Montag, September 25, 2006

Wind of Change

Die letzte Woche hat viele Veraenderungen mit sich gebracht, was prinzipiell ja gut ist - wer rastet, der rostet, und nur, wenn Altes weicht, kann Neues kommen. Da meine drei Wochen WG am Sonntag ausliefen, war ich also gezwungen, mir eine neue Bleibe zu suchen. Zum Glueck hatte der selbe Vermieter in einem seiner anderen Haeuser ein Zimmer fuer mich frei- noch dazu ein Einzelzimmer. Jetzt wohne ich also 300 Meter weiter in einem sehr betagten Haus mit zwei anderen Jungs - einem Russen und einem anderen Deutschen. Wiedermal viel aelter als ich, scheinbar erfreut sich meine Unternehmung nicht so grosser Beliebtheit in meinem Alter. Ansonsten ist es aber auszuhalten, noch dazu relativ preiswert. Trotzdem werde ich mich aufgrund der Baufaelligkeit des Hauses wohl demnaechst wieder einmal auf Wohnungssuche begeben.

Am Wochenende habe ich also (wiedereinmal) alle meine Sachen zusammengepackt und meiner bisherigen Bleibe den Ruecken gekehrt - schade eigentlich, in Ringsend habe ich mich doch sehr wohl gefuehlt. Obwohl ich sagen muss, dass mir mit der Zeit meine Schwaebische Mitbewohnerin mit ihrem schrecklichen Sued-Deutsch doch auf die Nerven ging, besonders als sie auch noch zwei Freunde fuer drei Tage auf unserem Zimmer untergebracht hat - das und ihre schrille Stimme werd ich garantiert nicht vermissen. Nichtsdestotrotz kann ich die Bewohner ja jederzeit besuchen, was ich seitdem auch schon zwei Mal getan habe, das ganze ist also kein Weltuntergang.
Meinen letzten Abend haben Konrad und ich dann im Sandymount House begossen, dem ersten Pub in Dublin, der mir gefallen hat und nicht nur Kommerz war. Wir also eine naechtliche Fahrradtour zum Pub gemacht, und diesmal musste ich nicht einmal auf ein geliehenes Fahrrad setzten, denn Chris, der nach Schweden zurueckgekehrt ist, hat mir vor seinem Abschied sein Fahrrad inklusive Schloss ueberlassem! Es ist zwar ein wenig klapprig, aber es faehrt, und das ist die Hauptsache. Aber natuerlich kein Vergleich zu meinem geliebten Fahrrad zu Hause...
Anzumerken ist dabei noch, dass mir das System der rauchfreien Arbeitsplaetze in Irland wirklich zusagt, denn auch in den Pubs ist Rauchen verboten - das bedeutet, ungestoerter Pubgenuss und - was sehr viel wichtiger ist - man kann die Kleidung nachts unbeschwert im Zimmer lassen, und muss sie nicht aufgrund von starkem Rauch-Duft tagelang auf der Terasse auslueften...

Ausserdem hat sich meine berufliche Position geaendert. Da ich vergangenen Freitag mit der 280 Akte fertig wurde, ist meine Aufgabe im fuenften Stock von QBE erledigt - jetzt sitze ich im sechsten Stock, wo ich ebenfalls Akten scanne, wenn auch in leicht veraenderter Form. Die Kollegen hier sind genauso wie die auf dem fuenften Stock sehr nett, und in dieser Woche gluecklicher Weise kaum da gewesen, da sie Meetings in London und Wien hatten - ich hatte also massig Zeit, nebenbei im Internet zu surfen... :)
Gestern Abend gab es etwas, was ich so zuvor noch nie erlebt hatte - einen Social Abend. Das bedeutet, die Kollegen gehen zusammen aus, nehmen ein paar Drinks, essen was und gehen danach zur Comedy, ins Kino etc, jedoch wird alles von der Firma bezahlt. Das heisst, ich hatte gestern Abend viel Spass beim Biertrinken, Abendessen und Komiker-Zusehen (auch wenn ich die Haelfte aufgrund eines ausgepraegten Akzents nur schwer verstehen konnte), und das alles fuer lau. Davon koennten sich deutsche Firmen wirklich mal 'ne Scheibe von abschneiden. Am naechsten Morgen war hier alles ein wenig lockerer, alle kamen etwas spaeter und gingen die Arbeit dann etwas ruhiger an. Irische Gelassenheit...

Neben meiner Bankkarte habe ich jetzt auch endlich meinen ersten Paycheque erhalten, mein erstes selbstverdientes Geld in Irland - ein Steuerzertifikat habe ich auch bereits angemeldet - es brummt also hier in Dublin... :) Dabei muss ich wirklich sagen, dass die Loehne in Irland wirklich super sind, obwohl das Geld aufgrund der hohen Lebenskosten natuerlich auch schnell wieder verschwindet - ein Gleichgewicht also.

