Gruen, nichts als Gruen...
Um zu dem 5 200 Jahre alten Unesco Weltkulturerbe Newgrange zu kommen, habe ich am Donnerstag eine Bustour (Boyne Valley Tour) unternommen. Vorher hat unser Fahrer allerdings in Drogheda Station gemacht. Am Beispiel dieser Stadt kann man die irische Abneigung den Briten gegenueber wirklich verstehen: Dieses (jetzt) kleine Staedtchen hatte einst eine der schoensten Stadtmauern ganz Irlands. Als die Iren gegen den britischen Tyrannen Oliver Cromwell aufbegehrten, liess er an Drogheda ein Exempel statuieren: die komplette Stadt wurde zerstoert, in Brand gesteckt und alle Zivilpersonen grausam massakriert. 200 Ueberlebende wuerden zur Sklavenarbeit nach Barbeidos geschickt, was damals noch ein Sumpf war. Mit anderen Worten: Nach drei Monaten war man tot. Von diesem Einschnitt hat sich die Bevoelkerung Droghedas bis heute kaum erholt, fast jede Familie der Stadt hat damals Urgrossopa oder einen vergleichbaren Verwandten zu beklagen gehabt.
Von der schoenen Stadtmauer ist heutzutage nur noch ein einziger Torbogen uebrig, welcher aber noch einen guten Eindruck von den vergangenen Zeiten vermittelt.
Unser naechster Zwischenstop war dann Monasterboice. Diese kleine Klosterruine mitten in der irischen Pampa besitzt eine ganze Reihe von beruemten irischen Sehenswuerdigkeiten. Zuersteinmal einen leider teilweise eingestuerzten Rundturm, die damals als Befestigung gegen die einfallenden Wikinger und Normannen gebaut wurden. Ferner gibt es hier drei Hochkreuze, von denen eines das groesste und besterhaltene in ganz Irland ist. Direkt neben der Ruine grasen Schafe und Kuehe, eine fast schon surreal anmutende Idylle.
Weiter gings durch das Boyne Valley (fuer alle Baumann-Opfer: obwohl man am Anfang bei dem Namens durch das endlose Reinpruegeln desselben eher Abneigung verspuert, ist es dort wirklich sehr schoen. Jetzt kommt aber der Hammer: Baumann hat den Namen ein halbes Jahr lang FALSCH ausgesprochen! Ha! Und sowar passiert einem Dozenten aus Kiel..).
Die Boyne durchfliesst dieses Tal, das vor Baeumen, Straeuchern, Wiesen und Felder nur so strotzt. Hier bin ich dann auch sehr schnell bei dem Versuch gescheitert, die beruehmten irischen 40 Shades of Green mitzuzaehlen. An dem ganzen Gruen entlang des Weges konnte ich mich ueberhaupt nicht mehr sattsehen. Alle, die das nicht selbst gesehen haben, koennen sich das schlecht vorstellen, und Fotos allein koennen die atemberaubende Schoenheit hier schlecht einfangen, aber solche gruenen Weiten habe ich noch nicht gesehen. Und zwischendrin grasen gemuetlich Schafe und Kuehe, als koennte hier nichts auf der Welt den Frieden erschuettern... Was mich vor allem begeistert hat, war, dass man nach 20 Minuten aus Dublin (!) heraus bereits nichts als Stille zu hoeren bekommt, und wenn man um den naechsten Baum herumgeht, ist man auch schon allein. Wenn man sich hier nur etwas von den ausgelatschten Touristenwegen entfernt, breitet sich die irische Landschaft auch schon vor einem in aller Abgeschiedenheit aus. Einfach perfekt, um Entspannung und Abstand vom geschaeftigen Alltag der einstigen Kulturhauptstadt zu finden... Herrlich :) .
