin-Marathon am Montag teilgenommen hatten - Respekt!) habe ich mich dann also auf die Spur der Ureinwohner gemacht und mich durch den seeehr engen Gang (ich war kurz vorm Kriechen) in die Grabhoehle begeben. Umgeben von 40 kleineren Huegelgraebern sind dort drinnen in Kreuzform Steinschalen angebracht, in denen die verbrannten Ueberreste der Verstorbenen bis zur Wintersonnenwende aufbewahrt wurden. Warum ausgerechnet bis zur Wintersonnenwende? Vor ueber 5 000 Jahren waren die Menschen auf Gedeih und Verderben auf die Landwirtschaft zum Ueberleben angewiesen. Die lebenspendende Sonne war zum Ueberleben unabdingbar. Im Aberglauben der Ur-Iren war die Angst tief verwurzelt, die Sonne wuerde eines Tages, nach dem lebensarmen Winter nicht wieder zurueckkehren, um in einem neuen Fruehling die Natur wieder zu erwecken. Um zu ueberpruefen, ob die Sonne auch wiederkehrte, brachten die Ureinwohner einen Spalt im Grab an (auf dem Foto der rechteckige obere Einlass), durch den exakt am 21. Dezember, dem Tag nach dem kuerzesten Tag des Jahres, um 8.58 Uhr ein Sonnenstrahl fuer 17 Minuten durch den Spalt ins Innere des Grabes faellt. Vielleicht glaubten die Ur-Iren, dass mit der Sonne der Geist der Verstorbenen befreit wuerde, wer weiss? Nach diesen 17 Minuten erlischt der Sonnenstrahl, und die Sonne kehrt bald mit einem neuen Fruehling und Sommer wieder. Nur an diesem Tag scheint die Sonne in das Grab, ich konnte nur den mithilfe einer Taschenlampe nachgestellten Schein sehen. Das und die Tatsache, dass in ueber 5 000 Jahren nicht ein einziger Regentropfen des irischen Wetters durch die aufgetuermten Steinplatten in das Grab gesickert ist, belegt die erstaunliche Baukunst der vergangenen Tage.

Den Abschluss unserer Tour bildete dann der Hill of Tara, der bis ins elfte Jahrhundert als der Sitz der irischen Hochkoenige diente. Von den einst so praechtigen Anlagen sind nur noch die Waelle uebrig, doch vom Huegel der Koenige aus kann man 20% von Irland erblicken. Dort steht auch der Stein der Koenige, der der Legende nach gebruellt haben soll, wenn ihn der naechste rechtmaessige Koenig von Irland beruehrt. Leider hat er bei mir geschwiegen, schade eigentlich, denn als Koenig von Irland haette ich etliche Ideen, die ich verwirklicht haette... :)
Nachdem ich dort den Sonnenuntergang beobachten konnte, haben wir uns dann auf den Rueckweg nach Dublin gemacht. Und obwohl ich ja im Bus sitzen konnte, macht so ein ereignisreicher Tag dann doch ganz schoen muede. Aber nach dem Reisen in Irland bin ich suechtig geworden, habe ich festgestellt. Als naechstes werde ich dann von meinem Ausflug nach Bray berichten.

Mittwoch, November 01, 2006

Hallowe'en in Dublin

Am Dienstag Abend steppte hier der Baer - Hallowe'en! Anders als in Deutschland, wo dieser amerikanische Brauch ja eher von "den jungen Leuten" gefeiert wird, gehoert in Kostuemen 'rumlaufen und Feuerwerk hier dazu. Vom Liffey aus startet die Stadt zum Beispiel jedes Jahr von Booten ein grosses Feuerwerk aus, und auch die Leute boellern hier munter drauflos - zu Silvester ist hier dagegen fast gar nichts los.

