Dienstag, Dezember 19, 2006

Home, Boys, Home!


Ja und eh man sich versieht sind die drei Wochen Cork auch fast schon wieder um. Nachdem ich den Samstag ja arbeitenderweise verbracht hatte, habe ich mir dann am Sonntag ein Flugzeug von Cork nach Dublin genommen, um in weihnachtlicher Mission durch Dublin zu streifen. Der Flug war sehr nett, und auch gar nicht teuer. Es war mal eine ganz andere Erfahrung, am Flughafen einmal ohne den Stress mit Kofferaufgeben etc. eintreffen zu koennen. Am Corker Flughafen war alles auch sehr viel entspannter als in der Hauptstadt (10 Minuten Laufweg vom Landefeld zum Ausgang), immer wieder amuesant ist die uebliche Show der Flugbegleiterinnen ("die Notausgaenge befinden sich..."). Danch fuenf Minuten Start, eine Viertelstunde Flug mit Landschaft bestaunen und wieder fuenf Minuten Sinkflug - und schon ist man am anderen Ende der Insel. Ich war richtig froh, dass ich morgens den Flieger genommen hatte, denn der Bus zurueck nach Cork am Abend dauerte wieder mal elend lange.

Ja und schon ist es soweit: man steht der (vorerst) letzten Woche Irland gegenueber. Dass es so schnell vorbeigehen wuerde haette ich wirklich nicht gedacht. Vier Monate voller netter Leute, neuem Englisch, toller Landschaft, massenhaft neuen Erfahrungen und Perspektiven - aber jetzt geht es erstmal zurueck nach Hause. Puenktlich zum heiligen Abend hat mich dann auch DeutSchland wieder. Ich freue mich schon darauf, meine Famile und meine Freunde wieder zu sehen, auf das Fuenf-Sterne Essen zu Hause, mein geliebtes "Jug of Punch" - besonders wenn Gaeste da sind :), mein vergoettertes Lieblingsfahrrad und auf meine Heimatstadt. Am Samstag werde ich noch einmal packen und von Cork wieder zurueck nach Dublin fahren. Zum Glueck kann ich bei Freunden in Dublin einige Sachen bunkern, denn mein Koffer platzt aus allen Naehten. Gut, dass ich Weihnachten zu Hause dann schon mal was abladen kann. Und am Sonntag morgen geht es dann quer ueber die Nordsee, von der Kueste an die Kueste... nach Hause.


"And it's home, boys, home!
Home I'd like to be, home for a while
In my own contry, where the oak and the ash,
and the bonny elm tree, and all are growing greener
in the north country..."

Mittwoch, Dezember 13, 2006

Fest vercorkt

So, was gibt's neues? Mein Apple-Training habe ich jetzt abgeschlossen, und bin seit einer Woche live und in Farbe am Telefon. Die ersten iPods habe ich auch schon verkauft. So schlecht scheine ich mich auch gar nicht anzustellen, denn am Dienstag habe ich in meinem Team gleich mal den dritten Platz an verkaufter Ware gemacht.. Das ist in sofern toll, da hier in den zwei Wochen vor Weihnachten jeden Tag etwas fuer die ersten drei verlost wird, und ich gleich mal ein Teeset gewonnen habe... Einen Tag spaeter dann noch einmal ein Jenga-Set..
Begeisterung pur.... Diese Art zu motivieren (die Guten werden belohnt) ist zwar sehr nett, aber die andere Seite der Medaille hat es in sich: direkt im Call Centre haengt eine Tafel, auf die weniger guten Verkaeufer geschrieben werden... Ich finde das erinnert schon fast an den Pranger aus dem Mittelalter.

Aber ansonsten finde ich den Job bei Apple eigentlich ganz in Ordnung, und nehme jede Moeglichkeit fuer eine Ueberstunde wahr. Denn wer mich kennt, weiss, dass ich sowieso gerne telefoniere (unter den Lesern befinden sich einige meiner Lieblingsopfer...:) ) und wenn ich dafuer auch noch anderthalbfach pro Ueberstunde bezahlt werde, faellt die Entscheidung natuerlich leicht. Vergangenen Samstag habe ich auch gearbeitet, denn der wird sogar doppelt bezahlt, was traumhafte Einkuenfte bedeutet. Ausserdem spart man hier bei Apple auch noch ziemlich gut, weil das Kantinenessen wirklich sehr gut und guenstig ist. Noch was zum Foto: das Bild zeigt nur einen Teil des Centres, im Bild seht ihr den franzoesischen und den deutschen Markt, meinen Sitz habe ich durch einen Pfeil gekennzeichnet. Bei Apple arbeiten ungefaehr noch 1 875 Leute mehr...