Gegen Mittag kamen wir dann endlich an der alten Grabanlage Newgrange an. Zusammen mit einem sehr netten Amerikaner aus Chicago und einem aelteren Ehepaar aus Duesseldorf (die uebrigens alle am Dublin-Marathon am Montag teilgenommen hatten - Respekt!) habe ich mich dann also auf die Spur der Ureinwohner gemacht und mich durch den seeehr engen Gang (ich war kurz vorm Kriechen) in die Grabhoehle begeben. Umgeben von 40 kleineren Huegelgraebern sind dort drinnen in Kreuzform Steinschalen angebracht, in denen die verbrannten Ueberreste der Verstorbenen bis zur Wintersonnenwende aufbewahrt wurden. Warum ausgerechnet bis zur Wintersonnenwende? Vor ueber 5 000 Jahren waren die Menschen auf Gedeih und Verderben auf die Landwirtschaft zum Ueberleben angewiesen. Die lebenspendende Sonne war zum Ueberleben unabdingbar. Im Aberglauben der Ur-Iren war die Angst tief verwurzelt, die Sonne wuerde eines Tages, nach dem lebensarmen Winter nicht wieder zurueckkehren, um in einem neuen Fruehling die Natur wieder zu erwecken. Um zu ueberpruefen, ob die Sonne auch wiederkehrte, brachten die Ureinwohner einen Spalt im Grab an (auf dem Foto der rechteckige obere Einlass), durch den exakt am 21. Dezember, dem Tag nach dem kuerzesten Tag des Jahres, um 8.58 Uhr ein Sonnenstrahl fuer 17 Minuten durch den Spalt ins Innere des Grabes faellt. Vielleicht glaubten die Ur-Iren, dass mit der Sonne der Geist der Verstorbenen befreit wuerde, wer weiss? Nach diesen 17 Minuten erlischt der Sonnenstrahl, und die Sonne kehrt bald mit einem neuen Fruehling und Sommer wieder. Nur an diesem Tag scheint die Sonne in das Grab, ich konnte nur den mithilfe einer Taschenlampe nachgestellten Schein sehen. Das und die Tatsache, dass in ueber 5 000 Jahren nicht ein einziger Regentropfen des irischen Wetters durch die aufgetuermten Steinplatten in das Grab gesickert ist, belegt die erstaunliche Baukunst der vergangenen Tage.
Den Abschluss unserer Tour bildete dann der Hill of Tara, der bis ins elfte Jahrhundert als der Sitz der irischen Hochkoenige diente. Von den einst so praechtigen Anlagen sind nur noch die Waelle uebrig, doch vom Huegel der Koenige aus kann man 20% von Irland erblicken. Dort steht auch der Stein der Koenige, der der Legende nach gebruellt haben soll, wenn ihn der naechste rechtmaessige Koenig von Irland beruehrt. Leider hat er bei mir geschwiegen, schade eigentlich, denn als Koenig von Irland haette ich etliche Ideen, die ich verwirklicht haette... :)
Nachdem ich dort den Sonnenuntergang beobachten konnte, haben wir uns dann auf den Rueckweg nach Dublin gemacht. Und obwohl ich ja im Bus sitzen konnte, macht so ein ereignisreicher Tag dann doch ganz schoen muede. Aber nach dem Reisen in Irland bin ich suechtig geworden, habe ich festgestellt. Als naechstes werde ich dann von meinem Ausflug nach Bray berichten.
Von der schoenen Stadtmauer ist heutzutage nur noch ein einziger Torbogen uebrig, welcher aber noch einen guten Eindruck von den vergangenen Zeiten vermittelt.
Unser naechster Zwischenstop war dann Monasterboice. Diese kleine Klosterruine mitten in der irischen Pampa besitzt eine ganze Reihe von beruemten irischen Sehenswuerdigkeiten. Zuersteinmal einen leider teilweise eingestuerzten Rundturm, die damals als Befestigung gegen die einfallenden Wikinger und Normannen gebaut wurden. Ferner gibt es hier drei Hochkreuze, von denen eines das groesste und besterhaltene in ganz Irland ist. Direkt neben der Ruine grasen Schafe und Kuehe, eine fast schon surreal anmutende Idylle.Weiter gings durch das Boyne Valley (fuer alle Baumann-Opfer: obwohl man am Anfang bei dem Namens durch das endlose Reinpruegeln desselben eher Abneigung verspuert, ist es dort wirklich sehr schoen. Jetzt kommt aber der Hammer: Baumann hat den Namen ein halbes Jahr lang FALSCH ausgesprochen! Ha! Und sowar passiert einem Dozenten aus Kiel..).
Die Boyne durchfliesst dieses Tal, das vor Baeumen, Straeuchern, Wiesen und Felder nur so strotzt. Hier bin ich dann auch sehr schnell bei dem Versuch gescheitert, die beruehmten irischen 40 Shades of Green mitzuzaehlen. An dem ganzen Gruen entlang des Weges konnte ich mich ueberhaupt nicht mehr sattsehen. Alle, die das nicht selbst gesehen haben, koennen sich das schlecht vorstellen, und Fotos allein koennen die atemberaubende Schoenheit hier schlecht einfangen, aber solche gruenen Weiten habe ich noch nicht gesehen. Und zwischendrin grasen gemuetlich Schafe und Kuehe, als koennte hier nichts auf der Welt den Frieden erschuettern... Was mich vor allem begeistert hat, war, dass man nach 20 Minuten aus Dublin (!) heraus bereits nichts als Stille zu hoeren bekommt, und wenn man um den naechsten Baum herumgeht, ist man auch schon allein. Wenn man sich hier nur etwas von den ausgelatschten Touristenwegen entfernt, breitet sich die irische Landschaft auch schon vor einem in aller Abgeschiedenheit aus. Einfach perfekt, um Entspannung und Abstand vom geschaeftigen Alltag der einstigen Kulturhauptstadt zu finden... Herrlich :) .
