Montag, Dezember 11, 2006

Irische Delikatessen

So, nachdem Fabi mich ja vor mehr als zwei Monaten in Dublin besucht hat, haben wir zwei es auch endlich geschafft, einen Gast-Beitrag von meinem Aushilfs-Iren zu veroeffentlichen. Ich gebe dann mal ab an Fabi und wuensche allen viel Vergnuegen mit den irischen Delikatessen...

"Alles beginnt mit dem Flug. Günstiger und einfacher geht es gar nicht mehr. Eine Reise nach Dublin wird da schon fast als Wochenendtrip möglich. Allerdings muss man gewarnt sein, denn wie so oft im Urlaub in einem schönen Land besteht die Gefahr, alles zurückzulassen. Das kommt einem vor als ob man gerade die „Mauer“ erfolgreich bezwungen hat und nun alles zurücklässt. Nein, das ist natürlich stark übertrieben. Zunächst sollte ich sagen, dass sich zunächst so einige Vorurteile schnell in Tatsachen verwandeln.
Erstens: die Insel ist sehr, sehr grün (-> „Grün, nichts als grün…“). Damit sollte man rechnen.
Zweitens: es regnet gelegentlich, dann scheint die Sonne, dann verpasst der Wind dir eine neue Frisur, später spielt der Nebel mit dir blinde Kuh bis es schließlich wieder Zeit wird für eine erfrischende Dusche von oben..

Drittens: ja hier fährt man tatsächlich links, also Achtung, Lebensgefahr. Geübte Fußgänger gehen einen Schritt weiter und überqueren die Straße ohne langes Gucken. Ich selbst habe das bis zum Schluss nicht ganz begriffen und war grundsätzlich verunsichert. Letztendlich herrscht hier die Diktatur des Fußgängers und es funktioniert. Vergleichbar mit unserem Großflecken. Da haben die Kfz.-Piloten auch nichts zu melden.
Viertens: in Irland ist es sehr lustig und die Menschen haben anscheinend viele lustige Hobbys, die auch gerne in den Beruf integriert werden. Das beginnt am Flughafen. Hier kommt alle paar Minuten eine Warnmeldung ("Zurueckgelassenes Gepaeck wird entsorgt..."). Daran gewöhnt man sich. Im Prinzip ist der Flughafen eine Art Jahrmarkt, denn gelegentlich (alle 5 Minuten) vergisst ein Reisender sein Gepäck. Hier kommen die Security-Leute ins Spiel, die sich den Spaß nicht nehmen lassen eine Warnung herauszuposaunen. Für sensible Menschen ein hartes Pflaster. So richtig lustig wird’s, wenn tatsächlich keiner die Tasche abholt, denn dann kommt es zur Sprengung. Ein echter Traumjob jeden Tag ein paar Taschen und Koffer in die Luft zu sprengen. Eine besondere Herausforderung stellen hier die Samsonite-Hartschalen-Koffer dar, die ja für ihre Robustheit bekannt sind.
Aber nun weiter zum Thema. Wichtig ist Höflichkeit im Umgang mit den Menschen. Man bedankt und entschuldigt sich für alles. Tut man das nicht, wird man sofort als Ausländer entlarvt. Ich hatte das am Anfang noch nicht so drauf. Ich war vor allem viel zu konzentriert auf meine ersten Eindrücke von der Stadt, weil ich mit Marco erstmal mit der Linie 41 (Tipp: ist günstiger als der Airport-Express) ins Stadtzentrum gefahren bin. Ich will gar nicht wissen, wie viele rechtschaffende Bürger ich durch diverse Rempler mit meinem Rollkoffer zu Halb-Invaliden gemacht habe. Von den Geschäften her gibt’s da den gleichen Kram wie bei uns. Daher waren wir erstmal bei Subway. Nachdem wir unsere Füße schon gleich mal auf den Rest der Woche eingestellt hatten, ging es zu Marcos Wohnung in Dublin. Obwohl Dublin die Hauptstadt ist, bleibt sie doch irgendwie gemütlich. Das liegt vor allem daran, dass sie eher kleine Häuser hat, die auch nicht so hoch sind.