Nach zwei Wochen habe ich mich jetzt auch relativ gut in Cork eingelebt. Die Stadt ist etwas ruhiger als Dublin, aber auch etwas anders... Morgens nehme ich immer den Bus vom Hostel zu Apple, der durch den Stadtteil Knocknaheeney faehrt. Ab und zu wird der Bus auch mal umgeleitet, wenn wieder irgendwelche Rabauken Steine schmeissen. Die Polizei hier in Irland traut sich dort auch nicht mehr 'rauf, weil die Polizisten hier nur mit Schlagstoecken bewaffnet sind. Also schon ein beachtlicher Unterschied zum in dieser Hinsicht ruhigen und beschaulichen Dublin. Die Busse sind aber immer noch genauso katastrophal wie in Dublin, kommen mehr zufaellig als planmaessig und sind bei Regen total ueberfuellt, sodass man mitunter bis zur Windschutzscheibe steht (bei einem etwaigen Unfall moechte ich dann nicht vorne stehen). Immerhin bekommt man hier das Wechselgeld direkt in die Hand, und muss nicht mit lauter Bons ins Bus-Buero rennen.

Dafuer nervt das Warten im Bushaeuschen, denn Cork wird Irlands Ruf als Land des ewigen Regens wirklich sehr gerecht. In meinen zwei Wochen, die ich bereits hier bin, hat es nur an einem einzigen Tag nicht puenktlich zu meinem Feierabend geregnet. Nun zurueck zum Warten im Bushaeuschen: zwar hat man etwas ueber dem Kopf, aber da der Regen hier dank des Windes schraeg von der Seite kommt, wird man trotzdem nass...
Meine Wohnungssuche habe ich inzwischen aufgegeben, da mir die verfuegbaren Wohnungen ueber Daft.ie staendig und wiederholt vor der Nase weggeschnappt wurden. Es ist nun mal so, dass die Leute sich Wohnungen und Jobs ueber den Winter hinaus sichern. Hinterher ist man immer schlauer. Nachdem ich dann nach vier Tagen immer noch im Hostel war, habe ich auch den Gedanken aufgegeben, fuer zweieinhalb Wochen noch eine Wohnung zu finden, und mir 'nen Wochenpreis fuers Hostel geben lassen. Nun teile ich mir mein Doppelzimmer mit einem seeehr seltsamen Franzosen (da kommt man muede von der Arbeit, will sich in Ruhe 'nen Tee machen und wird dann gefragt: "Was denkst du ueber den EU-Beitritt von Rumaenien?".... also wirklich...). Zum Glueck ist das Corker Kinlay besser auszuhalten als das Dubliner, und die meisten Leute, die ich von Apple kenne, wohnen sowieso dort. Besonders mit einer Gruppe von Franzosen komme ich sehr gut aus, so komme ich auch in den Genuss, beinahe jeden Abend sehr leckeres selbstgekochtes franzoesiches Essen geniessen zu koennen.

Am vergangenen Wochenende habe ich dann sehr netten Besuch aus Dublin erhalten, um Cork und Umgebung unsicher zu machen. Die Stadt ist wirklich angenehm mittelgross, und man kommt schnell und gut von einem Ende zum anderen. Dazwischen sind aber, wie es sich fuer die zweitgroesste Stadt der Republik und die "richtige Hauptstadt", wie die Corker ihre Heimatstadt gerne nennen, geziehmt, genuegend Sehenswuerdigkeiten verstreut. Zahlreiche Kirchen und Kathedralen offenbaren ihre wirkliche Schoenheit erst bei Nacht, wenn sie sich von unten angestrahlt gegen den Nachthimmel abzeichnen. Besonders die Shandon Church bei mir um die Ecke ist sehenswert. Allerdings gehen die Turmuhren so notorisch falsch, dass der Kirchturm von den Corkern nur "der viergesichtige Luegner" genannt wird.

Rund um die Corker Buch liegen kleine nette Fischerstaedtchen verstreut, das bedeutendste davon ist sicherlich Cobh (sprich "koof"). Einst der wichtigste Hafen Irlands war Cobh letzte Station fuer Millionen von Irischen Auswanderern (Annie Moore, die erste Einwanderin, die ueber Ellis Island in die USA gelangte, ist hier ein Denkmal gewidmet) und der letzte Hafen, an den die Titanic 1912 anlegte (damals zu Ehren der Koenigin "Queenstown" genannt). Das rauhe, nasse und windige Klima Corks setzte sich auch in Cobh fort, sodass ich froh war, meinen ersten Gluehwein diesen Jahres geniessen zu koennen (hmmm).
Der naechste Stop war dann der Fota Wildlife Park. Zwar ist dieser Zoo kleiner als der in Dublin, ist quasi mehr ein Tierpark, doch laufen hier fast alle Tiere frei und ohne Zaeune umher. Giraffen hautnah beim Fressen zuzusehen und vorsichtig um ein Lama herumzuschleichen ("bitte nicht spucken..") waren schon sehr nette Erlebnisse. Nichtsdestotrotz gab es auch hier wieder massenhaft unsichtbare Tiere, doch das und auch das schlechte Wetter machten eine Gepardin mit drei kleinen Jungen allemal wieder wett (sehr knuffig). Ueberhaupt gefiel mir der "Kleiner-Tierpark"-Charme des Parks sehr gut.