Gegen Mittag kamen wir dann endlich an der alten Grabanlage Newgrange an. Zusammen mit einem sehr netten Amerikaner aus Chicago und einem aelteren Ehepaar aus Duesseldorf (die uebrigens alle am Dublin-Marathon am Montag teilgenommen hatten - Respekt!) habe ich mich dann also auf die Spur der Ureinwohner gemacht und mich durch den seeehr engen Gang (ich war kurz vorm Kriechen) in die Grabhoehle begeben. Umgeben von 40 kleineren Huegelgraebern sind dort drinnen in Kreuzform Steinschalen angebracht, in denen die verbrannten Ueberreste der Verstorbenen bis zur Wintersonnenwende aufbewahrt wurden. Warum ausgerechnet bis zur Wintersonnenwende? Vor ueber 5 000 Jahren waren die Menschen auf Gedeih und Verderben auf die Landwirtschaft zum Ueberleben angewiesen. Die lebenspendende Sonne war zum Ueberleben unabdingbar. Im Aberglauben der Ur-Iren war die Angst tief verwurzelt, die Sonne wuerde eines Tages, nach dem lebensarmen Winter nicht wieder zurueckkehren, um in einem neuen Fruehling die Natur wieder zu erwecken. Um zu ueberpruefen, ob die Sonne auch wiederkehrte, brachten die Ureinwohner einen Spalt im Grab an (auf dem Foto der rechteckige obere Einlass), durch den exakt am 21. Dezember, dem Tag nach dem kuerzesten Tag des Jahres, um 8.58 Uhr ein Sonnenstrahl fuer 17 Minuten durch den Spalt ins Innere des Grabes faellt. Vielleicht glaubten die Ur-Iren, dass mit der Sonne der Geist der Verstorbenen befreit wuerde, wer weiss? Nach diesen 17 Minuten erlischt der Sonnenstrahl, und die Sonne kehrt bald mit einem neuen Fruehling und Sommer wieder. Nur an diesem Tag scheint die Sonne in das Grab, ich konnte nur den mithilfe einer Taschenlampe nachgestellten Schein sehen. Das und die Tatsache, dass in ueber 5 000 Jahren nicht ein einziger Regentropfen des irischen Wetters durch die aufgetuermten Steinplatten in das Grab gesickert ist, belegt die erstaunliche Baukunst der vergangenen Tage.
Den Abschluss unserer Tour bildete dann der Hill of Tara, der bis ins elfte Jahrhundert als der Sitz der irischen Hochkoenige diente. Von den einst so praechtigen Anlagen sind nur noch die Waelle uebrig, doch vom Huegel der Koenige aus kann man 20% von Irland erblicken. Dort steht auch der Stein der Koenige, der der Legende nach gebruellt haben soll, wenn ihn der naechste rechtmaessige Koenig von Irland beruehrt. Leider hat er bei mir geschwiegen, schade eigentlich, denn als Koenig von Irland haette ich etliche Ideen, die ich verwirklicht haette... :)Nachdem ich dort den Sonnenuntergang beobachten konnte, haben wir uns dann auf den Rueckweg nach Dublin gemacht. Und obwohl ich ja im Bus sitzen konnte, macht so ein ereignisreicher Tag dann doch ganz schoen muede. Aber nach dem Reisen in Irland bin ich suechtig geworden, habe ich festgestellt. Als naechstes werde ich dann von meinem Ausflug nach Bray berichten.


3 Comments:
Hmm, vielleicht hätte ich den stein auch mal berühren sollen. Bis wann hatten die Iren denn eigentlich einen LotI (Lord of the Irish). und noch was geb ich dir mit auf den weg nach bray. wenn du den DART verlässt: "mind the gap!" also dann viel spaß in bree, äh, ich meinte bray. wir freuen uns auf die news.:)
in aller demut, muss ich mich im anschluss für sämtliche kalauer und phrasen entschuldigen.
liebe mit-kommentatoren, mr. blogger,
es tut mir leid. :)
Hmm, das kann ich dir, liebes Phrasenschwein, jetzt gar nicht so auf Anhieb beantworten. Was ich dir aber sagen kann, ist, dass die Anlage in Tara 1022 aufgegeben wurde. Ich denke mal um diese Zeit herum verschwanden dann auch die High Kings langsam von der Bildflaeche.
Jo, die Gap habe ich gemindet (um mal im schoensten Denglisch zu sprechen). Leider habe ich in ganz Bray kein einziges Lokal "zum taenzelnden Pony" gefunden... ;)
In meiner unendlichen Grosszuegigkeit als Oberblogger sei dir, unwuerdiger Fritzi, hiermit verziehen.
Zu meiner Schande kann auch ich mich nicht zurueckhalten, deswegen verabschiede ich mich mit einem verachtenswerten:
"This train is for ... Bray!"
(An alle anderen: Es tut mir leid!)
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