Freitag, Oktober 27, 2006

Schwedische Gardinen

"Gehe in das Gefaengnis. Begib dich direkt dort hin. Gehe nicht ueber los. Ziehe nicht 2000 € ein." Naja, zum Glueck war ich am Samstag "nur zu Besuch", denn ich habe das Kilmainham Gaol besucht. Dieses Gefaengnis erlangte unter anderem dadurch traurige Beruehmtheit, dass dort die Anfuehrer des Oster-Aufstandes von 1916 exekutiert wurden. Diese Rebellion, bei der vor dem General Post Office die Proklamation der Unabhaengigkeit Irlands vom Vereinigten Koenigreich von Patrick Pearse verlesen wurde, hielt zwar nur eine Woche, doch war sie der Wendepunkt auf dem Weg zur Unabhaengigkeit Irlands. Denn die Symphatie des Volkes schwenkte radikal von den friedlichen Reformern zu den gewaltbereiten Reformern um, als bekannt wurde, dass saemtliche Anfuehrer von den Briten gnadenlos erschossen worden waren.
In der Folge dieser Anti-britischen Stimmung erlangten die Iren schliesslich 1949 die vollstaendige Unabhaengigkeit.

Soweit also zur Geschichte des Knastes. Der Besuch selbst war sehr spannend, auch wenn man sich die Atmosphaere wie bei einer KZ-Besichtigung vorstellen muss. Aber so soll es ja auch sein, schon alleine aus Respektsgruenden, wenn man bedenkt, dass dort Hunderte Menschen gefangen gehalten und getoetet wurden. Aufgeregt haben mich dann einige Amerikaner auf ihrer "Europa in 10 Tagen Tour", die da mit Shopping-Tueten, Kaugummi und Walkman gelangweilt durchs Gefaengnis stapften und unbedingt Erinnerungsfotos vor den Zellentueren machen mussten, sodass man nie ein gelungenes Foto von den Gaengen machen konnte, ohne gleich diese militanten Bush-Fanatiker vor der Linse zu haben. Aetzend, sowas.
Naja, zurueck zum Thema. Besonders interessant war der Besuch in der Gefaengniseigenen Kapelle, die unter anderem durch die Heirat von Joseph Plunkett und Grace Gifford beruehmt wurde. Denn damals wurde jedem Haeftling, der exekutiert werden sollte, eine viertel Stunde mit seiner Familie zugestanden. Plunkett jedoch nutzte die Zeit, um in diesen 15 Minuten seine Freundin, Grace Gifford, in der Kapelle des Gefaengnisses zu heiraten. Nach diesen 15 Minuten wurde er wieder in seine Zelle gebracht, und zwei Stunden spaeter hingerichtet. Da Grace nie wieder heiratete, wurde diese Geschichte schnell so legendaer, dass es sogar ein traditionelles irisches Lied darueber gibt, dass die Dubliners beruehmt machten:

"As we gather in the chapel here in old Kilmanhaim Jail
I think about these past few weeks, oh, will they say we failed
From our school days they have told us we must yearn for Liberty
But all I want in this dark place is to have you here with me
Oh, Grace just hold in your arms and let this moment linger
They'll take me out at dawn and I will die
With all my love I'll place this wedding ring upon your finger
There won't be time to share our love, so we must say good bye
Now, I know it's hard for you, my love, to ever understand
The love I bare for these brave men, my love for this dear land
But when Padric called me to his side down in the GPO
I had to leave my own sick bed to him I had to go
Now, as the dawn is breaking my heart is breaking too
As I walk out on this may morn, my thoughts will be of you
So write these words upon the wall so everyone will know
I loved so much that I could see his blood upon the rose."