Der Brauch, Hallowe'en zu feiern, kommt ueberraschenderweise sogar aus Irland. Frueher wurde die (Achtung, irisch) "Oiche Shamháin" (sprich: "Iha Hauen") gefeiert (dass Irisch eine der schwersten Sprachen der Welt ist, kann man daran sehen, dass ein Wort mit "Sh" am Anfang mit "H" ausgesprochen wird...). Aus "Iha Hauen" wurde mit der Zeit und unter dem Einfluss der Briten "Hauen Iha", "Hallows Eve" (Allerheiligenabend) und schliesslich "Hallowe'en". Uebersetzt bedeutet "Oiche Shamháin" "Die Nacht der Ernte", und die Kelten glaubten, dass es in dieser speziellen Nacht einen Uebergang zwischen der Welt der Lebenden und der Toten gebe, also dass die Geister der Verstorbenen fuer diese Nacht auf die Erde zurueckkehren koennen. Fuer den Fall, dass Grossmutter oder ein vergleichbares verstorbenes Familienmitglied besorgt vorbei kommt, um zu sehen, ob man auch wirklich gut zurechtkommt, stellte man etwas Milch und Essen in den Hof, um die Vorfahren zu beruhigen. Die groesste Angst der Iren war aber, dass besiegte Feinde ebenfalls zurueckkommen koennten, um den Vaetern ihren groessten Reichtum zu rauben: ihren aeltesten Sohn. Um das zu verhindern, verkleidete man die Soehne in dieser Nacht allesamt als Maedchen, um den Feind glauben zu machen, man habe keine Soehne. Aus Mitleid wuerde der Feind dann befriedigt wieder abziehen (eine Sohnlose Familie bedeutete meist Aussterben des Familiennamens, und vielleicht sogar der Dynastie).
Daher also das Verkleiden an Hallowe'en. Um fuer eine Hallowe'en Party etwas zum snacken zu ergattern, etablierte sich der Brauch, mit einer Suessigkeitenschuessel, in die man eine Kerze gestellt hatte, um die Haeuser zu siehen. Allerdings erklaerte man damals, "Help the Hallowe'en Party", und es wurden auch niemandem Streiche gespielt, die nichts geben wollten oder konnten. Auf der Party selbst wurden dann haeufig Spiele wie Apfelbeissen usw. gespielt, also hatte das Ganze mehr den Charakter eines Familienfestes.


So weit also der irische Ursprung von Hallowe'en. Allerdings hat diese Nacht der Ernte wenig mit dem Hallowe'en zu tun, wie wir es heute kennen. Denn die Iren, die nach Amerika auswanderten, nahmen ihre Braeuche mit, und im Laufe der Zeit unterlagen sie ihrem Einfluss . Vor einigen Jahren schwappte dann die Hallowe'en-Welle wieder zurueck nach Irland, aber viele Iren waren enttaeuscht bis entruestet, was in Amerika aus dem alten irischen Brauch geworden war. Aus "Help the Hallowe'en Party" wurde "Trick or Treat", was zu einem erpresserischen Suessigkeiten-Eintreiben verkam. Die Iro-Amerikaner hatten entschieden, dass sich ein Kuerbis viel besser zum Aushoehlen eigne als eine Schuessel und die Spiele, die Hauptbeschaeftigung des Abends, verschwanden ebenfalls. Es ging vornehmlich um Suessigkeiten, und wer nichts geben wollte, wurde Opfer von Selbstjustiz. Dieses Ereignis erschien vielen Iren dann einfach nicht mehr als "ihr " Hallowe'en. Wer sich jetzt fragt, woher der Marco dass schon wieder weiss: Nein, ich habe das nicht nachgelesen, sondern ich hoere einfach nur gern den Iren zu :)