Ja und nach zwei Tagen Power-Sightseeing ist man dann auch schon so ziemlich mit dem Gebiet Cork fertig. Denn die nette Westkueste rund um die Dingle-Halbinsel werde ich mir fuer das neue Jahr fuer eine "Kueste-von-Irland-im-Auto"-Tour aufsparen. Und noch eine Zahl am Schluss: die ersten 100 Tage Irland sind auch schon 'rum...

Montag, Dezember 11, 2006

Irische Delikatessen

So, nachdem Fabi mich ja vor mehr als zwei Monaten in Dublin besucht hat, haben wir zwei es auch endlich geschafft, einen Gast-Beitrag von meinem Aushilfs-Iren zu veroeffentlichen. Ich gebe dann mal ab an Fabi und wuensche allen viel Vergnuegen mit den irischen Delikatessen...

"Alles beginnt mit dem Flug. Günstiger und einfacher geht es gar nicht mehr. Eine Reise nach Dublin wird da schon fast als Wochenendtrip möglich. Allerdings muss man gewarnt sein, denn wie so oft im Urlaub in einem schönen Land besteht die Gefahr, alles zurückzulassen. Das kommt einem vor als ob man gerade die „Mauer“ erfolgreich bezwungen hat und nun alles zurücklässt. Nein, das ist natürlich stark übertrieben. Zunächst sollte ich sagen, dass sich zunächst so einige Vorurteile schnell in Tatsachen verwandeln.
Erstens: die Insel ist sehr, sehr grün (-> „Grün, nichts als grün…“). Damit sollte man rechnen.
Zweitens: es regnet gelegentlich, dann scheint die Sonne, dann verpasst der Wind dir eine neue Frisur, später spielt der Nebel mit dir blinde Kuh bis es schließlich wieder Zeit wird für eine erfrischende Dusche von oben..

Drittens: ja hier fährt man tatsächlich links, also Achtung, Lebensgefahr. Geübte Fußgänger gehen einen Schritt weiter und überqueren die Straße ohne langes Gucken. Ich selbst habe das bis zum Schluss nicht ganz begriffen und war grundsätzlich verunsichert. Letztendlich herrscht hier die Diktatur des Fußgängers und es funktioniert. Vergleichbar mit unserem Großflecken. Da haben die Kfz.-Piloten auch nichts zu melden.
Viertens: in Irland ist es sehr lustig und die Menschen haben anscheinend viele lustige Hobbys, die auch gerne in den Beruf integriert werden. Das beginnt am Flughafen. Hier kommt alle paar Minuten eine Warnmeldung ("Zurueckgelassenes Gepaeck wird entsorgt..."). Daran gewöhnt man sich. Im Prinzip ist der Flughafen eine Art Jahrmarkt, denn gelegentlich (alle 5 Minuten) vergisst ein Reisender sein Gepäck. Hier kommen die Security-Leute ins Spiel, die sich den Spaß nicht nehmen lassen eine Warnung herauszuposaunen. Für sensible Menschen ein hartes Pflaster. So richtig lustig wird’s, wenn tatsächlich keiner die Tasche abholt, denn dann kommt es zur Sprengung. Ein echter Traumjob jeden Tag ein paar Taschen und Koffer in die Luft zu sprengen. Eine besondere Herausforderung stellen hier die Samsonite-Hartschalen-Koffer dar, die ja für ihre Robustheit bekannt sind.
Aber nun weiter zum Thema. Wichtig ist Höflichkeit im Umgang mit den Menschen. Man bedankt und entschuldigt sich für alles. Tut man das nicht, wird man sofort als Ausländer entlarvt. Ich hatte das am Anfang noch nicht so drauf. Ich war vor allem viel zu konzentriert auf meine ersten Eindrücke von der Stadt, weil ich mit Marco erstmal mit der Linie 41 (Tipp: ist günstiger als der Airport-Express) ins Stadtzentrum gefahren bin. Ich will gar nicht wissen, wie viele rechtschaffende Bürger ich durch diverse Rempler mit meinem Rollkoffer zu Halb-Invaliden gemacht habe. Von den Geschäften her gibt’s da den gleichen Kram wie bei uns. Daher waren wir erstmal bei Subway. Nachdem wir unsere Füße schon gleich mal auf den Rest der Woche eingestellt hatten, ging es zu Marcos Wohnung in Dublin. Obwohl Dublin die Hauptstadt ist, bleibt sie doch irgendwie gemütlich. Das liegt vor allem daran, dass sie eher kleine Häuser hat, die auch nicht so hoch sind.