Fast der gesamte Aufstand von Joseph Plunkett ist in den Lyrics enthalten, von Patrick "Padric" Pearse, mit dem er sich im General Post Office (GPO) verschanzte, bis hin zur Heirat und zur Exekution im Gefaengnis. Also, fuer jeden, der etwas mit irischem Trad anfangen kann, eine klare Hoerempfehlung: "Grace" von den Dubliners.
Am Abend habe ich mich dann im Kino entspannt, ich habe mir The Departed mit Jack Nicholson, Matt Damon und Leo DiCaprio angesehen. Der kommt bei euch erst am siebten Dezember in die Kinos (hahaha), und es geht um das klassische Thema einer Maulwurfsjagd. Leo DiCaprio als Polizeispitzel, eingeschleust in die irische Mafia in Boston, die von Jack Nicholson geleitet wird, der seinerseits Matt Damon als Maulwurf geschickt hat, umd die Polizei zu unterwandern. Das ganze ist von Martin Scorsese und hat mir wirklich gefallen. Obwohl der Film hier in Irland ab 16 Jahren freigegeben ist, ist der Brutalitaetsgehalt wirklich hoch. Wem das nichts ausmacht, kann sich getrost den Film ansehen, er ist sehr spannend, hervorragend in Szene gesetzt und die Musik ist wirklich klasse. Man hat es sogar geschafft, das Thema der irischen Mafia subtil in den Soundtrack infliessen zu lassen, so findet man immer wieder kleine irische Jigs im Film. Also, mir hats sehr gefallen.
Zum Glueck bin ich seit dieser Woche auch nicht mehr zeitlos, denn ich habe eine nette Uhr gefunden, die ich mir zugelegt habe. Nach meiner letzten jugendlichen Uhr wollte ich mir diesmal etwas reiferes holen, und so zeigt mir jetzt eine Festina die Zeit an.
Apros pros Zeit: es ist Zeit, jobmaessig voranzuschreiten, denn heute ist mein letzter Tag bei QBE. Obwohl die Zeit hier sehr nett war, muss ich sagen, dass es mir gelegen kommt, denn nach 1 300 Akten kann ich langsam einfach keine Zahlen mehr sehen... Da am Montag frei ist, werde ich also hoffentlich am Dienstag bereits einen neuen Job haben, falls nicht kann ich eine freie Woche auch mal wieder ganz gut gebrauchen. Denn buerokratische Angelegenheiten kann man als arbeitender Mensch selten erledigen, weil die Beamten hier genauso lange arbeiten wie man selbst, und da die Mittagspause hier einheitlich von eins bis zwei zu sein scheinen, hilft einem nicht mal die weiter. Bleibt dann nur noch, 'nen halben Tag frei zu nehmen.
Naja, letzter Tag: was bedeutet das in Irland? - Richtig, saufen mit den Kollegen. Dem werde ich mich heute abend widmen.. ;) Also dann machts mal gut, naechste Woche werd' ich dann von meinen Job/Nicht-Job Abenteuern berichten. Bis dahin,
Slainte, der endlich nicht mehr zeitlose Marco

Mittwoch, Oktober 18, 2006

Auf dem Pfad der Wikinger

Nanu, der Marco in Schwimmweste, dazu noch dieser Wikingerhelm auf dem Kopf... was soll das? Nun, da die Wikinger bereits im achten Jahrhundert die Anfaenge von Dublin, ein kleines Dorf namens Dubh Linn (bedeutet dunkler Teich), bauten, dachte ich mir, dass eine kleine Stadtrundfahrt sicher nicht schaden koenne. Zum Glueck gibt es hier in Dublin nicht nur die stinknormalen Busrundfahrten, sondern eben auch die "Viking Splash Tours". Das besondere daran ist, dass man nicht mit normalen Bussen, sondern mit Amphibienfahrzeugen aus dem zweiten Weltkrieg, sogenannten Ducks, unterwegs ist. Denn die Tour findet dank der Schwimmfaehigkeit des fahrbaren Untersatzen auch auf dem Wasser statt. Desweiteren ist die ganze Tour im Wikingerstil gehalten - das bedeutet, man traegt Wikingerhelme und versucht nichtsahnende Kelten (Dubliner) auf der Strasse mit Aexten und wildem Gebruell zu erschrecken (Zitat Tour-Guide: "Toeten geht ja leider nicht mehr, wie es die Wikinger frueher gemacht haben..").

Naja, nach anderthalb Stunden (unter anderem war ich am U2-Tonstudio) hatte ich zwar das Rumjuckeln in dem alten Gefaehrt und das Wikinger-Flair genossen, musste aber auch feststellen, dass man nach ueber sechs Wochen schon den Grossteil der Stadt auf eigene Faust entdeckt hat. Auf jeden Fall war die Tour aber sehr lustig, und ich bin froh, sie mitgemacht zu haben. Am Abend war dann etwas Action angesagt, als ich feststellen musste, dass der Feuerwehrwagen, der mich in der Stadt auf dem Nachhauseweg ueberholt hatte, nun mit Blaulicht vor meinem Haus parkte - zum Glueck brannte aber bloss ein alter Gummireifen im Park gegenueber, den wohl irgendwelche Witzbolde angesteckt hatten. Also kein Grund, sich Sorgen zu machen. Trotzem erstaunlich, wie sehr so ein kleiner Reifen qualmen und stinken kann.
"Nicht nur in der Heimat, sondern auch in der Fremde..." wird es langsam herbstlich. Langsam fallen die Blaetter, die Temperaturen sind zwar noch milde, aber der Nieselregen nimmt bereits zu. Gestern konnte ich zum ersten Mal meinen Regenschirm einer wahrhaftigen Feuertaufe unterziehen. Da ist man dann immer froh, wenn man sich zu Hause einen schoenen Tee machen und vielleicht ein Sandwich dazu geniessen kann...