So jetzt wisst ihr, woher Hallowe'en kommt und was die Iren darueber denken. Aber wie war's denn jetzt am Dienstag? Der komplette Tag war sehr bemerkenswert. Als ich in die Innenstadt kam, wurde ich zuerst von militanten Spendensammlern angesprochen, die, mitunter kostuemiert, Spenden fuer Kinderheime, Schule etc. haben wollten. Vor saemtlichen Kostuemlaeden waren Schlangen bis zum Buergersteig, man haette meinen koennen, es gaebe wieder Nahrungsmittelrationierungen mit Lebensmittelkaertchen. Die Kostueme selbst waren dann aber sehr ausgefallen: von Harry Potter (mit leuchtendem und Geraeuschvollem Zauberstab), ueber Saddam Hussein und George W. Bush bis hin zu Captain Jack Sparrow und Darth Maul war alles vertreten. Wirklich sehr amuesant :) . Am Abend, als ich mich gerade einigen Postkarten widmete, fingen dann die Raketen-, Boeller, Kreisch- und nicht zuletzt auch Ambulanzwagengeraeusche an. Der ganze Abend hatte eine typische Silvesteratmosphaere. Langsam wird es hier in Dublin herbstlich, deshalb fror man leicht, bestaunte Raketen, Fontaenen und Kostueme (ich habe mich zu einer sehr lustigen Familie mit mehreren Kindern am Ende der Strasse gesellt). An den Fenster gab es bunte Leuchtreklamen ("Happy Halloween") und am naechsten Morgen konnte man auf der Strasse ueber ausgebrannte Feuerwerkskoerper huckeln. Ich bin relativ froh, draussen auf Erkundungs- und Fototour gewesen zu sein, denn da Silvester hier ja wenig los ist, kann ich das ganze Spektakel zum Jahreswechsel zu Hause noch einmal erleben :) . Zweimal Feuerwerk innerhalb von zwei Monaten - na das ist doch mal was...

Chillen in Malahide

Meine Freizeit nutze ich im Moment zum Reisen in Irland - mein erstes Ziel war Malahide. Dieses kleine Kuestenstaedtchen noerdlich von Dublin ist beruehmt fuer sein Schloss mit einer schnarchlangweiligen Gemaeldesammlung.
Die habe ich mir zum Glueck nicht angetan, sondern mich stattdessen im riesigen Schlosspark vom Wochenende erholt. Die Sonne schien, es regte sich ein laues Lueftchen - herrlich, wenn da nicht diese nervenden Klischee-Touristengruppen gewesen waeren. Zum Glueck ist der Park dort derartig riesig, dass man schnell unter sich ist und seine Ruhe findet. Das die Welt auch in Irland immer noch klein ist, wurde mir anschaulich vor Augen gefuehrt, als mir dort ausgerechnet Barry aus meinem (Ex-) Buero ueber den Weg lief, der einen Ausflug dorthin unternahm, da er seit seinen Kindertagen nicht mehr dortgewesen sei. War aber doch sehr nett, er hat sich auch ausfuehrlich erzaehlen lassen, was ich denn nun so treibe, und auf einen (Vor-) Weihnachtsdrink bin ich jetzt auch eingeladen. Ich mag die Iren.. :)


Die Gemaelde liess ich also aus, eine Miniatureisenbahn-Anlage ist leider im Moment im Umbau - nachdem ich nach anderthalb Stunden (ja, so gross ist der Park, findet im Bild rechts mal den Walt... ich meine den Marco :) ) wieder auf der Hauptstrasse war, stattete ich noch der Kueste einen Besuch ab. Malahide ist trotz gefaehrlicher Stroemungen ein beliebter Badeort, obwohl man in Irland selten angenehme Badetemperaturen erreicht. Am Meer ist es doch wirklich immer wieder sehr erholsam, bei den endlose blauen Weiten verschwinden die Sorgen des Alltags blitzschnell, und alles was zurueckbleibt, ist Entspannung - eben das sprichwoertliche Glueck der Iren. Als sich um fuenf dann der Himmel langsam bewoelkte, hab' ich mich auf den Rueckweg nach Dublin gemacht, um den Abend bei einem Whiskey ausklingen zu lassen. Ein nettes aber kleines Staedtchen, dieses Malahide. Als naechstes werde ich dann den antiken Huegelgraebern von Newgrange einen Besuch abstatten, die sogar aelter als die aegyptischen Pyramiden sein sollen. Bis dahin also Ohren steif halten,

Marco der Wild Rover