Was auffällt an Dublin ist, dass man sich leicht zu Hause fühlt. Die Stadt ist nicht erschlagend groß und doch kulturell Deutschland näher als man denkt. Es ist zu empfehlen in Dublin früh aufzustehen. Das Frühstück ist hier wichtig. Tee kommt morgens immer gut. Er schmeckt anders als bei uns und heizt einen gut auf. Dublin selbst erkundet man am besten zu Fuß. Man ist der Stadt und den Menschen einfach näher. Zum Entspannen oder zum stundenlangen Joggen ist der Phoenix Park geeignet, aber viel zu weit außerhalb des Zentrums. Wenn man aber schon auf der Ecke ist, dann auf jeden Fall den Dublin Zoo besuchen. Im Vergleich mit Hagenbecks Tierpark ist er eher klein, aber die "World of Primates" ist schon interessant. Manche Tiere sind allerdings etwas schüchtern, also Zeit mitbringen. Wichtig ist auch ein Vorrat an trockenem Humor und Ironie. Auf keinen Fall darüber aufregen, dass man manchmal kein Tier zu Gesicht bekommt. Aufregen gilt nicht. Wenn die Füße rund sind und der Magen schon kündigen will, schnell was nachschieben, denn ein Tag in Dublin ist lang.
Überhaupt sollte man den Tag entspannt angehen. Marco und ich sind jedes Mal nach seiner Arbeit was trinken gegangen. Erst heiße Schokolade, manchmal einen Kaffee, am Abend gerne auch mal einen Jameson-Whiskey, womit ich bei den irischen Delikatessen bin.

Der Besuch in der Jameson-Destillerie ist schon beinah Pflicht. Für mich war sie eines der Highlights in Dublin. Die Führung durch die ursprüngliche Destillerie ist sehr lustig und im Prinzip ist man mit seinen Gedanken sowieso schon die ganze Zeit beim Jameson-Glas am Ende der Führung. Wer Whiskey-Fan ist, sollte beim Whiskey-Tasting mitmachen. Das ist ein Vergleich zwischen den berühmtesten Whiskeys der Welt. Das Geilste ist aber, dass man auf leeren Magen ziemlich schnell immer lustiger wird. Mir war doch recht warm auf einmal und die Leute um einen herum (besonders die Damen) wurden auch immer gesprächiger. Dass das immer so ist, lässt sich auch daran erkennen, dass man sich nachher in ein Buch eintragen kann. Die Leute schreiben da immer sehr lustige Sachen rein („Ich habe hier gesoffen / und fast dabei gebrochen“). Marco und ich haben auch gleich danach erstmal was gegessen bzw. was getrunken. Ich hab da einen sehr leckeren Irish Coffee getrunken. Ich bin jetzt erst richtig auf den Geschmack gekommen und hab später in der Woche Irish Coffee Gläser als Mitbringsel für meinen Vaddi mitgebracht. Da wird’s bei uns vor'm Ofen dann auch manchmal heiß und lustig. Aber das ist eine andere Geschichte. Über Sehenswürdigkeiten muss ich eigentlich nichts erzählen. Marco hat ja schon ausreichend Anekdoten über diese Dinge erzählt.