A pros pros Essen, mein Urteil, das Fruehstuck hier waere gewoehnungsbeduerftig muss ich wohl relativieren: Ich bin hier auf den Geschmack von Breakfast Rolls gekommen. Diese kleinen Baguettes belegen die Iren hier mit so ziemlich allem, was man sich vorstellen kann, besonders gelungen ist meiner Meinung nach Egg and Bacon, obwohl ich das auf nuechternen Magen auch grausam finde. Daran, dass man die Rolls auch mit Wuerstchen belegt kaufen kann, erkennt man den langen kranken Einfluss der Englaender in Irland... Aber als zweites Fruehstueck sind diese Sandwiches wirklich eine nette Idee.
Apros pros Eier: zum Glueck bin ich ja schon laenger 18, denn seit ein paar Tagen sind Eier hier nur noch an Erwachsene verkaeuflich. Zwar nicht ueberall, aber in einigen kleinen Doerfer schon. Der Grund ist die herannahende Hallowe'en Zeit, da in den letzten Jahren etliche Jugendliche und Kinder ihren Frust, an der Tuer ohne Suessigkeiten abgewiesen worden zu sein, mit Eiern und sonstigen Unrat an Autos und Haustueren ausgelassen haben...

Ansonsten geht hier alles seinen gewohnten Gang, in der Woche arbeiten, abends kochen und schlemmen (Zitat von Fabian, meinem deutschen Mitbewohner: "Du isst aber auch fuer zwei, oder..?" als ich mit zwei Tellern Pommes, Kartoffelecken und Haehnchen beladen zurueck ins Wohnzimmer kam). Am Wochenende erkunde ich Dublin und shoppe. Leider ist das im Moment eher aetzend, denn direkt nacheinander haben sowohl meine Uhr (Verbindung zum Armband gerissen) als auch mein CD-Player (Batterien reichen ihm wohl nicht mehr..) beschlossen, ihren Geist aufzugeben. Da werd ich mich jetzt also nach 'ner neuen Uhr und einer neuen Musikquelle umsehen (muessen).
Ab naechster Woche wird diese Gemuetlichkeit aber wohl ein Ende haben, denn falls meine Zeit bei QBE nicht wieder verlaengert wird, bin ich in einer Woche arbeitlos... Da heisst es dann wieder, zurueck zur Agentur rennen und um 'nen neuen Job bemuehen.

Wir werden ja sehen bzw. lesen. Krasserweise habe ich heute auch schon die Haelfte meines 2006er Irland-Aufenthaltes hinter mir. So schnell geht das....
Also so weit erstmal, schoenen Gruss an meine Erstsemester daheim aus Dublin,

Marco der Wikinger

Freitag, Oktober 13, 2006

Guinness As Usual

Mannoman, hier ist was los... Heute ganz normaler Arbeitstag, und ich sass gerade auf der Toilette, als auf einmal der Feueralarm losging. Zuerst dachte ich, dass waere wieder nur ein Test des Alarms, wie er hier bei QBE jeden Montag morgen um zehn Uhr stattfindet. Aber als der Alarm nach 30 Sekunden immer noch heulte, da merkte ich, dass es doch ernst war. Ich also noch schnell zum Haendewaschen geeilt (man ist ja schliesslich gut erzogen) und dann nix wie ab nach draussen und zur Treppe (Lift ist ja nicht im Feuerfall). Auf der Treppe (die kannte ich aufgrund des Lifts noch gar nicht) war dann auch schon eine kleine Voelkerwanderung in Gange, ich mich also eingereiht und ab nach draussen.