Was auffällt an Dublin ist, dass man sich leicht zu Hause fühlt. Die Stadt ist nicht erschlagend groß und doch kulturell Deutschland näher als man denkt. Es ist zu empfehlen in Dublin früh aufzustehen. Das Frühstück ist hier wichtig. Tee kommt morgens immer gut. Er schmeckt anders als bei uns und heizt einen gut auf. Dublin selbst erkundet man am besten zu Fuß. Man ist der Stadt und den Menschen einfach näher. Zum Entspannen oder zum stundenlangen Joggen ist der Phoenix Park geeignet, aber viel zu weit außerhalb des Zentrums. Wenn man aber schon auf der Ecke ist, dann auf jeden Fall den Dublin Zoo besuchen. Im Vergleich mit Hagenbecks Tierpark ist er eher klein, aber die "World of Primates" ist schon interessant. Manche Tiere sind allerdings etwas schüchtern, also Zeit mitbringen. Wichtig ist auch ein Vorrat an trockenem Humor und Ironie. Auf keinen Fall darüber aufregen, dass man manchmal kein Tier zu Gesicht bekommt. Aufregen gilt nicht. Wenn die Füße rund sind und der Magen schon kündigen will, schnell was nachschieben, denn ein Tag in Dublin ist lang.
Überhaupt sollte man den Tag entspannt angehen. Marco und ich sind jedes Mal nach seiner Arbeit was trinken gegangen. Erst heiße Schokolade, manchmal einen Kaffee, am Abend gerne auch mal einen Jameson-Whiskey, womit ich bei den irischen Delikatessen bin.

Der Besuch in der Jameson-Destillerie ist schon beinah Pflicht. Für mich war sie eines der Highlights in Dublin. Die Führung durch die ursprüngliche Destillerie ist sehr lustig und im Prinzip ist man mit seinen Gedanken sowieso schon die ganze Zeit beim Jameson-Glas am Ende der Führung. Wer Whiskey-Fan ist, sollte beim Whiskey-Tasting mitmachen. Das ist ein Vergleich zwischen den berühmtesten Whiskeys der Welt. Das Geilste ist aber, dass man auf leeren Magen ziemlich schnell immer lustiger wird. Mir war doch recht warm auf einmal und die Leute um einen herum (besonders die Damen) wurden auch immer gesprächiger. Dass das immer so ist, lässt sich auch daran erkennen, dass man sich nachher in ein Buch eintragen kann. Die Leute schreiben da immer sehr lustige Sachen rein („Ich habe hier gesoffen / und fast dabei gebrochen“). Marco und ich haben auch gleich danach erstmal was gegessen bzw. was getrunken. Ich hab da einen sehr leckeren Irish Coffee getrunken. Ich bin jetzt erst richtig auf den Geschmack gekommen und hab später in der Woche Irish Coffee Gläser als Mitbringsel für meinen Vaddi mitgebracht. Da wird’s bei uns vor'm Ofen dann auch manchmal heiß und lustig. Aber das ist eine andere Geschichte. Über Sehenswürdigkeiten muss ich eigentlich nichts erzählen. Marco hat ja schon ausreichend Anekdoten über diese Dinge erzählt.