Eine besonders witzige Sache hab ich allerdings noch erlebt als Marco ab der zweiten Hälfte der Woche wieder gearbeitet hat. Ich war bereits mehrfach zwischen dem St. Stephens Green Park (in der Nähe war Marcos Arbeitsstelle) und der Henry Street (Einkaufsseitenstraße von der O’Connell Street) gependelt. Ich hatte an diesem Tag bereits mehrere kleine Seitenstraßen ausgecheckt und schon einige interessante Entdeckungen gemacht. Neben etlichen gemütlichen Cafés war mein bester Fund eine alte Markthalle, wo nun überall kleine Stände waren. Ich hab mir da später bei einem dieser Stände einen Pullover gekauft. Da roch es überall nach Opium-Räucherstäbchen und so. Echt geil. Ein kleiner Geheimtipp. Naja, weil das aber alles so müde macht, bin ich zu Starbucks gegangen, hab da meinen Frappuccino geschlürft und eine Karte geschrieben. Danach wollte ich noch in der Grafton Street shoppen gehen. Ich blieb auf dem Weg dorthin kurz stehen, weil dort auf der Straße eine Harfenspielerin war. Als ich da also so gedankenverloren rumstand, spricht mich auf einmal ein älterer Ire an und erklärt mir leidenschaftlich, dass er den Klang der Harfe möge. Ich war etwas irritiert und bestätigte vorsichtshalber erstmal. Wir kamen also ein wenig ins Gespräch bzw. er erzählte, dass er von Kunst und Musik begeistert sei. Er holte schließlich sogar ein Buch aus der Tasche, wo die berühmtesten Komponisten enthalten waren. Zu dem Zeitpunkt kam mir die ganze Sache schon unwirklich vor. Im nächsten Moment lud er mich auf einen Kaffee ein und führte mich zu einer Kirche. Ich dachte schon ich hätte was falsch verstanden, denn ich wollte eigentlich nicht beten gehen. Drinnen war aber dann außer alten Kirchenfenstern nichts mehr von sakraler Einrichtung übrig. Stattdessen war da das Touristen-Informationszentrum, ein Souvenirshop (Irish Coffee Gläser) und ein kleines Café eingezogen. So kam es, dass da ein junger Deutscher mit einem alten Iren in einer ehemals katholischen Kirche italienische Kaffeespezialitäten trank, amerikanische Muffins aß und über Kunst, Musik, Architektur, Geschichte und Freundschaft ("A friend in need is a friend indeed") über eine Stunde sprach. Als ich mich dann später auf dem Weg zu Marco machte, war ich völlig fertig. Was für eine verrückte Geschichte das da gerade war...

Also ihr merkt, nach Dublin fahren lohnt sich schon allein wegen solcher kleinen Erlebnisse und wegen dem einzigen echten Guinness. Es schmeckt hier einfach besser, weil ohne Konservierungsstoffe abgefuellt. Zurueck in Deutschland bekommt man dann erstmal 'nen kleinen Schock, weil das Bier so ungewohnt anders schmeckt. Ansonsten lass ich lieber die Bilder für mich sprechen. Und davon zu erzählen, was ihr sowieso schon wisst, macht ja auch kein Sinn.

Also macht’s gut und vielleicht kommt ihr ja auch irgendwann mal nach Dublin. Ist nur zu empfehlen, denn Irland macht wirklich glücklich, nicht nur wegen der irischen Delikatessen."

Dienstag, Dezember 05, 2006

An Apple a day keeps Dublin away

Ja ihr habt richtig gelesen, ich habe es endlich geschafft: Ich bin raus aus Dublin! Nach drei Monaten voller Enge, Laerm, Verkehr und viel zu vielen Menschen bin ich nach Cork ("Sumpfland"), der zweitgroessten Stadt der Republik, gezogen. Drei Wochen lang habe ich mich von Dublin aus um einen Job dort bemueht - bis ich schliesslich am Freitag von Apple angenommen wurde, um ihr iPod-Verkaufsteam vor Weihnachten zu verstaerken. Am Freitag musste ich also alles fuer Montag vorbereiten - Steuerbescheid besorgen, von den Kollegen bei QBE verabschieden, Zimmer ausraeumen und noch einmal mit Freunden in den Pub gehen - ueber Langeweile am Wochenende konnte ich mich wahrlich nicht beklagen. Am Sonntag sass ich dann auch schon im Bus nach Cork - nicht nur der Koffer, auch Rucksack und Tasche platzten aus allen Naehten. Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel Kram sich im Laufe der Zeit ansammeln kann. Vor der Rueckfahrt nach Dublin habe ich jetzt schon Panik - denn sobald ich Geld habe, werde ich wieder shoppen gehen....

Nach vier einhalb Stunden Busfahrt kam ich dann auch endlich in Cork an - und siehe da, soviel hat sich gar nicht geaendert. Die groesseren Staedte Irlands sind sowieso aus Hafenstaedten entstanden - sprich auch Corks Innenstadt spannt sich an einem Fluss, Lee, entlang, der von Quays gesaeumt ist. Die Stadt erstreckt sich malerisch ueber die Haenge der anliegenden Huegel, die bei Nacht mit einem Teppich aus kleinen Lichtern bedeckt sind. Dank der Globalisierung sind alle Geschaefte aus Dublin auch in Cork vertreten, ich wusste als (jetzt) alter Irland-Hase also gleich, wo ich ein gutes Abendessen abstauben kann.
Nun wohne ich also wieder temporaer in einem Kinlay House Hostel, denn auch das gibt es in Cork. Komischerweise ist das Corker Kinlay aber guenstiger (ist ja auch Nebensaison) und bequemer (mit nettem Wohnzimmer). Bleiben werd ich da aber trotzdem nicht, denn Jugendherbergen gehen mir per se einfach auf die Nerven. Nun gut, die Wohnungssuche ueber Daft.ie laeuft und ein paar Tage werde ich das Kinlay House auch noch ertragen koennen. Obwohl ich gedacht hatte, dass Cork aufgrund seiner Groesse nun nicht die Touristenstadt schlechthin sei, sind mir binnen 24 Stunden schon mindestens 6 Deutsche ueber den Weg gelaufen - einer davon ist auch noch auf meinem Zimmer. Ihr koennt euch nicht vorstellen, welche Freuden es einem bereitet, wenn ein mindestens 50jaehriger Mann aus Nordrheinwestphalen (immerhin) einen ewig langen Monolog ueber die Probleme des Alters fuehrt, selbst wenn man selbst seit 25 Minuten nichts mehr gesagt hat... Aber ich hoere den lieber Deutsch als Englisch reden, denn so ein fuerchterliches Englisch habe ich noch nie gehoert....