Ist doch ein sehr lustiges Bild, wenn dann auf einmal saemtliche Beschaeftigten von zwei Stockwerken auf der Strasse stehen, und gucken, ob man denn irgendwo 'ne Rauchschwade erkennen kann. Ich hab mir dann gegen das anfaengliche Herzklopfen (ist ja doch ganz schoen aufregend..) erstmal ne Cola geholt, und mit den anderen Schlipstraegern auf die Feuerwehr gewartet. Als die dann nach 'ner Weile immer noch nicht da war, war dann klar, dass es sich nur eine Uebung handelte, und die Menge setzte sich wieder in Bewegung, zurueck in die Bueros. Aber die Geschichte, wie ich mir trotz Feueralarm noch die Zeit fuer Toilettenpapier, Spuelen und Haendewaschen genommen habe, ist auf grosse Erheiterung gestossen, und hat sich bereits im Buero 'rumgesprochen... :) Ich habe wohl bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen...

A pros pros Eindruck: Meiner scheint hier gut zu sein, denn diese Woche habe ich meine 350 und letzte Akte im sechsten Stock archiviert. Obwohl mein urspruenglicher Auftrag damit nach vier Wochen erledigt waere, ist meine Zeit hier verlaengert worden - worueber ich sehr froh bin. Die Gegend sowie die Kollegen sind nett, das Buero gefaellt mir (was wohl auch an meinem eigenen Schreibtisch liegt) und ich verdiene sehr gutes Geld. Ich habe bereits von meinen ersten drei Cheques meine Wohnung fuer zwei Wochen im Voraus bezahlen koennen und immer noch ein nettes Suemmchen uebrig. Das werde ich am Ende meines Aufenthaltes zum Reisen sehr gut gebrauchen koennen, ich will ja noch mehr schone Landschaft von Irland sehen, wie Howth. Meine Wohnung habe ich auch immer noch, mittlerweile habe ich mich sogar zum Koch-Marco entwickelt, wenn auch noch in den Anfaengen. Aber leckere Variationen mit Haehnchenfleisch sind schon drin. So weit so gut.

Ansonsten hab' ich mich auch anderweitig gut in Dublin eingelebt, die Stadt ist mir schon richtig ans Herz gewachsen. Da ich auch mit dem Steuerbescheid endlich jeglichen Behoerdenkrams erledigt habe, herrscht jetzt hier Guinness As Usual. Jede andere Nation wuerde einfach zum 'Business As Usual' zurueckkehren, nur nicht die Iren..

Von meinem ersten Selbstverdienten auslaendischen Geld war ich dann am Wochenende erstmal shoppen (bis zur Daemmerung, sowas kenn ich gar nicht von mir..). Hier gibt's sehr nette Shops mit massig an legeren Klamotten, und wenn die Bankkarte sowieso locker im Portemonnaie sitzt, geht das Shoppen von selbst... :)
Da ich meinen gern getragenen Sneakers durch das exzessive Latschen hier in Dublin wohl den Rest gegeben habe, sodass das Regenwasser bereits durch die Sohle zog, hab ich mich jetzt erstmal mit neuen bequemen und sehr schicken Schuhen ausgeruestet, ausserdem 'nen Pullover fuer den freitaeglichen 'Casual Day' sowie ein neues Schloss fuer mein irisches Fahrrad besorgt. Denn ein Passant hatte mich darauf hingewiesen, dass sich angeblich zwei dunkle Gestalten an meinem Schloss zu schaffen gemacht haben sollen. Hmm naja, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Der Vorteil an Dublin ist, dass hier sehr viele Geschaefte einen Studentennachlass anbieten, eben auch der Schuhladen, der tatsaechlich "Schuh" heisst (leider bzw. zum Glueck ohne deutsche Angestellte). Bei 10% Rabatt kann man bei Schuhen dann doch einiges an Geld sparen, denn mein alter Studenten-Trick klappt noch immer... :) Mit dem Geld, was ich auf diese Art und Weise gespart habe, hab' ich in etwa schon drei Mittagessen finanziert.