Eine besonders witzige Sache hab ich allerdings noch erlebt als Marco ab der zweiten Hälfte der Woche wieder gearbeitet hat. Ich war bereits mehrfach zwischen dem St. Stephens Green Park (in der Nähe war Marcos Arbeitsstelle) und der Henry Street (Einkaufsseitenstraße von der O’Connell Street) gependelt. Ich hatte an diesem Tag bereits mehrere kleine Seitenstraßen ausgecheckt und schon einige interessante Entdeckungen gemacht. Neben etlichen gemütlichen Cafés war mein bester Fund eine alte Markthalle, wo nun überall kleine Stände waren. Ich hab mir da später bei einem dieser Stände einen Pullover gekauft. Da roch es überall nach Opium-Räucherstäbchen und so. Echt geil. Ein kleiner Geheimtipp. Naja, weil das aber alles so müde macht, bin ich zu Starbucks gegangen, hab da meinen Frappuccino geschlürft und eine Karte geschrieben. Danach wollte ich noch in der Grafton Street shoppen gehen. Ich blieb auf dem Weg dorthin kurz stehen, weil dort auf der Straße eine Harfenspielerin war. Als ich da also so gedankenverloren rumstand, spricht mich auf einmal ein älterer Ire an und erklärt mir leidenschaftlich, dass er den Klang der Harfe möge. Ich war etwas irritiert und bestätigte vorsichtshalber erstmal. Wir kamen also ein wenig ins Gespräch bzw. er erzählte, dass er von Kunst und Musik begeistert sei. Er holte schließlich sogar ein Buch aus der Tasche, wo die berühmtesten Komponisten enthalten waren. Zu dem Zeitpunkt kam mir die ganze Sache schon unwirklich vor. Im nächsten Moment lud er mich auf einen Kaffee ein und führte mich zu einer Kirche. Ich dachte schon ich hätte was falsch verstanden, denn ich wollte eigentlich nicht beten gehen. Drinnen war aber dann außer alten Kirchenfenstern nichts mehr von sakraler Einrichtung übrig. Stattdessen war da das Touristen-Informationszentrum, ein Souvenirshop (Irish Coffee Gläser) und ein kleines Café eingezogen. So kam es, dass da ein junger Deutscher mit einem alten Iren in einer ehemals katholischen Kirche italienische Kaffeespezialitäten trank, amerikanische Muffins aß und über Kunst, Musik, Architektur, Geschichte und Freundschaft ("A friend in need is a friend indeed") über eine Stunde sprach. Als ich mich dann später auf dem Weg zu Marco machte, war ich völlig fertig. Was für eine verrückte Geschichte das da gerade war...

Also ihr merkt, nach Dublin fahren lohnt sich schon allein wegen solcher kleinen Erlebnisse und wegen dem einzigen echten Guinness. Es schmeckt hier einfach besser, weil ohne Konservierungsstoffe abgefuellt. Zurueck in Deutschland bekommt man dann erstmal 'nen kleinen Schock, weil das Bier so ungewohnt anders schmeckt. Ansonsten lass ich lieber die Bilder für mich sprechen. Und davon zu erzählen, was ihr sowieso schon wisst, macht ja auch kein Sinn.

Also macht’s gut und vielleicht kommt ihr ja auch irgendwann mal nach Dublin. Ist nur zu empfehlen, denn Irland macht wirklich glücklich, nicht nur wegen der irischen Delikatessen."

2 Comments:

Blogger Marco said...

So, ich habe jetzt die Ehre, zum ersten mal einen comment zu einem post abzugeben, der nicht von mir ist. Also sehr schoen geschrieben Fabi, alles Wichtige steht auch drin, und der Rest sowieso in meinen Posts.

Also ich kann mich nur Fabi anschliessen:

IRLAND MACHT GLUECKLICH!

9:14 PM  
Blogger Ivonne said...

Ja klar, wieder am Whiskey (extra nochmal nachgeschlagen damit ich auch wirklich den irischen mein!) gerochen oder?!
Aber macht ja nix, mach ich morgen auch.

@Fabi: Ich haett dann gern mal eine Beschreibung zu der Gasse mit den Opiumstaebchen- oder alternative den Strassennamen ;)
Scheint mir du hast ausser den guten Erinnerungen an deine Abenteuer hier noch etwas mehr mit genommen, als nur die Mitbringsel ... irischen Humor ... Auf jeden Fall ein guter Post!

10:07 PM  

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