Nun arbeite ich also fuer Apple. Das ist irgendwie komisch, denn hier in Cork ist das Hauptquartier von Apple Europa. Das heisst, alle Apple-technischen Faeden aus Europa laufen hier zusammen. Ich sitze in einem riesigen Komplex aus Gaengen und Raeumen, 1900 Leute sind hier beschaeftigt, an manchen Morgen fahren Apple-eigene Busse durch die Stadt, um die Beschaeftigten zur Arbeit zu bringen. Die Anlage hier besitzt eine eigene Kantine, eine kleines Krankenhaus und Sporthalle. Allein fuer die Gaenge koennte man mal 'nen Busservice einrichten, gestern habe ich Seitenstechen allein davon gekriegt, dass ich nach dem Mittagessen aus der Kantine zurueck zum Trainingsraum gegangen bin...
Ueberhaupt, die Kantine: Super! Schoenes, abwechslungsreiches Mittagessen, wovon Apple die Haelfte bezahlt. Ich kann hier richtig schoen essen (die meisten von euch wissen, wie schwer ich satt zu kriegen bin), und bezahl' trotzdem nur 4 Euro fuer ein Mittagessen.... paradiesisch.
Jetzt bin ich also stolzer Traeger eines Apple-Ausweises, ohne den Magnetstreifen darauf kommt man hier durch keine Tuer. Der ganze Montag ging alleine fuer die Einfuehrung (was ist der Unterschied zwischen Mac und PC), die notwendigen Formalitaeten (war einfach fuer mich, habe ich ja schon alles hinter mir), Gesundheits- und Drogentests (ja, inklusive Becher-pinkeln... hatte was von der Musterung) und Identitaetsfeststellung (fuer den Apple-Ausweis) drauf.

Heute hat dann unser erstes richtiges Training begonnen, also was kann ein Mac, warum ist ein Mac besser als ein PC etc pp. Unsere beiden Trainer sind aber sehr lustig, und zeigen uns meistens, warum man mit einem Mac viel mehr Spass als mit einem PC haben kann:


Dabei gewoehnt man sich dann auch schnell an die Unterschiede (bin ja mit einem PC aufgewachsen) zwischen den beiden Computern in der Handhabung. Hoechstwahrscheinlich werde ich dann Freitag Morgen das Training abgeschlossen haben und an die Telefone kommen und Leuten behilflich sein, die gerne einen iPod haetten, sich aber nicht mit der Webseite des Apple-Shops zufrieden geben wollen und gerne menschliche Unterstuetzung haetten. Da iPods ja ohnehin ein beliebtes Weihnachtsgeschenk sind, werde ich also wahrscheinlich allerhand um die Ohren haben. Eine Stunde konnte ich heute schon bei einem Profi zuhoeren. Es hat nur zwei Sekunden gedauert, bevor wir anfingen, uns richtig gut zu verstehen. Warum? Er macht den Mund auf, und heraus kommt ein herrlich gut-tuender Hamburger-Slang... :) Das habe ich schon so lange nicht mehr gehoert, und seit drei Monaten war er der einzige, der auf Anhieb wusste, wo Neumuenster liegt.... tja, Norddeutsche halten eben zusammen....

Nun zum Nachteil des Jobs: ich bin gezwungen, meinen Heimflug zu verschieben. Das bedeutet, ich werde nun wirklich erst Heiligabend eingeflogen (ho ho ho). Aber hey, ich bin trotzdem noch rechtzeitig zu Weihnachten zu Hause! Tatsache ist, dass ich den Rueckflug, den ich nun nicht mehr nutzen kann, auf einen neuen Namen umbuchen kann. Und jetzt kommt's: Wer Lust hat, spontan einen Kurzbesuch in Irland zu machen, Zeit und Kapital hat, sich einen Hinflug zu besorgen, dem schenke ich meinen Rueckflug. Der ist am 20. Dezember, einem Mittwoch, das wird also wahrscheinlich unseren Studenten ueberhaupt nicht in den Kram passen. Aber vielleicht kommt das ja auch irgendjemandem gerade tierisch gelegen. Also, wer gerade ins Gruebeln gekommen ist: Antworten per Mail an mich, irgendjemand muss sich dann bloss noch mit dem Callcentre von Ryanair 'rumschlagen. Also, egal ob das jetzt passt oder nicht: das Angebot steht!