Ansonsten ist hier wie gesagt alles paletti, ich hoffe dass die naechste Woche fuer unsere Erstsemester ebenso erfolgreich verlaeuft. Also liebe Gruesse, und immer schoen die Ohren steif halten,

Marc o'Brian from Ireland

Donnerstag, Oktober 05, 2006

Whiskey in the Jar

Meinen zweiten Urlaubstag am Dienstag (der musste allein schon wegen des Tags der deutschen Einheit sein - Einigkeit und Recht und Freiheit....) haben Fabi und ich etwas ruhiger angehen lassen. Das tat aber auch bitter not, und so sind wir dann in die Old Jameson Distillery gegangen, wo bis vor wenigen Jahren noch der beste irische Whiskey (irisch Uisce Beatha, gesprochen Isch-ke-baha, bedeutet Water of Life :) gebraut wurde. Allein von den Geruechen in der Distillerie hatte man schon den Eindruck, einen in der Krone zu haben. Die Tour durch die Anlage war sehr interessant und auch nicht sehr teuer, wenn man sich als Student ausgibt, der seine Karte nicht dabei hat... Am Ende der Tour gab es dann ein obligatorisches Glas Whiskey fuer jeden, und beim Whiskey Tasting stieg sofort die Stimmung. Wirklich ein koestliches Getraenk, seit dem Besuch bin ich wirklich auf den Geschmack von Jameson Whiskey gekommen..

Anschliessend waren wir auf dem Chimney, einem umgebauten alten Fabrikschornstein, von dem aus man den allerbesten meilenweiten Rundblick ueber Dublin hat. Sogar Howth vom Vortag konnte man noch erkennen. Das Abendessen an diesem Tag war wieder ausgezeichnet, auch weil wir (entgegen dem allgemeinen Urteil, wir oder ich wuerden uns ungesund ernaehren :) eine reichliche Salatbar von o'Briens besorgt hatten - quasi das Subway der Salatverkaeufer. Und mit Haehnchenfleisch und Dressing war der auch super lecker.
Am naechsten Tag musste ich zu meiner Arbeit zurueckkehren, so dass Fabi auf eigene Faust Malahide erkundet hat; ein kleines Staedtchen circa 45 Minuten noerdlich von Dublin, in dem ein sehr schoenes Schloss mit Gemaeldesammlung und Parkanlage sein soll. "Sein soll" deshalb, weil ich halt nicht da war, da kann euch also Fabi mehr drueber erzaehlen, vielliecht hinterlaesst er ja einen Comment oder Gast-Beitrag ueber seinen Malahide Besuch. Zurueck in Dublin konnte er aber auch sofort die Gastfreundschaft und Redelust der Iren entdecken: Beim Lauschen einer Harfenspielerin verwickelte ein aelterer Ire in in ein Gespraech und lud in spontan auf einen Kaffee ins naechste Restaurant ein - ja ja, so kann's gehen in Irland.

Der Rest der Woche verlief relativ ruhig, ich habe gearbeitet (und meinen zweiten Cheque erhalten), Fabi hat mich morgens wie ein besorgter Vati dort abgesetzt und nachmittags (aus dem Kinderparadies) wieder abgeholt :) , dann sind wir meist noch gemuetlich 'was trinken und fuer's Abendessen einkaufen gegangen. Ueberhaupt haben wir uns fuer zwei junge Junggesellen sehr koestlich und nahrhaft ernaehrt, zum Beispiel Schrimps auf Pommes frites mit Salat, Baguette und Nudeln, siehe Bild. Am Mittwoch Abend konnte ich dann eine sehr nette Pubrunde mit Fabi UND Konrad geniessen (voellig unabhaengig voneinander und voellig unabgesprochen waren wir alle in Hemd und Krawatte erschienen..), die beiden haben sich auf Anhieb super verstanden, und es war ein sehr netter Abend mit Whiskey, Guiness und Bulmers, meinem neuen Lieblings-Cider. Und beim Trinken gab es dann auch eine sehr interessante Gespraechsrunde, die bis zur Last Order um Mitternacht ging. Wirklich ein sehr gelungener Abend und eine sehr gelungene Woche mit einem schoenen Einblick in Irland fuer Fabi, wie ich denke. Da Fabi morgen, am Samstag, bereits wieder die Heimreise antritt, werde ich also naechste Woche bereits wieder von meinen Solo-Abenteuern berichten.

P.S.: Jeder, der hier bis jetzt fleissig am kommentieren war, hat jetzt das erste Dankeschoen dafuer erhalten: ihr solltet jetzt in eurem eMail Postfach ein Video aus dem Zoo finden. Viel Spass damit!