Am heutigen tag ist es genau ein Monat Irland; immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. 29ter August - 29ter September, bereits 31 Tage - was hat sich geaendert? Seit einem Monat sorge ich erfolgreich fuer mich selbst, worauf ich natuerlich doch stolz bin. Mein Franzoesisch ist dank Konrad ein wenig zurueckgekommen, wenn auch nicht viel, aber es ist trotzdem lustig zu sehen, was haengengeblieben ist. Ein paar Saetze Italienisch habe ich auch noch hingekriegt. Waesche waschen, Essen machen, Wohnung und Arbeit suchen, bei Behoerden melden - all das habe ich in den letzten vier Wochen gemeistert. Mit dem Englisch klappt es gut, ich habe einige neue Woerter gelernt, aber mit der Sprache hatte ich vorher auch noch nie wirklich Probleme. Ob ich schon ein wenig den Dubliner Akzent angenommen habe, kann euch in wenigen Tagen ein unparteiischer Beobachter erzaehlen - Fabian ist meinem Ruf nach Verstaerkung gefolgt und wird mich im irischen Alltag eine Woche lang unterstuetzen. Failte sag ich da nur, das ist irisch fuer Willkommen. Ich wuensche euch nun ein schoenes Wochendende, von meinen Abenteuern mit Fabi in Dublin werde ich dann in der naechsten Woche berichten.

Also, "heut' ist nicht aller Tage, ich komm' wieder, keine Frage"
Der Marco aus Irland

4 Comments:

Anonymous Anonym said...

Knecht Ruprecht is coming soon...

6:02 PM  
Anonymous Anonym said...

hey marco,
das ist ja super, dass du jetzt ein einzelzimmer hast, wo doch jetzt auch noch der fabi zu dir kommt, wär mit deiner schwäbin doch eng geworden (wo sie doch anscheinend so gesellig ist...)!
Also ich wünsch euch viel spaß...
und ich warte imemr noch auf die versprochene postkarte.....
und anrufen wolltest du auch noch....
*schluchz*
bald ist es mit meinem Faullenzen vorbei...
hdl julie

11:05 PM  
Anonymous Anonym said...

Hi marco!
Ich wünsch euch beiden dann mal viel Spaß zusammen.
Vergiss nicht: viele Fotos zuschießen und natürlich die versprochenen Videos uns bald zu zeigen. Wir warten alle ganz sehnsüchtig darauf. Lass uns ja nicht zu lange darauf warten... ;)
hdl pati

2:57 PM  
Blogger Marco said...

Kobold 443, ich werd dann am Flughafen auf 'nen kleinen Gnom warten. Hoffentlich wirst du nicht mit 'ner verlassene Tasche verwechselt und gesprengt, damit muss man hier ja immer rechnen...

Ja Julie, ich bin wirklich froh ueber meine Wohnung, auch dass ich von diesem Voll-Trottel von Mitbewohnerin weg bin. Als ich gestern mit Fabi mal wieder in der alten WG war, um ihm die Leute da zu zeigen, war Sie doch glatt der Meinung, zwei 19jaehrige aus nem Kaff in Norddeutschland haetten sich zufaellig zur selben Zeit du Dublin getroffen...
Keine Ahnung wie sie darauf gekommen ist, aber die Chancen dafuer sind garantiert tierisch hoch, weil Neumuenster ja so eine weltberuehmte Szenestadt ist..

Danke, Spass haben wir hier, bin aber leider im Moment (nicht nur wegen Fabi) beschaeftigt, sodass ich im Moment wenig Zeit habe. Tut mir leid, werd mich so bald wie moeglich wieder melden. Bitte um Geduld :)

Freue mich ja schon auf etwaige Berichte eurer post-Faulenz-Zeit. Bald geht der Ernst des Lebens also auch bei euch los..

Pati, alleine im Zoo und auf Howth (werdet ihr alles noch sehen...) hab ich massig Fotos und Videos gemacht, genauso Fabi. Ob ich die Videos aber von hier aus per Mail schicken kann, weiss ich leider nicht.
Also werdet ihr euch entweder bis zu meinem naechsten Besuch in 'nem Internet-Cafe oder bis zu meinem Weihnachtsbesuch gedulden muessen... Geduld, geduld, Vorfreude ist die schoenste Freude.. :)

Also, haltet die Ohren steif,

der Marco aus Irland

10:57 AM  

Kommentar veröffentlichen

<< Home