So siehts also im Moment aus hier in Cork, einiges hat sich geaendert, vieles ist aber auch gleich geblieben. Ich werd' mich dann mal wieder ans Training und die Wohnungssuche machen...

Samstag, Dezember 02, 2006

Weihnachtswahn

Aaargh! Der Weihnachtsrummel macht mich noch fertig. Jetzt ist ja Dezember, schoen und gut, da lasse ich mir das gefallen. Aber schon Mitte November gab es hier Weihnachtsschmuck zu kaufen (siehe Foto, aufgenommen in Malahide, da war ich am 30. Oktober!), auf den Einkaufsstrassen einen Tannenbaum (sowas haessliches, Cyanblau und Magentarot.... ), "Frohe Weihnacht" auf Irisch ueber den Strassen aufgehaengt, in den Supermaerkten laeuft non-stop "Last Christmas" von Wham! und "Do they know it's Christmas?" von Band Aid. Das sind meine Lieblings-Weihnachtslieder, und um mir die nicht fuer immer zu verderben bin ich meist so schnell wie moeglich rein in den Laden, zugegriffen, an die Kasse zum Selber-Bezahlen (ich befuerchtete, die Bedienung wuerde mir womoeglich ein "Frohes Fest!" wuenschen...) und so schnell wie moeglich wieder raus.
Was dem ganzen die Krone aufgesetzt hat war aber, dass seit Ende November bereits ein aelterer Mann im Santa-Kostuem nicht nur von den Dubliner Bussen herunter laechelt, nein auch im Shopping-Center am Stephen's Green Park laeutet der rote Schrecken die (Vor-) Weihnachtszeit lautstark ein.

Aber na gut, ich bin ja schon froh, dass ich hier von Flutlicht-geschmueckten Haeusern verschont bleibe, das fehlt gerade noch. In diesem Sinne also, eine frohe Vorweihnachtszeit und viel Spass beim Adventskalender oeffnen wuensche ich. Ich hoffe, ihr seid bisher von verfruehten Weihnachtsattacken verschont geblieben und freut euch schon auf Weihnachten, denn "Santa Clause is coming to town...."

A neat little town they called Belfast

Die zweitgroesste Stadt Irlands habe ich natuerlich auf meiner Irland-Reise nicht ausgelassen. Doch muss ich wirklich sagen, dass der Empfang nicht allzu herzlich war. Das lag nicht an den Einwohnern, nein, das Wetter war wirklich mies. Da man in Belfast viel weiter vom waermenden Golfstrom weg ist als in Dublin, ist es dort im Durchschnitt rund fuenf Grad kaelter. Zumindest war es das, als ich in Belfast, der "sandigen Furt", ankam. Kalt, Nieselregen den ganzen Tag und tierisch windig...

Ich habe mich deshalb beeilt, meine Tour durch die Innenstadt schnell abzuschliessen. Dazu muss man aber auch sagen, dass die Stadt selbst eher klein ist. Innerhalb von 15 Minuten gelangt man von einem Ende zum anderen. Und ueberall kranker Weihnachtswahn: Selbst Ende November prangte bereits ein "Happy Christmas" Schriftzug am Rathaus Belfasts inklusive Tannenbaum in weihnachtlichen Farben. Das Symbol Ulsters, also das des noerdlichen Teil Irlands, prangte ebenfalls ueberall: die rote Hand. Der Legende nach gab es einst einen Streit zwischen einem ansaessigen Wikingerstamm und einem, der das Land pluendern wollte. Auf einem Boot vor der Kueste soll der Haeuptling des ansaessigen Stammes erklaert haben, derjenige, der zuerst seine Hand auf das Land lege, solle es haben. Daraufhin schlug er seine Hand ab, warf sie an Land und "besiegte" somit die potentiellen Eroberer. Soviel zur Legende.
Ausserdem sind in Belfast noch der "kleine Big Ben", ein Uhrenturm, der dem Big Ben nicht unaehnlich ist, sehenswert, sowie Samson und Goliath, die zweit- und drittgroessten Kraene der Welt auf dem Gelaende der Harland und Wolff Werften, die am Beginn des 20ten Jahrhunderts die Titanic bauten und im zweiten Weltkrieg als Bauplatz fuer englische Schiffe von deutschen Flugzeugen bombardiert wurden.