Luck of the Irish

Nachdem ich am Samstag Fabi vom Flughafen abgeholt habe (kleine Stadtfuehrung inklusive) und wir uns in meiner Wohnung haeuslich eingerichtet hatten (Pub Besuch danch musste sein...), haben wir am Sonntag den Zoo besucht. Und obwohl ich ja bereits einmal da war, gab es wieder etwas neues zu sehen. Highlight waren dabei zwei Amur-Tiger, die direkt an der Scheibe geschnarcht haben, so dass man sich diese Riesentiere in Ruhe angucken konnte (keine Panik, es geht jetzt NICHT wieder drei Posts lang um den Zoo... :). Da wir den ganzen Tag von Westen nach Osten, von Norden nach Sueden durch Dublin gelaufen waren, waren wir relativ froh, zu Hause (wenn man es so nennen mag) die Ruhe zu haben (zum Glueck hatten meine Mitbewohner nix dagegen, dass ich Fabi bei mir unterbringe). Die Fuesse waren echt fertig, denn wir waren circa acht Stunden nonstop auf den Beinen und am rumlatschen gewesen. Tierisch hungrig haben wir uns dann erstmal was zu essen gemacht. Und danach schoen die mueden Fuesse hochgelegt. Es geht doch nichts ueber Entspannen bei Tee und Kuchen, den der arme Fabi von zu Hause mitschleppen durfte :) Der war aber echt super lecker...

Am Montag (ich hatte frei) haben wir und ganz besonders ich das erste Mal etwas von der atemberaubenden irischen Landschaft gesehen. Wir haben morgens den DART, den irischen Regionalzug nach Howth genommen. Dieses kleine Fischerdorf (fuer alle English-LKler: da hat sogar William Butler Yeats gewohnt) liegt auf einer huegeligen Halbinsel, die man auf einem vielleicht einen Meter breiten Trampelpfad direkt an der steil abfallenden Kueste umrunden kann. Um euch mal einen Eindruck davon zu geben, was wir am Montag alles abgelaufen sind, auf der Karte habe ich unseren Weg nachgezeichnet. Diese Halbinsel liegt noerdlich von Dublin, man benoetigt mit dem Zug etwa eine halbe Stunde, und kann von Howth noch nach Dublin blicken, besonders von den erhoehten Punkten in der Mitte der Insel. Eigentlich sollte uns der Zug direkt bis nach Howth bringen, ueberraschenderweise hatte der Zug jedoch einen Defekt (es ist eben ueberall immer dasselbe mit den Zuegen...), sodass wir uns aus dem Norden zuerst bis nach Howth durchschlagen mussten. Oben links auf dem Satellitenbild begann also unser Trip (bei DART), und unser Weg fuerte uns dann suedlich an der Kueste (hammer Ausblick) zur Halbinsel und drumherum.

Kurz vor elf Uhr war es, als wir uns aufmachten, und am Suedzipfel der Halbinsel (wo ein super eindrucksvoller Leuchtturm steht) kamen wir dann in etwa um 14 Uhr an. Immer Mal wieder haben wir pausiert, um die Landschaft zu geniessen, Fotos und Videos zu machen oder etwas zu snacken. Als wir im Sueden von Howth angekommen waren, haben wir uns zur Inselmitte zu einem Pub durchgeschlagen, um uns etwas zu verpflegen. Ausserdem versuchten wir auf die Spitze des Huegels zu gelangen, leider befindet sich dort jedoch eine Forschungsstation sowie eine Kirchenruine, sodass der hoehste Punkt der Halbinsel nicht zugaegnlich ist. Mit dem Wetter hatten wir jedoch wirklich das Glueck der Iren, super Sonnenschein, schoen warm und etwas windig. Dann also wieder zurueck zum Leuchtturm, und den Rundgang um die Insel fortgesetzt. Als wir schliesslich am Hafen ankamen (die kleinen Auslaeufer im Norden der Insel, um die Boote vor dem Wellengang zu schuetzen, dort ist auch die DART-Station) war es bereits 17 Uhr, und unser Magen hing auf halb acht (waren wir doch seit circa sieben Stunden am wandern durch schwieriges Gelaende). Wir waren zwar um zwei Fuesse aermer, dafuer aber um 100 Fotos, Videos und tolle Ausblicke reicher. Waren die Fuesse nach dem Zoo schon erledigt, waren sie jetzt echt im Arsch. Also wir dann aus Howth den DART zurueck nach Dublin genommen, Abendessen zubereitet und todmuede ab ins Bett...

P.S.: Auf die Fotos klicken fuer die Grossansicht. Hab noch viel mehr Fotos gemacht, leider aber nur Platz fuer zwei pro Beitrag..