Um mir die ehemals unversoehnlichen Arbeiterviertel im Westen der Stadt anzusehen, habe ich mir eine "Black Cap Tour" organisiert. Auf diesen Fahrten erklaeren einheimische Fuehrer die Gegend und vor allem die zahlreichen Wandbilder, Murals genannt, der Gegend. Zwar gibt es auch Bilder zu allgemeinen politischen Themen, meist sind aber Opfer des protestantisch-katholischen Konfliktes, "Troubles" genannt, abgebildet. Dieser Konflikt nahm vor 350 Jahren seinen Anfang, als Oliver Cromwell, der englische Tyrann, die "Plantations" durchsetzte. Dadurch wurden die katholischen Landwirte vom fruchtbaren Boden im Norden vertrieben, auf dem sich protestantische Landwirte aus England niederliessen. Die ohnehin schon angespannte Versorgungslage Irlands (1850 starben bei der "Famine", mehreren Kartoffelmissernten, ueber eine Million Iren an Hunger) schuf damit den Konflikt zwischen den beiden Religionen, bei dem die Konfession selbst zur Manifestation des Irland-England Konfliktes und des ewigen Funken am Pulverfass, der Irlandfrage (Vereinigtes Irland (Nationalists) oder Nordirland weiterhin im Vereinigten Koenigreich (Unionists) ) geworden ist.
Zurueck zu den Wandbildern: Obwohl die Regierung an sich gegen diese Bilder ist, kann sie nicht viel dagegen unternehmen: die Viertel sind immer noch stark von den jeweiligen Gruppen kontrolliert. Auf der Shankill ("alte Kirche") Road, dem Viertel der Katholiken, trifft man auf Darstellungen von irischen Maertyrern, die fuer die Freiheit Irlands ihr Leben gaben, Bilder, die an getoetete Zivilisten erinnern sollen und IRA-Schriftzuege. Denn obwohl seit 1994 der "Peace Process" in Gange ist, und die IRA ihre Waffen abgegeben hat, ist sie noch lange nicht weg vom Fenster. Der politische Arm der IRA, Sinn Féin ("wir selbst"), ist eine der staerksten Parteien in Irland, und obwohl es zum Glueck keine Bombenopfer der IRA mehr zu beklagen gibt (seit Beginn der Unruhen starben in Nordirland ueber 3 000 Menschen), explodieren immer noch Bomben in Geschaeften um Mitternacht. Auf diese Art und Weise stirbt niemand, das Geschaeft ist aber trotzdem zerstoert. Die letzte dieser Bomber war gerade erst 48 Stunden vor meinem Besuch explodiert.

Nach dem katholischen Viertel passierte mein Fahrer die "Peace Line", ein System aus Mauern, Zaeunen und Toren, das sich quer durch West-Belfast zieht, um die Katholiken von den Protestanten zu trennen. Zehn Tore gibt es, die bei Sonnenaufgang oeffnen und bei Sonnenuntergang schliessen, und nur eines davon oeffnet ueberhaupt am Wochenende. Ein riesieges Zaunsystem, Stahlkaefige an Schulen, um geworfene Steine abzufangen, Ueberwachungskameras ueberall - ich hatte gedacht, sowas gaebe es in unserer Zeit nur noch an der Grenze von Jerusalem und Palestina. Wer also in das jeweils andersglaeubige Viertel hinueber will, muss sich entweder an die Oeffnungszeiten halten oder einen Umweg ueber das City Center waehlen. Zwar arbeiten auch Katholiken im protestantischen Viertel und andersherum, aber sie sozialisieren sich dort nicht - keine andersglaeubigen Freunde, Verwandten, Liebschaften.

Auf der Falls Road, dem protestantischen Viertel, konnte man dann die Darstellung der Ereignisse aus der Sicht der Anderen begutachten. Darstellungen maskierter Armeemaenner, die die Unruhen in der Stadt bekaempften, Bilder der Queen und in den englischen Nationalfarben (rot, weiss, blau) angestrichene Laternenpfaehle und Bordsteine. Nach 90 Minuten war die sehr beeindruckende Fahrt in dem roten (!) Taxi zuende. Nach einem kleinen Spaziergang durch das Universitaetsviertel (ist ja auch nicht mehr lange fuer mich bis das Pauken wieder los geht) und die Botanischen Gaerten habe ich dann am Abend ein Pint meines Lieblingsbiers, Bulmers, im beruehmtesten Pub Belfast, dem Crown Liquor Saloon, genossen. Da Nordirland zum Vereinigten Koenigreich gehoert, hiess es dort Magners, und ich musste mit Pfund bezahlen. Wie die Englaender mit dieser Waehrung klarkommen, ist mir schleierhaft: Vollkommen unfoermige Muenzen, von denen die groessten am wenigsten wert sind, und total mit Farbe ueberladene Geldscheine, die nur das Queen-Portrait vom Monopoly-Geld unterscheidet...